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Rückkehr zur Normalität? Israel schafft Grünen Pass weitgehend ab

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Von: Nail Akkoyun

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Trotz steigender Corona-Fallzahlen schafft Israel den Grünen Pass weitgehend ab.
Trotz steigender Corona-Fallzahlen schafft Israel den Grünen Pass weitgehend ab. © Avdo Bilkanovic/Imago Images

Obwohl die Omikron-Variante in Israel für extrem hohe Corona-Fallzahlen sorgt, hat die Regierung den Grünen Pass weitestgehend abgeschafft.

Jerusalem – In Israel* belasten immer mehr schwer an Corona* erkrankte Personen die Krankenhäuser. Mehr als 1250 Personen sind es derzeit, ein persönlicher Rekord für das kleine Israel seit Pandemie-Beginn. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben mittlerweile zwar Erfahrung mit dem Virus, sind nach rund zwei Jahren allerdings erschöpft.

Die Sieben-Tage-Inzidenz nimmt ab, beträgt aber noch immer 3943,5 (Stand: 07.02.2022). Darüber hinaus starben innerhalb einer Woche 300 Menschen in Verbindung mit einer Covid-19-Infektion. Werte, die zum Teil mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland ausfallen – und das bei einer Bevölkerung von nur rund 9,2 Millionen Menschen.

Corona-Pandemie: Omikron-Welle hat Höhepunkt in Israel bereits erreicht

„Es ist nicht mehr wie zu Beginn der Pandemie“, sagte Yoram Weiss, Direktor des Krankenhauses, der Agentur Reuters. „Damals hatten alle noch Energie. Heute sind sie sehr müde.“ Man habe inzwischen manche Abteilungen geschlossen sowie die Zahl der Operationen reduziert. „In den Abteilungen für Innere Medizin haben wir die Zahl der Patienten reduziert, damit mehr Personal für die Covid-Patienten zur Verfügung steht.“

Trotzdem hat die Regierung beschlossen, den Grünen Pass in vielen Bereichen abzuschaffen. Dieser diente bislang, ähnlich wie ein 2G-Nachweis in Deutschland, als Eintrittskarte ins öffentliche Leben. Allerdings erhielten den Grünen Pass neben Corona-Geimpften und -Genesenen auch getestete Personen, wenn auch mit unterschiedlichen Ablauffristen.

Diesen Schritt kann Hagai Levine, Epidemiologe an der Hebräischen Universität in Jerusalemen, gut nachvollziehen. Eine Ansteckung mit der Omikron-Variante ist laut ersten Daten nämlich auch nach drei oder sogar vier Impfungen möglich. Dies sei ein guter Grund, „weniger auf den ‚Grünen Pass‘ zu setzen.“ Zudem geht man in Israel davon aus, vor circa zwei Wochen den Höhepunkt der Omikron-Welle* überschritten. 

Corona in Israel: Öffentlichkeit ab sofort „für sich verantwortlich“

„Können wir die Leute weiterhin zwingen, sich die ganze Zeit testen zu lassen? Nein“, sagte Levine. „Bei der öffentlichen Gesundheit geht es darum, dass die Menschen ihre eigenen Entscheidungen treffen. Wenn jemand ein Risikopatient ist und trotzdem ins Theater gehen will: Okay, dann soll er gehen dürfen. Wir unterschätzen nicht die Risiken. Wir glauben einfach, dass die Öffentlichkeit für sich verantwortlich ist.“

Erhalten bleiben soll der Corona-Nachweis lediglich in sogenannten Hochrisikobereichen, darunter in Alten- und Pflegeheimen. Auch bei großen Ansammlungen, wie etwa Hochzeitsfeiern, soll der Grüne Pass in Israel weiterhin zum Einsatz kommen. In Restaurants, Kinos oder Museen dürfen ab Montag (07.02.2022) jedoch alle rein, ganz ohne Impf- oder Testnachweis.

Kritik an Corona-Plänen in Israel: Expertinnen und Experten sehen mangelnden Impfanreiz

Die neue Vorgehensweise der Regierung stößt aber auch auf Kritik. Expertinnen und Experten gaben zu bedenken, dass der Anreiz, sich impfen zu lassen, mit den gelockerten Maßnahmen wegfallen könnte. Doch schon zuvor fiel der vermeintliche Impfweltmeister Israel bei den Impfzahlen immer weiter zurück.

Der Arzt Hagai Levine erklärte, dass es in Israel beim medizinischen Personal zwar eine Corona-Müdigkeit gebe, man jedoch nicht aufgeben werde. Man dürfe auch nicht den Fehler machen, jetzt leichtsinnig zu werden: „Die Regierung muss der Öffentlichkeit deutlich machen, dass die Lage weiterhin gefährlich ist. Dass die Menschen vorsichtig sein müssen.“ (nak) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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