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Immer mehr Wissenschaftler empfehlen auch in Deutschland einen verpflichtenden Mundschutz im öffentlichen Raum. 

„Weggabelung“ Ostern

Kontaktsperren in Deutschland: Erste Hinweise, wie es jetzt weitergehen könnte

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Am Mittwoch (15. April) will die Politik entscheiden, wie es mit den Corona-Beschränkungen weitergeht. Es gibt nun Hinweise, wie es mit dem Coronavirus weitergeht

  • Coronavirus: Bundesregierung berät über Kontaktsperren und Beschränkungen
  • Anstieg der Corona-Infektionen hat sich verlangsamt
  • Wie viel Normalität ist in Deutschland wieder möglich?

Die Zeitangabe „nach Ostern“ ist zu einem magischen Wortpaar geworden. Nach Ostern, am Mittwoch kommender Woche, wolle sie mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer das weitere Vorgehen in der Corona-Krise beraten, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merk el (CDU). Konkret geht es darum, ob, wann und wie die geltenden Einschränkungen gelockert werden können, wie eine Rückkehr zur Normalität möglich ist – ohne dass die Zahl der Infizierten explosionsartig wieder steigt.

Ostern sei eine „Weggabelung“, sagte auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU): „Bleiben wir auch übers Wochenende konsequent, wird die schrittweise Rückkehr zur Normalität wahrscheinlicher.“ In der Sendung ARD extra deutete er am Donnerstag zudem an, dass der Besuch von Partys, Clubs und Fußballspielen am längsten auf sich warten lasse könne. Bei den Geschäften sollten jene Branchen schneller wiedereröffnen, bei denen es möglich sei, Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten. Genauere Angaben, welche er damit meint und um welchen Zeitpunkt es geht, machte Spahn allerdings nicht.

Corona-Infektionen: Anstieg verläuft inzwischen eher linear

Wie schon bei der Entscheidung für Ausgangsbeschränkungen und Kontaktsperren, nutzt die Politik auch dieses Mal offenbar die Empfehlungen von Wissenschaftlern als Grundlage. „Für mich wird eine sehr wichtige Studie die der Nationalen Akademie der Wissenschaften, der Leopoldina sein“, erklärte Merkel am Donnerstag. Dabei gehe es um die Frage, „wie können wir weiter vorgehen, wenn die Experten uns sagen, dass wir auf festem Grund stehen, was die Verbesserung der Infiziertenzahlen anbelangt?“

Stand Karfreitag hatten sich laut Robert-Koch-Institut (RKI) in Deutschland 113.525 Menschen mit dem Coronavirus angesteckt. Das sind 5323 mehr als am Vortag, rund 50.000 Menschen gelten als genesen. Die Infiziertenzahlen steigen damit weiter „auf hohem Niveau“, wie RKI-Chef Lothar Wieler sagt. Allerdings weist die Kurve nicht mehr steil nach oben, der Anstieg verläuft eher linear.

Anzahl der Corona-Infektionen: Klarer Erfolg der Kontaktsperre

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen werten diese Entwicklung als klaren Erfolg der Kontaktsperre, sie gehen davon aus, dass es in Deutschland mittlerweile rund 200 000 Infizierte gäbe, wäre es bei den milderen Einschränkungen von Anfang März geblieben. Auch für Angela Merkel geben die aktuellen Zahlen „Anlass zu vorsichtiger Hoffnung“. Sie schränkte allerdings ein, bei einer möglichen Lockerung müsse man „ganz, ganz vorsichtig“ sein.

Die von der Bundeskanzlerin als wichtiges Beratungsgremium genannte Leopoldina mit Sitz in Halle könnte nach Informationen des „Spiegel“ nach Ostern eine schrittweise Öffnung der Schulen vorschlagen. Nach Vorstellung der Wissenschaftler könnten demnach in den nächsten Wochen als Erste die älteren Schüler wieder den Unterricht besuchen, da ihnen zugetraut werde, vernünftig mit Schutzmasken umzugehen und den nötigen Abstand zu halten. Kindergartenkinder sollen zunächst einmal weiter zu Hause bleiben.

Corona in Deutschland: Zahl der Schutzmasken entscheidend

Zum Kreis der Leopoldina-Wissenschaftler gehören neben Epidemiologen und Virologen – darunter auch Christian Drosten von der Berliner Charité – Wirtschaftsexperten, Soziologen und Ethiker, laut Kanzlerin Merkel „also Menschen, die das gesamte gesellschaftliche Leben im Blick haben und damit die richtigen Abwägungen treffen können“.

Wie der „Spiegel“ weiter berichtet, hängt die Öffnung weiterer Geschäfte nach Ansicht der Leopoldina-Forscher maßgeblich davon ab, wie viele Schutzmasken verfügbar sind – nicht nur für das Personal in Kliniken und Pflegeheimen, denen sie zuvörderst vorbehalten sein müssen, sondern auch für die gesamte Bevölkerung. Nur mit ausreichendem Infektionsschutz könne die Rückkehr ins normale Leben gelingen.

Corona in Deutschland: Leopoldina befürwortet Mund-Nasen-Schutz

Die Forschergruppe der Leopoldina hatte bereits in einer Stellungnahme vor einer Woche das Tragen von Mund-Nasen-Schutz in der Öffentlichkeit befürwortet. Auch andere wissenschaftliche Organisationen sprechen sich dafür aus, so die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie, ein Expertengremium um Christiane Woopen, Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, und die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene.

Alle sehen zudem eine Erhöhung der Testkapazitäten als notwendig an – das gilt sowohl für die Tests, die eine Corona-Infektion nachweisen als auch für Antikörpertests, mit denen sich überwundene Infektionen feststellen lassen. (mit afp)

Was passiert in der Corona-Krise in Deutschland? Wie wirkt sich das Coronavirus auf das Land aus? Aktuelles rund um das Coronavirus in Deutschland gibt es in unserem News-Ticker.

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