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„Chefsache“ in der Pandemie

Söder fordert Corona-„Kindergipfel“ – und bedient sich bei linken Ideen

  • Tobias Utz
    VonTobias Utz
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Markus Söder will Kinder und die Situation in Schulen sowie Kitas in den Vordergrund der Pandemie stellen – und wärmt dabei alte Ideen auf.

  • Markus Söder* fordert einen „Kindergipfel“.
  • Die Corona-Pandemie* werde für viele Kinder zur Belastungsprobe.
  • Die Idee stammt aus dem Jahr 2020 – und von linken Politikerinnen und Politikern.

München/Berlin – Bayerns Ministerpräsident Markus Söder plant „bald“ Corona-Lockerungen. Insbesondere die Kontaktbeschränkungen könnten bei konstant niedrigen Fallzahlen aufgeweicht werden, betonte der 54-Jährige am Mittwoch (17.02.2021) in seiner digitalen Rede zum politischen Aschermittwoch.* Zudem plant Söder offenbar eine bundesweite Thematik zur „Chefsache“ zu machen, wie er erklärte.

Demnach plant er einen „Kindergipfel“. In seiner Rede betonte Söder, dass ein Konzept erarbeitet werden müsse, wie Kindern geholfen werden kann, „die mit der Pandemie nicht so gut zurechtkommen.“ Schulische und psychische Hilfe müsse dabei im Vordergrund stehen, so der bayerische Ministerpräsident. „Vor allem Kinder und Jugendliche leiden unter der Pandemie. Deswegen wird es einen Kindergipfel geben“, erklärte der 54-Jährige nach seiner Rede auf Twitter.

Corona: Söder fordert „Kindergipfel“ – Unklar, wer teilnimmt

Wie genau der „Kindergipfel“ gestaltet wird und wer daran teilnimmt, ist noch unklar. Söders Vorschlag ist derweil keine neue Idee – sie stammt aus dem Jahr 2020 und von linken Politikerinnen und Politikern.

„Das will ich zur Chefsache machen.“

Markus Söder, Bayerns Ministerpräsident

Amira Mohamed Ali, Fraktionschefin der Linken im Bundestag, forderte bereits im Mai 2020 einen „Kindergipfel“. „Wir brauchen stattdessen einen Kindergipfel. Hier müssen die richtigen Prioritäten gesetzt werden, dass hier entsprechend gehandelt wird und nicht zugeguckt wird, wie Kinder immer mehr unter der Situation leiden“, sagte sie der „Tagesschau“.

Markus Söder fordert einen Corona-„Kindergipfel“. (Archivfoto)

Ähnlich äußerte sich damals Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende der Grünen. „Statt die Voraussetzungen zu schaffen, damit Kitas und Schulen als Erstes wieder öffnen, wurde ewig über die Öffnung der Fußball-Bundesliga und von Möbelhäusern diskutiert“, sagte sie der „Welt am Sonntag“. Auch Dietmar Bartsch, stellvertretender Linken-Vorsitzender im Bundestag, übte ebenfalls Kritik an der Fokussierung auf die Industrie in der Corona-Krise: „Wir brauchen einen Kindergipfel der Ministerpräsidenten und zuständigen Landesminister im Kanzleramt. Es kann nicht sein, dass Autos höchste Priorität erhalten und unsere Jüngsten aus dem Raster fallen“, so Bartsch.

Markus Söder fordert einen „Kindergipfel“ in der Corona-Krise. Der Betrieb in Kitas und Schulen findet in der Pandemie unter sehr speziellen Bedingungen statt. (Archivfoto)

Unterstützung erhielten die Politikerinnen und Politiker von einer Expertin. Jutta Allmendinger, Professorin für Bildungssoziologie und Arbeitsmarktforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin, erklärte Mitte des Jahres 2020 der „Tagesschau“: „Für Deutschland ist nichts wichtiger als die Kinder, die wir haben, und für die Eltern auch nicht. Ich verstehe nicht, wieso man so wenig Wert auf das prezioseste Gut legt oder die preziosesten Menschen, die wir haben in der Zukunft.“ Grünen-Politikerin Baerbock kritisierte zudem den Kinderbonus der Bundesregierung scharf: Der Bonus sei nicht ausreichend.

Söders „Kindergipfel“-Vorschlag ist unabhängig von der Ideenfindung eine drängende Thematik in der Pandemie. Wie Kanzlerin sich Angela Merkel und andere Ministerpräsidenten oder Ministerpräsidentinnen dazu positionieren, ist noch offen. (Tobias Utz) *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Marja/Imago Images

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