Massentest in Südtirol

Corona in Italien: Corona-Massentest in Südtirol sorgt für großen Andrang

  • Matthis Pechtold
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Mit Massentests will die Provinz Südtirol die zweite Corona-Welle brechen. Bis Ende des Wochenendes können sich Bürgerinnen und Bürger kostenlos testen lassen.

  • In Italien wird nach einem Weg gesucht, die zweite, massive Infektionswelle zu brechen.
  • Gegen Corona bringt Südtirol jetzt eine neue Maßnahme in Anschlag, die einen mehrwöchigen Lockdown ersetzen könnte.
  • Die knapp 500.000 Bewohner:innen der Provinz können sich bis Sonntag gratis auf Antikörper testen lassen.

Update vom Samstag, 21.11.2020, 13.19 Uhr: In der norditalienischen Provinz Südtirol ist die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger am freiwilligen Corona-Massentest groß. Seit Öffnung der Teststationen ließen bis zum Samstagmorgen fast 140.000 Menschen einen Abstrich machen. Wie die Behörden weiter mitteilten, erhielten dabei bis 10 Uhr des zweiten Tages insgesamt 1744 Menschen (1,3 Prozent) ein positives Corona-Resultat. Die Reihenuntersuchung auf das Virus Sars-CoV-2 läuft an knapp 200 Testpunkten bis zum Sonntagabend.

Die Provinz Südtirol will mit einem Corona-Massentest raus aus der Einstufung als Rote Zone.

Die Landesregierung will mit der Aktion unter dem Motto „Südtirol testet“ die zweite Corona-Welle schneller brechen. Virusträger, die nichts von ihrer Infektion ahnen, sollen entdeckt werden. Sie gelten als gefährliche Ansteckungsquelle. In der Autonomen Provinz, über die ein Teil-Lockdown verhängt ist, leben gut eine halbe Million Menschen. Die Provinz Bozen-Südtirol hofft, dass am Ende zwei Drittel der Bürger und Bürgerinnen einen Antigen-Schnelltest machen. Das wären etwa 350.000 Menschen. Sollte die Aktion die Pandemie bremsen, wollen die Politiker möglichst rasch ihre Einstufung als Rote Zone aufheben. Italiens Regierung in Rom hat für solche Hochrisiko-Zonen strenge Ausgangsbeschränkungen angeordnet. Außerdem müssen dort viele Läden geschlossen bleiben.

Der Erfolg eines Massentests hängt nach Einschätzung von Experten stark von einer hohen Teilnahmequote ab. Kritiker bemängeln, dass die Resultate von Antigen-Schnelltests nicht verlässlich genug seien. Aufwand und Kosten der Großaktion seien zudem hoch. Österreich plant ebenfalls Massentests, die Slowakei ist mit ihren Reihentests bereits in einer neuen Runde.

Corona in Italien: Massenhaft kostenlose Schnelltests gegen zweite Infektionswelle

Erstmeldung vom Freitag, 20.11.2020, 16.06 Uhr: Südtirol, Italien - Mit einem Massentest möchte Südtirol die Infektionswelle quasi im Hau-Ruck-Verfahren brechen. An knapp 200 Teststationen können sich alle Bewohner:innen der Provinz gratis auf Antikörper testen lassen. Medienberichten zufolge standen hier bereits am Freitag viele Menschen an, die damit dem Aufruf des Landeshauptmanns Südtirols, Arno Kompatscher, folgten. Er hatte die Bevölkerung mehrfach dazu aufgerufen, sich im Rahmen der Aktion testen zu lassen.

Der Massentest ist nämlich nur dann gegen Corona erfolgreich, wenn sich rund 70 Prozent der Bürger:innen in der betroffenen Region testen lassen – und sich bei einem Positivergebnis für mindestens zehn Tage selbst isolieren. Stephan Ortner, der Direktor des Eurac Research Zentrums in Bozen, erklärte gegenüber der dpa, ein Massentest mit derartiger Erfolgsquote könne so gut wie „ein totaler Lockdown von vielen Wochen wirken“. Ursächlich ist hier, dass mit einem Massentest auch solche Infektionen entdeckt werden, die bisher symptomlos verlaufen sind. Wer infiziert ist, aber keine Krankheitssymptome entwickelt, ist in der Regel trotzdem für einige Tage infektiös.

Massentest in Südtirol: Erste Ergebnisse liegen Teilnehmenden bereits vor

Bis Freitag früh um 10 Uhr haben sich südtiroler Behörden zufolge bereits 24 Tausend Menschen testen lassen. Eine Ursache für diesen ersten Erfolg könnte sich im unkomplizierten Ablauf des Tests verbergen: Das Ergebnis liegt in der Regel binnen 30 Minuten vor, Teilnehmende können sich das Ergebnis via Email oder SMS schicken.

Großanstrengung gegen das Virus: In Bozen wird für den Massentest geworben

Massentest in der Slowakei: Hohe Teilnehmerzahlen, Premier zufrieden

Ob so ein Massentest auch in ganz Deutschland durchführbar ist, sei laut Experte Ortner jedoch fraglich. In einzelnen Bundesländern könne er funktionieren, auf größerer Ebene eher nicht, so Ornter gegenüber der dpa. Bei einem Massentest in der Slowakei wurden Ende Oktober mehr als fünf Millionen Schnelltests durchgeführt, bei denen mehr als 50 Tausend Infektionen entdeckt worden sind Dort nimmt die Zahl der Neuinfektionen jetzt ab. Slowakeis Premierminister Igor Matovic zeigte sich gegenüber der „Tagesschau“ mit dem Massentest zufrieden: Er sei kostengünstiger und belaste die Wirtschaft weniger als ein Lockdown.

Rubriklistenbild: © Antonio Calanni/dpa

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