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Am Montag leitete Japans Premier die nötigen Schritte für das Ausrufen des Ausnahmezustands wegen des Coronavirus ein.

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Corona-Krise in Japan: Premier ruft Notstand aus – Für das Land und für sich selbst

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Japans Premier Shinzo Abe ruft den Notstand aus – auch weil er sich als Krisenmanager beweisen muss. Denn bisher hat er keine gute Figur gemacht.

  • Das Coronavirus breitet sich in Japan mit hoher Geschwindigkeit aus
  • Premier Shinzo Abe hat jetzt den Notstand ausgerufen
  • Er muss sich angesichts der Corona-Krise beweisen

Über Wochen hat Shinzo Abe gezögert, doch dann war die Lage schließlich ernst genug: Am Montag leitete Japans Premier die nötigen Schritte für das Ausrufen des Ausnahmezustands wegen des Coronavirus ein, seit Dienstag gilt er für die am dichtesten bevölkerten Gebiete. Erstmal für einen Monat. Aber es könnten, so heißt es, bis zu sechs werden.

Corona-Krise in Japan: Zahl positiv getesteter Personen hat sich in der vergangenen Woche verdoppelt

Hiervon betroffen sind zunächst die größten Metropolregionen Tokio, Osaka, Kobe und Fukuoka. Dort dürfen nun die Gouverneure Ausgangssperren verhängen und Geschäfte schließen. Zwar scheint das Land bisher mit rund 5000 bekannten Infektionsfällen weniger vom Coronavirus betroffen als andere Länder. Doch die Zahl positiv getesteter Personen hat sich allein in der vergangenen Woche verdoppelt. Und Mediziner mahnen seit Wochen, dass die Dunkelziffer deutlich höher liege.

Dass die Situation nun auch in Japan aus dem Ruder zu laufen scheint, liegt allerdings nicht nur daran, dass sich Teile der Bevölkerung nicht an die Anweisungen der Verantwortlichen in Bezug auf soziale Isolation hielten. Auch Japans Regierung gibt seit längerem keine gute Figur ab. 

Schließlich machte das Land schon Anfang Februar Erfahrungen mit dem Virus, als das Kreuzfahrtschiff Diamond Princess wegen erster Infektionsfälle vor der Küste von Yokohama in Quarantäne versetzt wurde. Nur fruchteten die Versuche, die Infektionen auf dem Schiff einzudämmen, kaum. Unter anderem mangelte es an klaren Anweisungen.

Coronavirus in Japan: Inmitten der Krise ist die Beliebtheit von Shinzo Abe in Umfragen gesunken

Als die Diamond Princess evakuiert wurde, erlaubten japanische Behörden den symptomfreien Passagieren, mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause zu fahren. Ende Februar empfahl Shinzo Abe zwar allen Schulen, zunächst zu schließen. Zugleich aber reizte die Regierung die Testkapazitäten nicht aus. Und bis Ende März hielt sie am Plan fest, im Juli die Olympischen Spiele in Tokio zu veranstalten.

So ist das Ausrufen des Ausnahmezustands zu diesem Zeitpunkt nicht nur Abes Versuch zur Rettung möglichst vieler Menschen in Japan. Er will wohl auch sich selbst retten. Inmitten der Krise ist seine Beliebtheit in Umfragen gesunken. Zudem kommt die Pandemie für ihn persönlich ungünstig. In den vergangenen zwei Jahren geriet er immer wieder in die Kritik, weil ihm unter anderem Vetternwirtschaft vorgeworfen wurde. Bisher konnte er recht gut davon ablenken, indem er das Land auf die Olympischen Spiele einstimmte. Nun funktioniert das nicht mehr. So muss sich Abe jetzt in einer Funktion profilieren, in der er zuletzt eher schlecht aussah – als rabiater Krisenmanager.

Von Felix Lill

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