Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hält einen Corona-Pass für sinnvoll.
+
Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hält einen Corona-Pass für sinnvoll.

Corona-Krise in Deutschland

Ethikrat lehnt Covid-19-Immunitätsausweis nach Modell von Jens Spahn ab

  • Katja Thorwarth
    vonKatja Thorwarth
    schließen

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte im April einen Corona-Pass vorgeschlagen. Der stieß nicht nur auf Akzeptanz. Die Ethik-Kommission hat sich nun geäußert.

  • Jens Spahn (CDU) hält einen Immunitätsausweis für sinnvoll.
  • Von vielen Seiten hagelt es Kritik.
  • Jetzt gibt der Ethikrat seine Einschätzung bekannt.

Berlin - Der Ethikrat hat am Dienstag (22.09.2020) seine Stellungnahme zum geplanten Covid-19-Immunitätsausweis abgegeben. Das Gremium berät seit Monaten über die Frage, inwieweit es sinnvoll und ethisch vertretbar ist, einen solchen Nachweis in der Corona-Pandemie einzuführen, der wie ein Impfpass funktionieren könnte. Konkret geht es um einen Ausweis, indem festgehalten wird, ob eine oder einer eine Corona-Infektion überstanden hat. Dies könnte im Falle, so Pläne von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU),für solche Menschen zu weitreichenderen Lockerungen führen.

Der Rat lehnt die Immunitätsbescheinigung jedoch um jetzigen Sachstand geschlossen ab, auch, da eine Immunität nach einer Coronavirus-Infektion nicht gewährleistet wäre. Wie seine Einschätzung zukünftig im Falle eines anderen wissenschaftlichen Standes aussehen könnte, diesbezüglich konnte der Ethikrat keine Einigung erreichen. Die eine Hälfte der Mitglieder lehnt einen Corona-Pass generell aufgrund ethischer und rechtlicher Bedenken ab. Die andere Gruppe kann sich einen Ausweis unter anderen Bedingungen vorstellen.

Bereits im April hatten die Pläne Spahns zu Kritik von vielen Seiten geführt. Auch der SPD-Experte Karl Lauterbach hatte angemerkt, dass noch gar nicht sicher sei, ob eine überstandene Coronavirus-Infektion tatsächlich zur Immunität führe. Andere fürchten eine Zwei-Klassengesellschaft bezüglich eines unterschiedlichen Umgangs mit den Corona-Maßnahmen. Viele weisen darauf hin, dass solch ein Ausweis möglicherweise dazu führt, dass sich Leute bewusst anstecken, um in den Genuss der Lockerungen zu kommen. Diesem Punkt hatten sich auch Teile des Ethik-Rats angeschlossen.

Spahn hatte den Ethik-Rat im April gebeten, sein Vorhaben einzustufen. Dem Ethikrat gehören aktuell 24 Expertinnen und Experten aus den Bereichen Recht, Medizin, Philosophie, Biologie, Theologie sowie der Pflege an. Sie beraten Regierung und Parlament in ethisch brisanten Fragen. (ktho/epd)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare