In Sanaa werden Nahrungsmittel an bedürftige verteilt.
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In Sanaa werden Nahrungsmittel an bedürftige verteilt.

Versorgungslage

Corona-Krise verschärft Hunger im Jemen

Das Land leidet laut UN unter dem jahrelangen Krieg, einer Heuschreckenplage und wiederkehrenden Überflutungen, die Bewässerungssysteme zerstörten.

Die Corona-Krise verschlimmert die ohnehin katastrophale Versorgungslage im Jemen. Bis Jahresende werde die Zahl der Hungernden im Süden des Landes um mehr als eine Million auf 3,2 Millionen Menschen steigen, warnte das Welternährungsprogramm (WFP) am Mittwoch in Rom. Das entspreche 40 Prozent der dortigen Bevölkerung. Im gesamten Jemen wurden bislang mehr als 1.600 Corona-Infektionen und 456 Todesfälle bekannt.

Das Land leidet laut dem UN-Programm auch unter dem jahrelangen Krieg, einer Heuschreckenplage und wiederkehrenden Überflutungen, die Bewässerungssysteme zerstörten. „Die Welt muss etwas gegen diese sich ausbreitende humanitäre Katastrophe tun, bevor es zu spät ist“, warnte WFP-Exekutivdirektor David Beasley. Auch der WFP-Landesdirektor Laurent Bukera verwies auf den Ernst der Lage. „Der Jemen hängt am seidenen Faden“, sagte er.

Das WFP versorgt 13 Millionen Menschen im gesamten Jemen mit Nahrungsmitteln sowie 1,1 Millionen Kinder und Frauen mit Ernährungshilfe. Die UN-Organisation benötigt nach eigenem Bekunden dringend 737 Millionen US-Dollar (636 Millionen Euro), um die Hilfen bis Ende 2020 fortführen zu können. Nach Einschätzung der UN ist der Jemen der Schauplatz der schlimmsten humanitären Krise weltweit.

Laut einer Untersuchung der Hilfsorganisation Handicap International funktionieren über die Hälfte der medizinischen Einrichtungen im Jemen nicht mehr. Von den rund 30 Millionen Jemeniten seien mehr als 24 Millionen auf Überlebenshilfe angewiesen, knapp 18 Millionen hätten keinen Zugang zu Trinkwasser. Der Einsatz von Explosivwaffen wie Granaten, Streubomben und Raketen habe die Entwicklung des Landes nach UN-Berechnungen um 25 Jahre zurückgeworfen, heißt es in einer Studie der Organisation, die sich unter anderem für Menschen mit Behinderung einsetzt.

Etwa ein Viertel des Straßennetzes im Jemen ist demnach vollständig oder in Teilen zerstört. Es werde Jahre dauern, die Waffenreste zu beseitigen und die Infrastruktur wiederaufzubauen.

Saudi-Arabien führt seit 2015 eine Militärkoalition an, die aufseiten der jemenitischen Regierung gegen die Huthi-Rebellen kämpft, die wiederum Unterstützung aus dem Iran erhalten. Durch Gewalt, Hunger und vermeidbare Krankheiten starben in den vergangenen Jahren Zehntausende Menschen im Jemen. Im April hatte Saudi-Arabien angesichts der Corona-Pandemie eine Waffenruhe ausgerufen, trotzdem wird über Kämpfe berichtet. (epd)

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