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Welche Hilfen kann ein kleines Reiseunternehmen erhalten? Die Regierung hat verschiedene Programme aufgelegt.
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Welche Corona-Hilfen kann ein kleines Reiseunternehmen erhalten? Die Regierung hat verschiedene Programme aufgelegt.

Arbeitsmarkt

Vergessen in der Corona-Krise: Selbstständige rutschen in Hartz-4 ab

  • Friederike Meier
    vonFriederike Meier
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Viele Selbstständige fühlen sich in der Corona-Krise vom Staat alleingelassen. Ihnen droht das wirtschaftliche Ende.

  • Selbstständige sind von den Auswirkungen der Corona-Pandemie schwer getroffen.
  • Viele Selbstständige fallen durch den Corona-Lockdown in die Grundsicherung zurück.
  • Die Bürokratie ist ein Kritikpunkt bei den Corona-Hilfen.

Seine verzweifelte Situation versucht Horst Engemann mit Humor zu nehmen. Auf Ebay versteigert der 57-Jährige symbolisch sein letztes Hemd: „Es ist ein gut abgehangenes, leicht vergilbtes Herrenfrackhemd Größe 52 und hat natürlich keine Taschen.“ Für einen Startpreis von einem Euro ist es zu haben.

Selbstständig in der Corona-Krise: Schaltplattenhändler droht die Privatinsolvenz

Vor Corona hat Engemann, der in einem kleinen Ort in Nordhessen wohnt, über die Plattform Discogs Schallplatten verkauft. Im Jahr 2020 ging es allerdings bergab. „Nach April war es verheerend. Die Leute haben nur noch Nudeln und Klopapier gekauft.“ Engemann bekommt inzwischen weder Hartz IV noch sonstige Hilfen. Vom Jobcenter fühlt er sich missverstanden, weil es nicht anerkannt habe, dass er sich bei seiner anfänglichen Prognose zu seinen Einnahmen verschätzt hatte. Ende November meldete er schließlich sein Gewerbe ab. „Wenn bis Ende des Monats nichts passiert, muss ich Privatinsolvenz beantragen“, sagt er.

Tatsächlich ist es schwierig, den Überblick über die verschiedenen staatlichen Hilfen für Unternehmen und Selbstständige zu behalten, selbst die Datei, in der die Bundesregierungen die aktuellen „Vereinfachungen“ erklärt, ist sechs Seiten lang.

Staatliche Unterstützung für Selbstständige fällt in der Corona-Krise mager aus

Seit den Soforthilfen, die zu Beginn der Krise ausgezahlt wurden, gab es von der Regierung für Selbstständige unter anderem die sogenannten Überbrückungshilfen. Allerdings richten sie sich nach den Betriebsausgaben, die bei vielen Selbstständigen eher niedrig sind. „Wir haben keine hohen Fixkosten. Aber die reichen trotzdem aus, um uns richtig in den Keller zu fahren“, sagt der Betreiber einer Agentur eines großen Autovermieters. Er hat weniger Einnahmen, weil in der Krise weniger Menschen Autos mieten. „Wir leben vorrangig von Geschäftskunden. Aber viele sind im Homeoffice und unternehmen keine Dienstreisen. Privatkunden können das nicht kompensieren.“

Er beauftragte deshalb, wie vom Staat gefordert, einen Steuerberater mit dem Antrag auf die Überbrückungshilfe. Allerdings hatte er zwar den ganzen Herbst über niedrigere Einkünfte gehabt, kam aber nur in einem Monat über die vorgesehene Grenze. Nach Abzug der Kosten für den Steuerberater blieben ihm gerade mal magere 500 Euro von der staatlichen Unterstützung.

Selbstständige in der Corona-Krise: Viele Branchen fallen aus November- und Dezemberhilfen raus

Die November- und Dezemberhilfen hingegen richten sich zwar nicht nach den Ausgaben, sondern nach dem Umsatz im Vorjahr, allerdings sind sie nur für diejenigen, die von den Schließungen direkt oder indirekt betroffen sind. „Für die Veranstaltungsbranche, die Gastronomie, die Kultur, den Einzelhandel greift das gut“, sagt Veronika Mirschel vom Referat Selbstständige der Gewerkschaft Verdi. Jedoch fallen viele durch das Raster, wie das Beispiel des Autovermieters zeigt, der nach den Regeln weder direkt noch indirekt betroffen ist.

Für die Deckung der Lebenshaltungskosten gibt es hingegen nur die Möglichkeit, Hartz IV zu beantragen. „Die Soloselbstständigen sind die einzige Berufsgruppe, die direkt an die Grundsicherung verwiesen wurde“, kritisiert Mirschel. Das moniert auch Andreas Lutz, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD). Laut einer Umfrage des Verbands bekommen nur zehn Prozent der Selbstständigen, die nicht mehr kostendeckend arbeiten, Grundsicherung. Diese sei einfach nicht dafür gemacht, als Zuschuss für Selbstständige zu dienen: „Wenn ich Gewinn mache, wird das angerechnet, ich kann es also nicht investieren, um mir wieder etwas aufzubauen.“ Außerdem sei die Bürokratie für Selbstständige wesentlich größer als für Arbeitssuchende.

Neustarthilfen machen Selbstständigen in der Corona-Krise Hoffnung

Die neu beschlossenen Neustarthilfen, bei denen Selbstständige einmalig pauschal bis zu 7500 Euro bekommen können, sieht Lutz etwas positiver. „Es ist gut, dass sie sich auf einen längeren Zeitraum beziehen, und dass sie ohne Steuerberater beantragt werden können.“ Allerdings hält er die Unterstützung nach wie vor für zu niedrig.

Sowohl Verdi als auch der VGSD fordern, dass die Finanzämter für die Hilfen zuständig sein sollten. „Wir haben ein funktionierendes Steuersystem“, sagt Veronika Mirschel. „Eine prozentuale Ausrichtung am Gewinnausfall ist darüber leicht nachweisbar.“

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