Deutschland

Immer mehr Corona-Infektionen: Kommt jetzt eine bundesweite Teilnehmergrenze bei privaten Feiern?

  • Rebecca Röhrich
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  • Marvin Ziegele
    Marvin Ziegele
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Die Bundesländer diskutieren, ob es eine einheitliche Teilnehmerbegrenzung in Deutschland geben soll. Doch die Meinungen der einzelnen Länder gehen zum Teil weit auseinander. Die Lage im News-Ticker.

  • Die Corona-Krise spitzt sich mit steigenden Fallzahlen wieder zu.
  • Die Zahl der Corona-Neuinfektionen ist auf dem höchsten Stand seit April.
  • Die Länder sind sich über eine bundesweite Einführung einer Teilnehmergrenze für private Feiern uneinig

+++ 11.40 Uhr: Neben Reiserückkehrern gelten auch private Feiern als Gefahrenquelle für Ausbrüche des Coronavirus. Die bundesweit geltende Einführung einer Teilnehmergrenze ist in einigen Bundesländern jedoch umstritten. Am kommenden Donnerstag (27.08.2020) sollen die Ministerpräsident*innen das Thema in einer Videokonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) besprechen.

In Baden-Württemberg und Bayern zieht man sogar noch eine striktere Teilnehmergrenze in Erwägung, berichtet die dpa“. Berlin, Hamburg, Bremen und Niedersachsen sprechen sich für eine bundesweit einheitliche Regelung aus.

Hochzeiten bald nur mit begrenzter Teilnehmerzahl?

Coronavirus: Kommt eine bundesweite Teilnehmergrenze für private Feiern?

Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern leisten gegen eine bundesweite Regelung allerdings Widerstand. Eine bundesweit einheitliche Lösung zur Eindämmung des Coronavirus erscheine zwar vorteilhaft, „allerdings verkennt sie die oft innerhalb Deutschlands sehr unterschiedliche Entwicklung des Infektionsgeschehens“, sagte ein Sprecher der Landesregierung Schleswig-Holsteins. Auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hält es für richtig, die Entscheidungen den Ländern zu überlassen. „Warum soll ich im Norden bei mir im Bundesland die Bevölkerung genauso einschränken, wie es vielleicht in Bayern nötig wäre?“, sagte Schwesig letzte Woche dem „NDR“.

Corona in Deutschland: RKI meldet Neuinfektionen

+++ 07.09 Uhr: Erwartungsgemäß hat das Robert Koch-Institut (RKI) am Sonntag vergleichsweise wenig neue Corona-Infektionen gemeldet. Nach Angaben vom frühen Sonntagmorgen hatten die Gesundheitsämter binnen 24 Stunden 782 Fälle an das RKI übermittelt. An Sonntagen - und auch Montagen - sind die gemeldeten Fallzahlen erfahrungsgemäß oft niedriger, weil am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter Daten an das RKI übermitteln. An den Tagen zuvor hatte die tägliche Zahl der Neuinfektionen noch weit höher gelegen. Am Samstag war mit 2034 neuen Fällen erstmals seit Ende April die 2000er-Marke überschritten worden.

+++ 17.48 Uhr: An Bord einer Lufthansa-Maschine am Flughafen Frankfurt hat ein Corona-Fall für Aufregung gesorgt. Wie das Unternehmen mitteilte, verließ die betroffene Person die Maschine. Das Flugzeug sei am Freitag (21.08.2020) mit zweistündiger Verspätung von Frankfurt aus nach Minsk abgehoben.

Corona in Deutschland: Positiver Test in Lufthansa-Maschine am Flughafen Frankfurt sorgt für Aufregung

Einem „Spiegel“-Bericht zufolge handelte es sich um eine Frau, die erst an Bord des Flugzeugs, das bereits auf dem Weg zur Rollbahn gewesen sei, per E-Mail von einem positiven Corona-Testergebnis erfahren und beim Kabinenpersonal Alarm geschlagen habe. Aufgeregt soll sie berichtet haben, sie sei positiv auf das Virus getestet worden.

