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Arbeiter einer Zitrusplantage im Süden Neapels.

Corona in Italien

Papiere für „unsichtbare“ Migranten in Italien

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Italien will Hunderttausenden Migranten Arbeitserlaubnisse erteilen. Damir soll auch eine neue Corona-Ausbreitung verhindert werden.

  • In Italien leben viele Tausende Migranten ohne Papiere.
  • Die Migranten leiden unter der Corona-Krise, aber fallen durch das Netz des Staates.
  • Italien könnte den Migranten nun Papiere erteilen, um eine erneute Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern.

Rom - In Italien leben derzeit laut Schätzungen 670.000 Einwanderer ohne gültige Aufenthaltspapiere; ein großer Teil von ihnen schuftet für einen Hungerlohn auf den Tomaten-, Früchte- und Zitrusplantagen im Süden, oft bis zu zwölf oder 14 Stunden pro Tag. Bei den meisten Erntehelfern handelt es sich um Bootsflüchtlinge aus Afrika

Sie wohnen unter menschenunwürdigen Zuständen in Barackensiedlungen. Weitere rund 200.000 ausländische Arbeitskräfte sind als Dienst- und Kindermädchen bei wohlhabenden Familien oder in der Altenpflege angestellt, rund 70 Prozent von ihnen ebenfalls in Schwarzarbeit. Die meisten stammen aus Asien.

Corona-Krise in Italien: Schwarzarbeit in Landwirtschaft

Für Landwirtschaftsministerin Teresa Bellanova ist klar, dass diese Zustände nicht mehr geduldet werden können: „Wenn wir die Migranten nicht legalisieren, dann macht sich der Staat zum Komplizen der Illegalität, der Schwarzarbeit, der Sklaverei und der Mafia.“ Hinzu kommt, dass der italienischen Landwirtschaft wegen der Corona-Pandemie und der geschlossenen Grenzen derzeit rund 200.000 reguläre Saisonarbeiter aus Rumänien, Bulgarien und Polen fehlen. Der Kleinbauernverband Coldiretti hatte sich schon vor einem Monat mit einem entsprechenden Hilferuf an die Regierung gewandt. Es wäre durchaus naheliegend, die fehlenden Osteuropäer durch Arbeitskräfte zu ersetzen, die sich bereits im Land befinden.

Bellanova nennt einen weiteren Grund, warum die Legalisierung der „Clandestini“ vordringlich sei: Mitten in der Corona-Krise könne es sich Italien nicht leisten, ein Heer von „Unsichtbaren“ im Land zu haben, die durch sämtliche Maschen des Gesundheitssystems fielen. Allein in den berüchtigten Ghettos von Borgo Mezzanone in Apulien und San Ferdinando in Kalabrien leben während der Erntesaison jeweils bis zu 3000 Menschen. Aus Angst vor einer möglichen Ausweisung wagt es kaum einer von ihnen, zu einem staatlichen Arzt zu gehen.

Italien: Tausende „unsichtbare“ Einwanderer sind durch das Coronavirus bedroht

Die über das ganze Land verteilten Elendssiedlungen könnten zu neuen, unkontrollierbaren Infektionsherden werden. Dass Teresa Bellanova sich für eine möglichst umfassende Regelung einsetzt, ist kein Zufall: Die heute 61-jährige Süditalienerin stammt aus einfachen Verhältnissen und hat als junge Frau selbst jahrelang als Erntehelferin gearbeitet.

Die genaue Anzahl der illegal eingereisten Migranten, die nun Papiere erhalten sollen, steht noch nicht fest. Zunächst sollten nach den Plänen von Innenministerin Luciana Lamorgese lediglich 200.000 landwirtschaftliche Arbeitskräfte eine Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung erhalten. Ihre Kollegin Bellanova – und mit ihr die Regierungsparteien PD, Italia Viva und LEU – drängen indessen darauf, allen „Illegalen“, die eine Arbeitsstelle vorweisen können, die entsprechenden Papiere auszustellen. Dies würde rund 600.000 Personen betreffen.

Die größte Regierungspartei, die populistische Fünf-Sterne-Bewegung, tritt wie Lamorgese noch auf die Bremse. Die rechtsradikale Lega von Ex-Innenminister Matteo Salvini will von der „Sanatoria“ für die Migranten ohnehin nichts wissen. Doch den seuchenpolitischen Überlegungen werden sich weder die „Grillini“ noch die Lega verschließen können.

Von Dominik Straub

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