Lesbos

Corona-Krise: Erste junge Flüchtlinge werden aus Griechenland gebracht

  • Jakob Maurer
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Die Lage auf den griechischen Inseln ist für die Menschen in Flüchtlingslagern unerträglich. Erste Flüchtlinge sollen in ein anderes EU-Land gebracht werden.

  • Das Flüchtlingslager Moria befindet sich nahe dem Dorf Moria in der Gemeinde Mytilini auf der griechischen Insel Lesbos.
  • Im Oktober 2019 zählte das Lager 13.000 Menschen, im Januar 2020 waren es bereit 19.000.
  • Erste Flüchtlinge sollen aus Griechenland in ein anderes EU-Land kommen.

Update vom Dienstag, 7.4.2020, 13.56 Uhr: Eine Gruppe junger Flüchtlinge soll mitten in der Corona-Krise aus Griechenland in einem anderen EU-Land untergebracht werden. Es handelt sich um zwölf unbegleitete Minderjährige, die nach Luxemburg gebracht werden sollen. Dies solle in den nächsten Tagen geschehen, teilte das Büro des stellvertretenden griechischen Migrationsministers Giorgos Koumoutsakos am Dienstag (07.04.2020) mit. „Das wurde in einem Telefonat heute mit dem luxemburgischen Außenminister Jean Asselborn vereinbart“, hieß es.

„Das ist ein positives Beispiel auch für andere EU-Staaten, die den Wunsch geäußert haben, Minderjährige aufzunehmen“, erklärte Koumoutsakos. In Zusammenarbeit mit dem UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) und der Internationalen Organisation für Migration wird die Reise stattfinden, hieß es. Aus welchen Lagern die Kinder geholt werden sollen, war zunächst unbekannt.

Flüchtlinge in Griechenland: CDU-Politikerin fordert, Kinder nach Deutschland zu holen

Update vom Montag, 6.4.2020, 10.15 Uhr: Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widman-Mauz (CDU), hat diese aufgefordert, hunderte Kinder aus den griechischen Flüchtlingslagern schnell nach Deutschland zu holen und damit das eigene Versprechen einzulösen. Die Lage dort verschärft sich angesichts der Corona-Krise immer mehr.

„Wir müssen damit endlich beginnen, denn die Situation wird nicht besser", sagte Widman-Mauz am Montag im Bayerischen Rundfunk. Deutschland dürfe nicht warten, bis es irgendwann nicht mehr in der Lage sei, die Kinder aufzunehmen. "Jetzt ist noch die Zeit. Deshalb dränge ich darauf, dass wir unseren Beitrag erfüllen."

Tod eines Kindes im Flüchtlingslager

Update vom Dienstag, 17.03.2020, 16.46 Uhr: Nach dem Tod eines Kindes bei einem Brand in Griechenlands größtem Flüchtlingslager auf Lesbos fordert die Menschenrechtskommissarin des Europarats, Dunja Mijatovic, die griechische Regierung zum Handeln auf. Der Tod des sechs Jahre alten Kindes sei ein weiteres tragisches Beispiel dafür, dass die Sicherheits- und Gesundheitsstandards auf den Inseln in der Ägäis dringend verbessert werden müssten, schrieb Mijatovic am Dienstag auf Twitter. 

„Die griechischen Behörden müssen nun handeln, um weitere Tragödien zu verhindern“, so Mijatovic. Die Ballungsräume auf den Inseln müssten aufgelockert werden. Das Kind war am Montag im Camp Moria auf der Insel Lesbos bei einem Brand gestorben. In und um das Lager leben gut 19.000 Menschen.

Update vom Dienstag, 17.03.2020, 15.51 Uhr: Der migrationspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Lars Castellucci, hat mit Blick auf die Situation im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos zu einem schnellen Handeln aufgerufen. „Die Zustände in Moria sind längst untragbar“, sagte Castellucci am Dienstag in Berlin. Die Dramatik der Lage habe sich am Montag durch den Brand und den Tod eines Kindes erneut gezeigt. Es sei offensichtlich, dass die Geflüchteten dort gerade das nicht fänden, wonach sie zuerst suchten, nämlich Sicherheit. 