Daraufhin habe der Pilot das Startmanöver gestoppt. Die Frau hatte sich den Berichten zufolge nach einem Urlaub in Kroatien bei ihrer Rückkehr am Flughafen in München testen lassen. Das Gesundheitsamt habe die Frau von der Maschine abgeholt, sie müsse nun in zweiwöchige Quarantäne.

Nach Angaben der Lufthansa hatte es keinen direkten Kontakt zwischen der Person und der Crew oder den anderen Passagieren gegeben. Deshalb und auch aufgrund der Maskenpflicht an Bord habe der Flug „nach Durchführung der vorschriftsmäßigen Hygienemaßnahmen“ fortgesetzt werden können, nachdem die Person das Flugzeug verlassen habe, teilte das Unternehmen mit.

Mitarbeiter einer Corona-Teststation an der A3 verlassen plötzlich Arbeitsplatz – Rotes Kreuz muss einspringen

+++ 11.37 Uhr: Bei einer Corona-Teststation an der A3 bei Passau ist es in der Nacht zu Samstag offenbar zu einem seltsamen Zwischenfall gekommen. Die Mitarbeitenden des privaten Betreibers Eurofins hätten die Teststation „plötzlich verlassen", wie die dpa berichtet. Die Hintergründe des Vorfalls sind noch unklar.

40 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer unter Leitung des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) sprangen ein, um den Betrieb aufrechtzuerhalten, wie ein BRK-Sprecher mitteilte. „Die Teststation war mindestens eine Stunde geschlossen“, sagte der Sprecher. Am frühen Morgen habe Eurofins den Betrieb wieder aufgenommen. In Bayern war es vor kurzem bereits zu massiven Problemen bei Corona-Tests gekommen. Insgesamt erfuhren 44.000 Personen ihre Testergebnisse nicht oder nur stark verzögert, darunter auch 949 positiv Getestete.

Corona in Deutschland: Über 2000 Neuinfektionen

+++ 06.10 Uhr: Am Samstagmorgen (22.08.2020) meldet das Robert-Koch-Institut in Berlin über 2000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Das ist der höchste Wert seit April. Insgesamt haben die Gesundheitsämter in Deutschland 2034 Neuinfektionen gemeldet.

Direkte Rückschlüsse auf das Infektionsgeschehen lässt der aktuelle Anstieg bei den Fallzahlen allerdings nicht zu, da zuletzt auch die Zahl der durchgeführten Tests immens stieg. Die steigenden Fallzahlen seien derzeit aber nicht nur mit dem vermehrten Testaufkommen zu erklären, hatte das RKI vor einigen Tagen mitgeteilt. Bundesweit gebe es eine große Anzahl kleinerer Ausbruchsgeschehen, die beispielsweise mit größeren Feiern im Familien- und Freundeskreis in Verbindung stehen, heißt es im Lagebericht von Freitag (21.08.2020). Hinzu komme, dass Corona-Fälle zu einem großen Anteil unter Reiserückkehrer*innen, insbesondere in den jüngeren Altersgruppen, identifiziert werden.

Corona in Deutschland: Höchstwerte bei Neuinfektionen

Der Höhepunkt bei den täglich gemeldeten Neuansteckungen hatte Ende März/Anfang April bei mehr als 6000 gelegen, danach waren die Werte deutlich gesunken. Seit Ende Juli steigt die Zahl der Nachweise wieder an.

+++ 20.33 Uhr: Wegen der gestiegenen Zahl von Corona-Neuinfektionen warnt das Auswärtige Amt nun auch vor touristischen Reisen nach Brüssel. In Belgien war bisher nur die Provinz Antwerpen betroffen. Nun kommt die Hauptstadt als Risikogebiet hinzu. Die Einstufung als Risikogebiet bedeutet, dass für heimkehrende Reisende in Deutschland eine Testpflicht auf das Coronavirus greift. Bis das Ergebnis vorliegt, müssen sich Urlauber in häusliche Quarantäne begeben. Für die Einstufung als Risikogebiet gilt, dass es dort in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gegeben hat.

