In den vergangenen Tagen waren bereits in vielen israelischen Städten und Ortschaften mit hohen Fallzahlen neue Einschränkungen verfügt worden.
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In den vergangenen Tagen waren bereits in vielen israelischen Städten und Ortschaften mit hohen Fallzahlen neue Einschränkungen verfügt worden.

Hohe Infektionszahlen

Corona-Krise deutlich verschlimmert: Israel muss zum zweiten Mal in den Lockdown

  • Christian Stör
    vonChristian Stör
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Die Regierung in Israel beschließt die Verhängung eines zweiten landesweiten Corona-Lockdowns. Das hat es bisher noch in keinem anderen Land gegeben.

  • Israel leidet unter der Corona-Krise
  • Das Land verzeichnet weltweit die höchsten Infektionsraten
  • Benjamin Netanjahu verkündet dreiwöchigen Lockdown

Jerusalem – Israel ist von der Corona-Krise besonders hart betroffen. Mit seinen neun Millionen Einwohnern hat das Land derzeit eine der weltweit höchsten Corona-Infektionsraten. Seit Ausbruch des neuartigen Coronavirus registrierten die Behörden mehr als 155.000 Infektionsfälle. In mehr als 1100 Fällen führten die Infektionen zum Tod.

Landesweiter Lockdown in Israel tritt am 18. September in Kraft

Nun hat die Regierung in Israel reagiert. Bereits zum zweiten Mal verhängt das Land einen landesweiten Lockdown. Israel ist damit das erste Land weltweit, dass solch drastische Ausgangsbeschränkungen ein zweites Mal einführen muss. Die Maßnahmen sehen die Schließung von nicht lebensnotwendigen Geschäften sowie Schulen vor. Zudem soll der Eintritt zu Synagogen und anderen Gotteshäusern stark eingeschränkt oder ganz untersagt werden. Restaurants dürfen nur noch außer Haus verkaufen. Menschen dürfen sich nicht weiter als 500 Meter von ihren Wohnungen entfernen.

Die dreiwöchigen Beschränkungen gelten zunächst für drei Wochen, kündigte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nach einer Kabinettssitzung an. Bei Bedarf könnten sie auch ausgedehnt werden, betonte er in einer Fernsehansprache. „Unser Ziel ist, den Anstieg zu stoppen“, sagte Netanjahu. Dieser liege derzeit bei 4000 neuen Fällen pro Tag. Bereits Mitte März hatte es einen ersten Lockdown gegeben. Er wisse, dass die neuen Maßnahmen „einen hohen Preis von uns fordern“, sagte Netanjahu. „Dies werden nicht die Feiertage sein, die wir gewohnt sind, wir werden sicherlich nicht mit unseren Großfamilien feiern können.“

Ultraorthodoxer Wohnungsbauminister tritt aus Protest gegen den Lockdown zurück

Die neuen Corona-Beschränkungen treten vor Beginn des jüdischen Neujahrs (Rosch Haschana) in Kraft und gelten dann auch während der sich anschließenden Feiertage Jom Kippur und Sukkot. In dieser Zeit sollen sich nur noch zehn Menschen gemeinsam in geschlossenen Räumen aufhalten dürfen, im Freien werden Zusammenkünfte auf 20 Menschen beschränkt.

Der strengreligiöse Wohnungsminister und frühere Gesundheitsminister Jakov Litzman von der Partei Vereinigtes Tora-Judentum erklärte aus Protest gegen die Maßnahmen seinen Rücktritt. Litzman ist ein wichtiger Koalitionspartner Netanjahus. „Es ist ungerecht und respektlos gegenüber Hunderttausenden von Bürgern, Ultraorthodoxen, Religiösen und Traditionellen,“ begründete Litzman seinen Rückzug aus der Regierung. Netanjahu sagte, er bedauere den Rücktritt Litzmans. Die Regierung müsse aber „vorankommen und die Entscheidungen treffen, die für den Staat Israel während der Corona-Pandemie notwendig sind“.

Es gab aus wirtschaftlichen Gründen starken Widerstand gegen neue Corona-Beschränkungen. Denn die Corona-Krise hat der Wirtschaft des Landes bereits schwer zugesetzt. Die Arbeitslosigkeit lag im Sommer bei mehr als 20 Prozent. Netanjahu selbst steht auch wegen des Umgangs seiner Regierung mit der Corona-Pandemie stark unter Druck. Jeden Samstag demonstrieren tausende Israelis gegen den langjährigen Ministerpräsidenten, der auch wegen Korruption angeklagt ist. Am Sonntag gingen erneut hunderte Menschen gegen Netanjahu auf die Straße. (cs mit afp/dpa)

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