Die Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 drohe die Situation zusätzlich zu verschärfen. Die Geflüchteten müssten daher aus den überfüllten Camps auf den ostägäischen Inseln umgehend auf das griechische Festland gebracht werden, so der Politiker. Außerdem müssten die Zusagen der anderen EU-Länder, Flüchtlinge von den griechischen Inseln aufzunehmen, schneller umgesetzt und der Lage entsprechend weiter erhöht werden. Zudem sollte Moria geschlossen und die anderen Zentren auf den Inseln unter die Aufsicht des UN-Flüchtlingswerks gestellt werden.

Lesbos: Grüne fordern Evakuierung von Geflüchteten

Update vom Montag, 16.03.2020, 19.00 Uhr: Nach dem Brand in Griechenlands größtem Flüchtlingslager auf der Insel Lesbos fordern die Grünen, Menschen aus den Camps auf den griechischen Inseln zu holen. „Der heutige Brand in Camp Moria hat einmal mehr gezeigt, was seit langem bekannt ist: Die Lager müssen umgehend evakuiert werden“, sagte Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth am Montag (16.03.2020).

Parteichefin Annalena Baerbock sagte, schon wegen der Corona-Krise brauche es Dezentralisierung. „Als erstes müssen die Zerbrechlichsten - Kinder, Schwangere, Kranke, Alte - schnell von den griechischen Inseln runter.“ Im Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos war am Montag ein sechsjähriges Kind bei einem Brand ums Leben gekommen - ein Beobachter meldete ein zweites totes Kind. 

In den Lagern wie in Moria auf der Insel Lesbos herrschten katastrophale hygienische Zustände, und Abstand zwischen die Menschen zu bringen sei unmöglich, sagte Baerbock. Die Sorge sei, dass nun weiteres Chaos ausbreche. "Selbstverständlich sind die Bedingungen derzeit extrem schwierig, ein pragmatisches Vorgehen im Rahmen der Möglichkeiten ist nötig. Aber es muss gehandelt werden." Roth sagte, die Menschen müssten "runter von den Inseln, aufs Festland, in ein geordnetes europäisches Verfahren".

Großer Brand im Flüchtlingslager von Moria - Beobachter meldet zweites totes Kind

Update vom Montag, 16.03.2020, 16.15 Uhr: Der Grünen-Politiker und Abgeordnete im Europaparlament Erik Marquardt schildert via Twitter die Ereignisse vor Ort und berichtet nun, dass es mindestens zwei tote Kinder beim Brand im Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos gebe. Das Feuer sei inzwischen gelöscht.

Die Zustände im Flüchtlingslager in Moria auf der griechischen Insel Lesbos sind verheerend - nun fordert ein erneut ein Feuer Menschenleben.

Die Feuerwehr hatte Schwierigkeiten, den Brandherd schnell zu erreichen, weil die Containerwohnungen im Camp dicht aneinandergebaut sind. Neben einer Containerwohnung brannten auch zwei provisorische Unterkünfte nieder, berichtete der Staatsrundfunk weiter. Das Feuer konnte etwa eine Stunde nach dem Ausbruch gelöscht werden. Das Nachrichtenportal der Insel, stonisi.gr, zeigte Aufnahmen aus Moria, auf dem Menschen zu sehen waren, die in Panik versuchten, die Flammen zu löschen oder ihnen zu entkommen.

Brand auf Lesbos: Sechsjähriges Kind tot geborgen

Update vom Montag, 16.03.2020, 15.45 Uhr: Aktuelle Bilder aus dem Lager in Moria zeigen eine schwarze Rauchsäule und aufgebrachte Menschenmengen: Nach einem Brand im Moria-Flüchtlingscamp in Griechenland ist laut Medienberichten der Leichnam eines sechsjährigen Kindes geborgen worden. Die offizielle griechische Nachrichtenagentur Ana meldete unter Berufung auf die Feuerwehr am Montag (16.03.2020), dass die sterblichen Überreste in der Asche gefunden worden seien. Der Brand war demnach im Aufnahmezentrum des Lagers auf der Insel Lesbos ausgebrochen. Im überfüllten Moria-Camp kommt es immer wieder zu Bränden. In dem für knapp 3.000 Personen ausgelegten Lager und auf Feldern außen herum müssen mehr als 20.000 Menschen in Containern und Zelten ausharren.

Das Nachrichtenportal der Insel Lesbos, stonisi.gr, berichtet, dass die Einsatzkräfte mit Schwierigkeiten bei den Löscharbeiten zu kämpfen: Es gebe demnach an den betroffenen Stellen im Flüchtlingslager schlichtweg keinen Platz für Feuerwehrfahrzeuge, heißt es in einem Bericht. Ob das Feuer inzwischen unter Kontrolle ist, ist weiterhin unklar.