Markus Söder will bundesweite Bußgelder für Verstöße gegen Maskenpflicht

+++ 16.00 Uhr: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) strebt zum Schutz vor dem Coronavirus bundesweit einheitliche Regelungen zum Masken-Tragen an. Auch Bußgelder bei Verstößen gegen eine Maskenpflicht sollten vereinheitlicht werden, sagte Söder dem Deutschlandfunk. Am nächsten Donnerstag berät Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gemeinsam mit den Regierungschefs der Länder über die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie.

Söder sagte: „Wir haben nach wie vor unglaublich viele, tolle, vernünftige Menschen, die in einer bewundernswerten Weise für sich und andere vorsorgen.“ Aber es gebe auch eine Zahl von Menschen, die die Lage nicht ernst nähmen, sagte der CSU-Chef dem Deutschlandfunk laut einer Vorabmeldung vom Freitag: „Und deswegen muss man auch manchmal die Vernünftigen vor den Unvernünftigen schützen.“

Erstmeldung vom 21.08.2020, 13.45 Uhr: Berlin – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird am Donnerstag kommender Woche (27.08.2020) mit den Regierungschefs der Länder erneut über die Corona-Krise beraten. Regierungssprecher Steffen Seibert kündigte am Freitag (21.08.2020) eine Videokonferenz für diesen Tag an. Es werde wie in der Vergangenheit um wichtige Fragen im Zusammenhang mit der Krise gehen. Genauere Angaben zum Inhalt der Gespräche machte Seibert zunächst nicht.

Angela Merkel und Länder wollen über die Corona-Krise beraten

Die Regierungschefs der Länder und die Kanzlerin hatten gerade zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr regelmäßig über das Vorgehen in ganz Deutschland beraten. Zuletzt lag die Verantwortung aber wieder stärker in den einzelnen Bundesländern. Anlass für die neuen Beratungen dürfte sein, dass die Corona-Infektionszahlen seit einiger Zeit auch in Deutschland wieder deutlich ansteigen.

So lag die Zahl der Corona-Infektionen laut dem Robert Koch-Institut bei 1707 Fällen innerhalb eines Tages. Das ist der höchste Wert seit Ende April. Über den Hauptgrund für das Ansteigen der Zahlen herrscht Uneinigkeit. Eine mögliche Erklärung könnten die steigenden Testkapazitäten sein – sie stiegen von 364.000 Tests im April auf mehr als 875.000 Tests im August, wie das Robert Koch-Institut mitteilt.

Corona-Krise in Deutschland: Steigende Fallzahlen nicht allein durch Tests erklärbar

Die steigende Zahl der Infektionen in Deutschland könne aber nicht allein durch mehr Tests zu erklären sein, wie das RKI betont. Gegenüber der „tagesschau" sagte der Epidemiologie-Professor Gérard Krause vom Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung: "Der Anstieg der positiven Tests ist nicht allein dem Anstieg der Testungen geschuldet."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird sich wieder mit den Ministerpräsidenten der Länder treffen, um über das Vorgehen in der Corona-Krise zu beraten.

Eine weitere mögliche Erklärung sind die Infektionszahlen unter Reiserückkehrern. RKI-Angaben zufolge sind 39 Prozent der mit dem Coronavirus infizierten Personen in Deutschland Reiserückkehrer. Anfang Juli waren es hingegen noch zehn Prozent. Auch scheint das Durchschnittsalter der Infizierten gesunken zu sein. „Bei der Betrachtung der unterschiedlichen Altersgruppen fällt auf, dass unter den Fällen mit Angabe Kosovo und Türkei eher Kinder und Personen mittleren Alters betroffen sind, was auf mögliche Reisen im Familienverbund hinweist..“

Corona in Deutschland: Merkel lehnt Lockerungen ab

Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnte zuletzt Lockerungen der derzeitigen Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus ab und forderte ein konsequentes Durchgreifen bei Regelverstößen. Es müssten die „Zügel“ angezogen werden, sagte die Kanzlerin am Dienstag. Das bedeute, „dass konsequent die Regeln durchgesetzt werden müssen“. Im Mittelpunkt der Diskussion um die Corona-Maßnahmen stehen momentan Reiserückkehrer und private Feiern. (Marvin Ziegele)

Rubriklistenbild: © Wojciech Sekscinski/dpa

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