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„Impf-Weltmeister“ in der Pandemie

Israel impft am schnellsten: Krankenhausdirektor erklärt Erfolgsrezept

Mehr als eine Million Menschen haben in Israel bereits einen Impfstoff gegen das Coronavirus erhalten. Der Ministerpräsident bezeichnet das Land als „Impf-Weltmeister“.

  • In Israel sind bereits mehr als eine Million Menschen gegen das Coronavirus geimpft worden.
  • Damit liegt der Staat vor der Bundesrepublik Deutschland.
  • Israel zahlt jedoch deutlich mehr Geld pro Impfdosis.

Tel Aviv - Immer mehr Neuinfektionen, viele Todesfälle und strenge Maßnahmen. Das Coronavirus wütet weiterhin auf allen Kontinenten der Erde. Während in Deutschland die Impfkampagne im Kampf gegen die Pandemie nur langsam an Fahrt aufnimmt, haben in Israel bereits mehr als eine Million Menschen eine Impfung erhalten. Das entspricht über zehn Prozent der Gesamtbevölkerung.

Corona: Benjamin Netanjahu bezeichnet Israel als „Impf-Weltmeister“

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat seinen Staat bereits als „Impf-Weltmeister“ bezeichnet. Er sagte, sein Ziel sei es, 5,5 Millionen Geimpfte zu erreichen, um die Corona-Pandemie zu stoppen. Mehr als 40 Prozent der über 60-Jährigen haben laut Angaben des israelischen Gesundheitsministeriums bereits die erste Dosis des Biontech/Pfizer-Impfstoffs erhalten. Das berichtet das „ZDF“. Doch wie ist es Israel gelungen, so viele Bürger innerhalb kürzester Zeit gegen das Coronavirus zu impfen?

Benjamin Netanjahu, Ministerpräsident von Israel, wird im Schiba-Krankenhaus gegen Corona geimpft.

Sehr früh hatte Netanjahu den Wettlauf um den Corona-Impfstoff zur Chefsache erklärt. Wie die „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ berichtet, telefonierte er immer wieder mit dem Pfizer-Chef Albert Bourla, um mehrere Millionen Impfdosen für das Land zu sichern. Nach Angaben des Ministerpräsidenten hat der kleine Staat am Mittelmeer mit Pfizer die Lieferung von acht Millionen Impfdosen und mit Moderna die Lieferung von sechs Millionen Impfdosen vereinbart. Wie viele Dosen bereits in Israel angekommen sind, ist allerdings nicht bekannt.

Corona in Israel: Starkes Gesundheitssystem in einem hochtechnologischen Land

Professor Arnon Afek, stellvertretender Direktor des Schiba-Krankenhauses bei Tel Aviv, sieht verschiedene Gründe für den besonders erfolgreichen Ablauf der Corona-Impfkampagne in Israel. „Erstens haben wir ein sehr starkes öffentliches Gesundheitssystem, mit Krankenversicherung für alle Bürger“, so der ehemalige Generaldirektor des Gesundheitsministeriums. Des weiteren sei Israel ein hochtechnologisches Land mit weltweit führender medizinischer Ausrüstung und ausgezeichneten Lagerungsmöglichkeiten für den Corona-Impfstoff.

LandIsrael
Einwohner9,1 Millionen
Fläche22.380 Quadratkilometer
HauptstadtJerusalem
RegierungschefBenjamin Netanjahu
StaatsoberhauptReuven Rivlin

Zudem seien die Israelis laut Afek ein sehr engagiertes, wendiges Volk, das schnell und effektiv auf Krisensituationen reagieren könne. Viele Krankenschwestern blieben beispielsweise oft nach Dienstende freiwillig für eine weitere Schicht, um noch mehr Bürger impfen zu können. „Alle sind gemeinsam in den Krieg gezogen – den Krieg gegen das Coronavirus“, sagt der stellvertretende Direktor des Schiba-Krankenhauses bei Tel Aviv.

Corona-Pandemie: „Pilotprojekt“ in Israel

Außerdem muss beachtet werden, dass Israel ein sehr kleines Land ist. Eine Aufteilung in Bundesländer gibt es nicht. „Da ist es leichter, die Bevölkerung schnell zu impfen, als in einem großen Land wie Deutschland mit mehr als 80 Millionen Einwohnern“, berichtet Afek. Nach Informationen der Zeitung „Jediot Achronot“ sehen Biontech/Pfizer sowie Moderna den Staat an der Mittelmeerküste wegen dieser Voraussetzungen als ideales „Pilotprojekt“, um schnell den Erfolg ihrer Corona-Impfstoffe zu beweisen.

Die zügigen Impfungen gegen das Coronavirus kosten den Staat jede Menge Geld. Israel zahlt für den Impfstoff von Biontech und Pfizer laut einem Bericht des Nachrichtelportals „T-Online“ 40 Prozent mehr, als beispielsweise die USA. Die Differenz zu den europäischen Staaten ist sogar noch höher. Nach einer versehentlich von der belgischen Finanzstaatssekretärin Eva De Bleeker veröffentlichten Liste kostet eine Dosis in Europa zwölf Euro. Israel zahlt ganze 23 Euro pro Dosis.

Israel: Kritik an Corona-Politik von Benjamin Netanjahu

Benjamin Netanjahu war wegen seiner Corona-Politik in den vergangenen Monaten immer wieder stark in die Kritik geraten. Er weigerte sich beispielsweise, punktuelle Lockdowns in Wohngebieten mit vielen streng religiösen Juden zu verhängen, obwohl dort die Corona-Infektionszahlen besonders hoch waren, wie „T-Online“ berichtet. Auch in den letzten Wochen schnellten die Corona-Zahlen in Israel wieder in die Höhe. Nun will Netanjahu mit der Impfkampagne verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Am 23. März wählt das Land ein neues Parlament. Politikwissenschaftler Jonathan Rynhold sieht das Vorgehen des Ministerpräsidenten bei der Impfkampagne auch als klare „Strategie, um zu zeigen, dass er der effizienteste Anführer ist und die Öffentlichkeit von innen und außen beschützt“. (Tobias Ketter)

Rubriklistenbild: © Amir Cohen/dpa

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