Infektionsgeschehen

Corona in Italien: Schockierendes Video aus Krankenhaus ‒ „Situation ist außer Kontrolle“

  • Joshua Schößler
    vonJoshua Schößler
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In Italien droht eine zweite Corona-Welle, das Gesundheitssystem zu überfordern. In einer Region werden Infizierte offenbar auf Krankenhausparkplätzen behandelt.

  • Weil die Corona-Infektionszahlen in Italien weiterhin ansteigen, wird der Lockdown ausgeweitet.
  • Die Abruzzen, Ligurien und die Toskana werden am Mittwoch zur orangenen Gefahrenzone erklärt.
  • Gesundheitsexperten in Italien gehen die lokalen Lockdowns nicht weit genug.

Update vom Freitag, 13.11.2020, 14.00 Uhr: In Italien scheint die Situation in Krankenhäusern wegen des Coronavirus außer Kontrolle zu geraten. In sozialen Medien kursiert ein Video, das einen toten Mann auf dem Boden eines Waschraums einer Klinik in Neapel zeigt. Auf dem Video sind auch überfüllte Krankenhausflure zu sehen. Außenminister Luigi di Maio äußerte sich auf Facebook zu dem Video und den offensichtlich heftigen Zuständen in der Region Kampanien, in der die Metropole Neapel liegt. „Die Situation in Neapel und vielen Teilen Kampaniens ist tatsächlich außer Kontrolle“, schrieb di Maio.

Dem Außenminister zufolge werden dort Menschen in Autos auf Krankenhausparkplätzen behandelt, weil in Kliniken kein Platz sei. Er schrieb, dass Menschen in Rettungswagen sterben, die nicht wüssten, in welche Klinik sie fahren könnten und dass andere gar nicht erst von zuhause abgeholt würden. „Ich denke, dass unsere Regierung keine Zeit verschwenden und reagieren sollte, wie sie es immer getan hat“, so di Maio.

Italien überstieg am Mittwoch (11.10.2020) die Marke von einer Million Corona-Infektionen und zählt seit Beginn der Pandemie der Johns Hopkins University zufolge mehr als 43.000 Tote. Die Hälfte der Infektionen kam innerhalb der vergangenen vier Wochen hinzu. Die rasant steigenden Infektionszahlen - am Donnerstag (12.11.2020) wurden 38.000 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden gemeldet - stellen die Krankenhäuser in Italien vor Probleme. Zudem war in der ersten Corona-Welle hauptsächlich der Norden betroffen. Jetzt grassiert das Virus auch stärker in anderen Teilen des Landes, auch in Gebieten, die schlechtere Krankenhaussysteme haben, wie der „Spiegel“ berichtet. So standen dem Magazin zufolge in ganz Kalabrien Anfang des Jahres 146 Intensivbetten zur Verfügung. Obwohl die Pandemie im Frühjahr Italien so stark getroffen hatte, seien die Intensivbetten in Kalabrien bis Ende Oktober nur auf 154 aufgestockt worden.

In Italien steigen die Corona-Infektionszahlen wieder rasant.

Corona in Italien: Weitere Regionen des Landes werden zu Gefahrenzonen

Erstmeldung vom Dienstag, 10.11.2020, 15.50 Uhr: Italien – Da die Corona-Zahlen in Italien nach wie vor dramatisch ansteigen, wurden Forderungen nach einem strikteren Lockdown laut. Der Verband der Mediziner von Florenz verlangte nach einem landesweiten Lockdown, weil die Intensivstationen und Krankenhäuser zunehmend überbelegt seien. Der Ärzteverband Italiens hatte bereits am Sonntag nationale Sperren verlangt.

Italiens Regierungschef Conte war bisher gegen nationalen Lockdown zur Eindämmung von Corona

Bisher hatte sich der italienische Regierungschef Giuseppe Conte klar gegen einen landesweiten Lockdown, wie es ihn im Frühjahr am damaligen Höhepunkt von Corona gab, ausgesprochen. Daher hatte man das Land am vergangenen Freitag in drei Zonen eingeteilt: Rot, orange und gelb. In den roten Zonen sind die Einschränkungen am strengsten: Hier dürfen Menschen ihre Wohnungen nur noch für den Arbeitsweg oder Einkäufe verlassen. In orangen Zonen müssen Restaurants und Bars geschlossen bleiben und es ist verboten, andere Regionen aufzusuchen.

Weil am Montag von den italienischen Gesundheitsbehörden knapp 25 300 neue Infektionen durch Corona sowie 356 Tote innerhalb 24 Stunden gemeldet wurden, werden am Mittwoch neue Regionen von gelb auf orange hochgestuft. Dazu gehören die Region Ligurien im Nordwesten, die Abruzzen in Mittelitalien sowie die Urlaubsregion Toskana. Basilikate und Umbrien gelten ebenfalls als aussichtsreiche Kandidaten der orangenen Gefahrenzone.

Gesundheitsexperten aus Italien geht der Lockdown während Corona nicht weit genug

Die bisherigen Beschränkungen zu Corona gehen einigen italienischen Gesundheitsexperten allerdings nicht weit genug. „Die epidemiologische Situation verschlechtert sich weiter in unserem Land“, sagte Experte Giovanni Rezza. Daher seien restriktivere Maßnahmen insbesondere für die besonders betroffenen Regionen legitim. Der Fernsehsender Sky TG24 zitierte den wissenschaftlichen Berater des italienischen Gesundheitsministeriums Walter Riccardi wie folgt: „In bestimmten Metropolregionen muss der Lockdown sofort erlassen werden.“ Damit meinte er unter anderem das süditalienische Neapel, obwohl die Hauptstadt Kampaniens wegen im Vergleich geringerer Corona-Zahlen in der niedrigsten Gefahrenkategorie liegt. (Joshua Schößler mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © Francesco Militello Mirto/Lapres/dpa

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