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Debatte um Lockerungen

Corona-Infektionen werden im „Mai absinken“ – Lauterbach warnt dennoch

  • Stefan Krieger
    VonStefan Krieger
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SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht die Wirkung der Corona-Notbremse - und macht für die kommenden Wochen Hoffnung.

Berlin/Frankfurt – Karl Lauterbach trat in der Vergangenheit oft als Mahner auf. Der SPD-Gesundheitsexperte lag mit vielen seiner meist düsteren Prognosen richtig, was die Entwicklung der Pandemie in Deutschland anbelangt. Nun geht Lauterbach aber von einem guten Sommer aus und gibt sich verhalten optimistisch. Der SPD-Politiker hat sich gegenüber der Augsburger Allgemeinen für zurückhaltende Lockerungen für Geimpfte in der Corona-Pandemie ausgesprochen.

„Bei doppelt geimpften Personen können wir die Einschränkungen der persönlichen Grundrechte nicht mehr vertreten“, sagte der SPD-Politiker der Zeitung. Gleichzeitig mahnte er jedoch weiter zur Vorsicht: „Wir dürfen gerade jetzt nicht den Fehler machen, die Erfolge zu gefährden, die uns die einheitliche Corona-Notbremse gebracht hat.“

Karl Lauterbach: „Aktuelle Zahlen sind bislang nicht dem Impfen geschuldet“

Zu den aktuell leicht fallenden Zahlen sagte Karl Lauterbach gegenüber merkur.de*: „Die aktuelle Stagnation ist zu diesem Zeitpunkt zu erwarten gewesen. In manchen Landkreisen steigt die Inzidenz noch, in anderen fällt sie bereits. Das hält sich die Waage, ehe es Mitte oder Ende Mai zu einem exponentiellen Absinken der Zahlen kommt“.

Karl Lauterbach im Gespräch mit Annalena Baerbock im Plenum des Deutschen Bundestags. (Archivfoto)

Die gegenwärtige Entwicklung erklärte Lauterbach gegenüber merkur.de wie folgt: „Die aktuellen Zahlen sind bislang nicht dem Impfen geschuldet. Das ändert sich erst, wenn die Quote der Erstgeimpften zwischen 40 und 60 Prozent liegt. Dann sinkt Fallzahl exponentiell. Sieht man sich unseren Plan an, werden wir in Deutschland etwa ab der dritten oder vierten Maiwoche so weit sein. Dies entspricht auch Modellierungen.“

Corona-Pandemie: Karl Lauterbach gegen Spaltung der Gesellschaft

Einer allzu schnellen Lockerung des Lockdowns für Geimpfte schiebt Lauterbach allerdings einen Riegel vor: „Ganz klar nein sage ich zu Öffnungen von Läden, Kneipen oder anderen Angeboten nur für doppelt Geimpfte“, sagte der SPD-Gesundheitsexperte. Deren Zahl sei noch zu klein. Zudem würden derartige Regelungen die Gesellschaft spalten. „Wer noch nicht geimpft ist, ist das in aller Regel, weil er sich an die Impfreihenfolge hält, dafür sollte niemand bestraft werden“, sagte er. Corona-Maßnahmen würden noch lange notwendig sein. „Auch wenn die sogenannte Herdenimmunität erreicht ist, können wir nicht alles öffnen“, betonte Lauterbach.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach im Bundestag.

Lauterbach warnte zudem vor übertriebenen Erwartungen, die Impfungen könnten die Pandemie beenden. „Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass die Corona-Ausbreitung automatisch stoppt, wenn 70 Prozent der Bevölkerung geimpft sind“, sagte der Epidemiologe laut der Augsburger Allgemeinen. Wer nicht geimpft sei, werde erkranken, gerade im Herbst werde es wieder mehr Fälle geben. Nur verbreite sich die Krankheit dann nicht mehr exponentiell.

Karl Lauterbach
Geboren21. Februar 1963, Düren
AmtMitglied des Deutschen Bundestages seit 2005
AusbildungHarvard Medical School (1995)

Lauterbach sagte, es bestehe eine Gefahr, wenn Geimpfte und Nicht-Geimpfte aufeinander träfen und sich dann Nicht-Geimpfte infizieren oder die Geimpften ohne vollständigen Immunschutz anstecken würden. Eine flächendeckende Kontrolle bei den Öffnungen sei schwierig und es gelte jetzt, den ausgewiesenen Erfolg bei der Bekämpfung der Pandemie zu sichern.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht für Corona-Lockerungen

Lauterbach widersprach somit Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD). Lambrecht plant für vollständig Geimpfte sowie für Genesene deutlich größere Befreiungen von Corona-Schutzmaßnahmen, als bislang geplant.

Die Unionsfraktion im Bundestag unterstützt den Verordnungsentwurf der SPD-Politikerin. „Wir tragen die Vorschläge von Justizministerin Lambrecht grundsätzlich mit“, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion, Karin Maag (CDU), dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Beratungen im Bundestag könnten noch in dieser Woche abgeschlossen werden. „Um keine Zeit zu verlieren, sollte der Bundesrat nicht erst am 28. Mai abschließend beraten, sondern möglichst in einer Sondersitzung in der kommenden Woche“, mahnte Maag.

Natürlich sei die Forderung menschlich verständlich, die schon Geimpften sollten sich in Zurückhaltung üben bis die Jüngeren, die bisher Solidarität gezeigt hätten, auch geimpft seien. „Doch die Grundrechte stehen jedem Menschen persönlich zu. Eine Neiddebatte ist daher fehl am Platz“, betonte die CDU-Politikerin. Maag fügte hinzu, die Rücknahme von Grundrechtsbeschränkungen biete auch einen Anreiz, sich impfen zu lassen. (Stefan Krieger mit AFP) *merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Political Moments/Imago Images

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