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Wahlen

Schottland will die Unabhängigkeit - Ministerpräsidentin Sturgeon profitiert von Corona-Krisenpolitik

  • Sebastian Borger
    vonSebastian Borger
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Schottlands Ministerpräsidentin steuert dank ihrer Krisenpolitik in der Corona-Krise auf einen deutlichen Wahlsieg zu.

  • Im kommenden Mai wird in Schottland gewählt.
  • Ministerpräsidentin Nicola Sturgeon ist Verfechter der Unabhängigkeit von England
  • Doch es gibt auch Kritik am Kurs von Sturgeon.

„Schottland ist eine Nation an der Schwelle: Wir haben die Unabhängigkeit klar im Blick.“ Zum Abschluss des virtuellen Jahrestreffens hat die schottische Ministerpräsidentin Nicola Sturgeon die Delegierten ihrer Nationalpartei SNP am Montag auf den bevorstehenden Wahlkampf eingestimmt. Während die Umfragen tatsächlich eine Mehrheit für die Loslösung von England sehen, muss sich die Edinburgher Politikerin zunehmend Kritik an ihrer seit 13 Jahren amtierenden Regierung gefallen lassen. Nicht zuletzt ist ihr Vorgehen im Kampf gegen die Corona-Pandemie in die Kritik geraten.

Nicola Sturgeon will auch nach der Wahl im Mai im Amt bleiben.

Corona in Schottland: So gut sind die Zahlen nicht

Bis in den Herbst hinein hatte Sturgeons stets vorsichtige und klar kommunizierte Politik gegen Sars-CoV-2 große Zustimmung gefunden. Die Schottinnen und Schotten kontrastierten ihr Vorgehen positiv mit dem dilettantischen Schlingerkurs der für England zuständigen Regierung von Boris Johnson.

In den vergangenen Wochen aber machen Fachleute auf die Relativität dieser Sichtweise aufmerksam. In absoluten Zahlen, beispielsweise der Zahl der an Covid-19 Verstorbenen, schneidet der Norden der britischen Insel kaum besser ab als England; gemeinsam mit Wales und Nordirland liegt das Vereinigte Königreich in der traurigen Statistik europaweit hinter Belgien, Spanien und Italien auf Rang vier. In den vergangenen vier Wochen gab es in Schottland deutlich mehr Tote pro Million Menschen zu beklagen als im Rest des Landes.

Da spielten jahrzehntealte Faktoren wie die generelle Gesundheit der Bevölkerung eine Rolle, verteidigt sich Sturgeon durchaus zu Recht. So lag die durchschnittliche Lebenserwartung von Männern im armen Osten Glasgows vor zehn Jahren bei 54 Jahren und damit auf dem Stand von Entwicklungsländern. Dass sich seither aber trotz starker Einschränkungen für Raucher:innen und härterer Besteuerung von Alkohol wenig verändert hat, fällt auf die SNP ebenso zurück wie der Unterschied zwischen Arm und Reich im Schulwesen. Ob es da nicht „eine Kluft zwischen hervorragender Darstellung und der Realität“, gebe, musste sich Sturgeon vom schottischen BBC-Journalisten Andrew Marr fragen lassen.

Schottland in der Corona-Krise: Partei SNP über 50 Prozent

Auch beim alten Nationalistentraum sieht keineswegs rosig aus. Zwar ist die Tendenz der Umfragen in diesem Jahr eindeutig: Ausreichend Schott:innen haben seit der Volksabstimmung 2014 (45:55 Prozent) ihre Meinung geändert, mittlerweile bekennt sich dauerhaft eine Mehrheit von bis zu 58 Prozent zur Auflösung Union mit England. Damit sei die Unabhängigkeit „aber keineswegs unausweichlich“, sagt der Wahlforscher John Curtice von der Glasgower Strathclyde-Universität. Denn der Aufschwung für den Alleingang sei an aktuelle Faktoren gekoppelt: Corona und Boris Johnson. Den Engländer halten die Schott:innen mit großer Mehrheit für unzuverlässig, ungeeignet und an ihren Belangen uninteressiert. „Und die Öffentlichkeit denkt: Sturgeon ist gut mit der Pandemie umgegangen, Johnson schlecht.“ Ändere sich diese Vorstellung, regiere in London ein anderer Konservativer, könnte rasch auch die Unabhängigkeit unpopulärer werden.

Dass die Brexiteer-Regierung in London dennoch die denkbar härteste Trennung samt Austritt aus dem größten Binnenmarkt der Welt betreibt, treibt immer mehr Befürworter:innen ins Lager der Unabhängigkeit. Und in den Umfragen zur Wahl im Mai liegt die SNP locker über 50 Prozent, allen Einwänden gegen Nicola Sturgeons Politik zum Trotz. (Von Sebastian Borger)

Rubriklistenbild: © AFP

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