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Nach einem Angriff des IS im Irak Anfang Mai.

Nahost

Schatten von Corona – Der IS kehrt zurück 

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Die Terrorgruppe weitet dank der Pandemie ihren Guerillakrieg aus. Syrische und irakische Sicherheitskräfte sind mit der Eindämmung des Virus vollauf beschäftigt.

  • Der sogenannte „Islamische Staat“ (IS) ist in Syrien wieder auf dem Vormarsch.
  • Bisher kontrollieren sie kein Territorium.
  • Dafür verüben sie mit aller Härte Selbstmordangriffe, Entführungen und Hinterhalte.

Seit Wochen häufen sich nächtliche Überfälle, Entführungen, Sprengattacken, Hinterhalte und Selbstmordangriffe. Gut ein Jahr nach der Kapitulation ihres „Kalifates“ sind die Dschihadisten des „Islamischen Staates“ (IS) wieder auf dem Vormarsch, auch wenn sie weder im Irak noch in Syrien noch Territorium kontrollieren. Stattdessen nutzen sie die globale Corona-Krise, um ihren Guerillakrieg massiv auszuweiten. Ihre Kommandos agieren vor allem in den sunnitischen Provinzen im Norden und Westen des Irak, im Osten Syriens sowie in den schwer zugänglichen Wüstenregionen entlang der 600 Kilometer langen irakisch-syrischen Grenze.

Islamischer Staat: Terrormiliz nutzt die Corona-Krise 

Mehr als 430 Anschläge gingen seit Beginn des Jahres auf ihr Konto, im Vergleich zu Januar liegt deren Zahl im Corona-Monat April bereits doppelt so hoch. Allein in Bagdad explodierten Anfang der Woche simultan fünf Sprengsätze.

Denn große Teile der irakischen Sicherheitskräfte sind abgelenkt durch die Überwachung der Pandemie-Ausgangssperren. Viele Polizisten und Soldaten erscheinen auch aus Angst vor Infektionen nicht mehr zum Dienst. Zudem haben die US-Antiterror-Einheiten im Irak im Konflikt um ihre Stationierung die Zahl der Stützpunkte und Ausbilder sowie die Luftaufklärung stark reduziert. Das so vergrößerte Sicherheitsvakuum spielt den Extremisten in die Hände.

Im Irak richten sich die IS-Serienangriffe gegen Soldaten und Polizisten, kurdische und schiitische Milizen und Bewaffnete lokaler Stämme. Sechs Überlandleitungen im Nordosten des Landes wurden zerstört, sodass Hunderttausende ohne Strom sind. Kürzlich attackierte ein Selbstmordattentäter sogar die irakische Antiterror-Zentrale in Kirkuk. Neu sei, dass sich der IS mittlerweile stark genug fühle, größere und komplexere Attentate in Städten zu verüben, erläuterte Nicholas Heras von dem US-amerikanischen Thinktank „Institute for the Study of War“.

IS: Terrormiliz verübt Anschläge während der Corona-Krise 

Der Druck dieser neuen Terroroffensive ist mittlerweile so hoch, dass selbst proiranische Politiker in Bagdad nicht mehr strikt an dem Parlamentsbeschluss vom Januar festhalten wollen, der den Abzug aller ausländischen Truppen forderte. Anfang Juni will die neue irakische Regierung unter Premier Mustafa Al-Kasimi mit Washington über die künftige Zusammenarbeit verhandeln. Denn die irakischen Spezialkräfte alleine werden mit dem IS nicht fertig. Sie sind auf die US-Aufklärung genauso angewiesen wie auf die amerikanischen Drohnen und Kampfhubschrauber.

Seit Monaten operieren die Gotteskrieger praktisch unbehelligt in den Wüstengebieten zwischen Homs und Deir Essor, die zum Machtbereich von Baschar al-Assad gehören. Schwer beladene IS-Konvois, deren Kriegsgerät offenbar teilweise aus Armeebeständen des Regimes stammt, paradieren in den dünn besiedelten Regionen. Vergangene Woche starben sieben Assad-Soldaten, als ihr Bus in einen Hinterhalt geriet. Einen Monat zuvor kamen im Gasförder-Städtchen Sukhna 32 Soldaten ums Leben. Die Kämpfe mit den IS-Angreifern dauerten zwei Tage.

Islamischer Staat in Syrien: „Das ist das Rückgrat dieser Erhebung“

In ländlichen Gebieten gebe es mittlerweile Hunderte, wenn nicht Tausende von Verstecken, alle ausgestattet mit Kommunikationstechnik, Sprit, Generatoren, Sprengstoffvorräten und Bombenwerkzeug, erläuterte Michael Knights vom „Washington Institute“. „Das ist das Rückgrat dieser Erhebung.“

Verständlicherweise konzentriere sich die Welt derzeit darauf, mit der Corona-Pandemie fertig zu werden, warnte kürzlich die „International Crisis Group“, die Analysen für internationale Konflikte erarbeitet. „Trotzdem sollten die Länder Vorkehrungen treffen, um sich vor den Gefahren zu wappnen, die von dem IS ausgehen.“

Von Martin Gehlen

Seit neun Jahren tobt der Bürgerkrieg in Syrien. Eine Chronologie der wichtigsten Ereignisse.

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