Die stellvertretende Bundesvorsitzende der Grünen, Ricarda Lang, schreibt auf Twitter, es gebe mindestens zwei tote Kinder und kritisiert: „Diese Katastrophe hätte verhindert werden, Kinderleben gerettet werden können. Jetzt muss endlich gehandelt werden. Die Menschen müssen runter von den Inseln!“ Die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Ulla Jelpke, forderte eine Verteilung der Schutzsuchenden auf die Staaten der Europäischen Union. Die Hotspots auf den griechischen Inseln seien zu einer "lebensgefährlichen Falle" geworden. "Das System der Masseninternierung, der zentralen Unterbringung, produziert Leid am laufenden Band", kritisierte sie. Auch vor dem Hintergrund der aktuellen Corona-Pandemie müssten die Massenlager aufgelöst werden und dezentrale Unterbringungsformen gefunden werden.

Brand auf Lesbos: Großes Feuer im Flüchtlingslager von Moria - totes Mädchen geborgen

Erstmeldung vom Montag, 16.03.2020: Im Flüchtlingslager von Moria auf der griechischen Insel Lesbos ist am Montag (16.03.2020) ein Brand ausgebrochen. Dies berichteten örtliche Medien übereinstimmend. Dabei soll ein ums Leben gekommen sein, wie der griechische Nachrichtensender Open berichtete. Die Feuerwehr geht von einem Unfall und nicht von Brandstiftung aus, hieß es. Eine offizielle Erklärung lag aber zunächst nicht vor. Der Brand sei groß und es seien starke Einheiten der Feuerwehr vor Ort. Zunächst lagen keine Informationen über Verletzte vor. 

Die griechische Ausgabe des US-Nachrichtendienstes CNN berichtet, dass es sich bei dem toten Kind um ein etwa sechs Jahre altes Mädchen handele. Erste Informationen deuteten demnach darauf hin, dass das Feuer auf Lesbos ausgebrochen sei, als Bewohner des Flüchtlingslagers in Moria kochten. Zudem sollen derzeit starke Winde in der Gegend wehen, was es sehr schwierig mache, das Feuer zu löschen.

Brand auf Lesbos: Im Flüchtlingslager von Moria leben 19.000 Menschen

Die Feuerwehr habe Schwierigkeiten, den Brand auf Lesbos unter Kontrolle zu bringen, weil die Containerwohnungen im Lager sehr dich beieinander stehen, berichteten örtliche Medien. Das Nachrichtenportal der Insel, stonisi.gr, zeigte Aufnahmen aus Moria, auf dem Menschen zu sehen sind, die in Panik versuchen, den Flammen zu entkommen. In und um das Camp von Moria leben gut 19.000 Menschen. Andere Beobachter sprechen von bis zu 24.000 Bewohnern.

Ein Bewohner des Flüchtlingslagers Moria bei den improvisierten Löscharbeiten.

Das Nachrichtenportal der Insel Lesbos, stonisi.gr, zeigte Aufnahmen aus Moria, auf dem Menschen zu sehen sind, die in Panik versuchen, den Flammen zu entkommen. Das Portal zitiert den Feuerwehr-Kommandanten Evangelos Basis: „Die Situation sehr schwierig, ein Containerhaus und zwei angrenzende Holzhütten brennen. Wir kennen die Ursache des Brandes derzeit nicht.“

Immer wieder kam es in den vergangenen Wochen auf Lesbos zu Bränden. Bei einem Brand am Sonntag vor einer Woche (08.03.2020) in einem Flüchtlingsheim auf der griechischen Insel Lesbos wurde eine Lagerhalle erheblich beschädigt, es gab keine Verletzten, wie die griechische Feuerwehr mitteilte.

jjm/dpa/epd

Die EU sollte sich bezüglich Griechenland an den eigenen Werten orientieren und Flüchtlinge aus den Lagern auf den griechischen Inseln holen, statt de facto die abstoßende australische Politik zu kopieren. Der Gastbeitrag.

Faris Al-Jawad von Ärzte ohne Grenzen spricht über die Situation in den Geflüchteten-Camps wie Moria auf Lesbos, die Hürden der griechischen Behörden und mögliche Covid-19-Ausbrüche.

Rubriklistenbild: © AFP/Manolis Lagoutaris

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