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Verschwörungstheoretiker in der Corona-Krise? Kardinal Gerhard Ludwig Müller ist sich keiner Schuld bewusst.

Konservative Geistliche

Corona-Krise und die Kirche: Bischöfe mit Aluhüten

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In der Corona-Krise sieht eine Gruppe von Bischöfen eine Weltregierung am Werk. Die Kirchenmänner bedienen klassische Verschwörungstheorien.

  • In der Corona*-Krise hängen auch einige Bischöfe der Katholischen Kirche Verschwörungstheorien nach
  • Die Unterzeichner eines Appells sehen bei der Corona-Pandemie eine allmächtige Weltregierung am Werk
  • Auch der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat den Appell unterzeichnet

In Deutschland steht die Mehrheit der Menschen hinter den Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie. Doch die Stimmen, die von einem eingeschränkten Lockdown sprechen und die Mundschutzpflicht kritisieren, werden lauter. Einige der Kritiker greifen auf gängige Verschwörungstheorien zurück: Sie sehen dunkle Mächte am Werk, die das Grundgesetz und persönliche Freiheiten angreifen.

Bischöfe als Verschwörungstheoretiker in der Corona-Krise

Auch einige Bischöfe der katholischen Kirche haben in den Chor der Verschwörungstheoretiker rund um Corona eingestimmt. Einer von ihnen ist der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Mit mehreren Glaubensbrüdern warnte er in einem Aufruf, der am vergangenen Freitag (8.5.2020) in mehreren Sprachen veröffentlicht wurde, vor dem „Auftakt zur Schaffung einer Weltregierung, die sich jeder Kontrolle entzieht“.

Die Gruppe der erzkonservativen Geistlichen warnt in ihrem Schreiben von „zweifelhaften Geschäftsinteressen“, die Entscheidungen der Regierungen und von internationalen Behörden beeinflussen. Man habe Grund zur Annahme, dass es Kräfte gebe, die daran interessiert seien, in der Bevölkerung Panik zu erzeugen. Mit dieser Erzählung und Formeln wie einer „drohenden Impfpflicht“ bedienen sie klassische Verschwörungstheorien.

Corona-Krise: Gegenspieler von Papst Franziskus bringen sich in Stellung

Hinter dem Aufruf steht der Erzbischof Carlo Maria Vigano, ein früherer Päpstlicher Botschafter in den USA. Er gilt als Gegenspieler und scharfer Kritiker von Papst Franziskus. Kardinal Gerhard Ludwig Müller war von 2002 bis 2012 Bischof von Regensburg. Anschließend war er bis 2017 Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre – einer Behörde, deren Aufgabe es ist, die Lehre der Katholischen Kirche zu fördern und schützen. Auch er gilt als Gegner von Papst Franziskus.

Verschwörungstheoretischer Aufruf: Kritik an Bischöfen aus der Kirche

Als der Aufruf publik wurde, ging die Deutsche Bischofskonferenz rasch auf Distanz: Die Bewertung der Corona-Pandemie durch die Bischofskonferenz unterscheide sich „grundlegend“ von dem veröffentlichten Aufruf, sagte der Vorsitzende der Konferenz, Georg Bätzing.

Auch das Internationale Auschwitz Komitee verurteilte den Aufruf scharf. Wenn sich jetzt auch noch Bischöfe der katholischen Kirche angesichts der Corona-Krise der rechtsextremen und antidemokratischen Verschwörungshysterie annähern, sei dies ein fatales Signal für den demokratischen Zusammenhalt der Gesellschaften in Europa, erklärte Komitee-Vizepräsident Christoph Heubner am Montag in Berlin.

Geistliche in Corona-Krise auf Abwegen: „Einfach nur fassungslos“

Auf Facebook schrieb der Generalvikar des Bistums Essen, Klaus Pfeffer, er sei „einfach nur fassungslos, was da im Namen von Kirche und Christentum verbreitet wird: Krude Verschwörungstheorien ohne Fakten und Belege, verbunden mit einer rechtspopulistischen Kampfrhetorik, die beängstigend klingt“.

Diese Kritik kam beim Kardinal Gerhard Ludwig Müller allerdings nicht an. Er verteidigte seine Unterschrift unter dem Appell gegen die Corona -Maßnahmen. „Natürlich haben interessierte kirchliche Kreise diesen Vigano-Text benutzt, um daraus Empörungskapital gegen ihre vermeintlichen Gegner zu schlagen“, sagte Müller am Sonntag der katholischen Zeitung „Tagespost“. „Jeder nennt jetzt jeden Andersdenkenden Verschwörungstheoretiker.“

Von Steffen Herrmann (mit dpa/kna/epd)

Benedikt Kuhn, Gründer des Unternehmens „Bembel with Care“ sorgt mit einem rechtsideologischen Post als „Apfelweinbaron“ für Empörung. Eine Erklärung der Kontroverse.

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