Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Hat die hohe Zahl der Todesfälle etwas mit dem Vorwurf zu tun, dass Corona-Kranke in Bosnien Industriegase anstatt Sauerstoff bekommen haben? Die Staatsanwaltschaft ermittelt.
+
Hat die hohe Zahl der Todesfälle etwas mit dem Vorwurf zu tun, dass Corona-Kranke in Bosnien Industriegase anstatt Sauerstoff bekommen haben? Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Coronavirus

Corona-Kranke in Bosnien sollen Industriegase anstatt Sauerstoff bekommen haben

  • VonThomas Roser
    schließen

In Bosnien ermittelt die Staatsanwaltschaft, weil Corona-Kranke offenbar Industriegase anstatt medizinischem Sauerstoff bekommen haben.

Sarajevo - Covid-Kranke in Bosnien sollen Industriegase statt des hochwertigen medizinischen Sauerstoffs bekommen haben. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Zumindest die in dem Skandal in die Kritik geratenen Politiker sind sich keiner Schuld bewusst. Es gebe „keinerlei Grund zur Sorge“, sagt Alen Seranic, Gesundheitsminister im bosnischen Teilstaat der Republika Srpska. In den Corona-Kliniken werde „kein anderer Sauerstoff als medizinischer verwendet“.

Corona-Kranke in Bosnien: Größte kriminelle Affäre aller Zeiten?

Von der „größten kriminellen Affäre aller Zeiten“, spricht hingegen Drasko Stanivukovic, Bürgermeister von Banja Luka und Hoffnungsträger der Opposition. Sein Vorwurf: Die Universitätsklinik (UKC) in Banja Luka habe ihren Sauerstoff von einer Firma bezogen, die nur eine Lizenz für den Handel mit technischen Gasen besitze: „Wissen die Patienten, dass ihr Sauerstoff ohne Lizenz, Zertifikat und Kontrollen geliefert worden ist?“

Wurden Covid-Kranken in bosnischen Kliniken Industriegase statt medizinischem Sauerstoff verabreicht? Der Vorwurf scheint ungeheuerlich. Doch die Staatsanwaltschaft ermittelt. Und die Arzneimittelbehörde hat der in den Fokus geratenen Firma TGT Tehno Gas von Ex-Polizeichef Stanislav Cado wegen fehlender Lizenzen die Produktion und den Handel mit medizinischen Gasen nun verboten.

Corona-Kranke in Bosnien: Hat die Zahl der Toten etwas mit den Industriegasen zu tun?

Die Produktion von medizinischen sei zwar „ähnlich“ wie die von technischen Gasen, aber wegen der für Arzneimittel erforderlichen Zulassungen und Qualitätskontrollen mit einem wesentlich höheren Personal- und Kostenaufwand verbunden, so ein Fachmann gegenüber der Frankfurter Rundschau. „Korrekt abgefüllt“ seien bei der Verabreichung von für Industriezwecke gefertigtem Sauerstoff zwar nicht zwangsläufig gesundheitliche Folgen zu befürchten. Doch bei Abfüllung und Transport könne es bei falsch deklariertem Sauerstoff wegen der fehlenden Kontrollen leicht zu „Kontaminierungen“ kommen: „Riskant wird es vor allem, wenn mit Lachgas gepanscht wird: Die Patienten merken das nicht und wachen aus der Narkose nicht mehr auf.“

Das Portal klix.ba fragt bereits, ob die im internationalen Vergleich auffällig hohe Zahl von Corona-Toten in Bosnien „etwas mit der Qualität des Sauerstoffs zu tun hat“. Außer am UKC sollen auch in einer Klinik in Trebinje Industriegase verabreicht worden sein. Dusko Tomic, Anwalt mehrerer Familien verstorbener Covid-Kranker, spricht von Hinweisen, dass Patient:innen an dem ihnen verabreichten Sauerstoff verstorben seien.

Corona-Kranke in Bosnien: Politisch Motivierte Panikmache

Über eine „politisch motivierte Panikmache“ klagen hingegen die in die Kritik geratenen Amtsträger. Tatsächlich setzt die Affäre die regierende SNSD von Serbenführer Milorad Dodik angesichts von Wahlen im kommenden Jahr zunehmend unter Druck. Denn es mehren sich die Enthüllungen über korruptionsverdächtige Anschaffungen und verschobene Ausschreibungen während der Pandemie durch Politiker seiner Partei.

Der in den Kliniken der Republika Srpska verabreichte Sauerstoff sei von „derselben Qualität wie der in München oder Wien“, beteuert Dodik. Doch immer weniger seiner Landsleute wollen ihm noch glauben.

Sarajevos frisch gekürte Oberbürgermeisterin Benjamina Karic will derweil ein Zeichen der Aussöhnung setzen. (Thomas Roser)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare