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Indien

Corona in Indien: Variante B.1.617 verbreitet sich bis nach Europa - Hindufest soll trotzdem stattfinden

  • Alexander Seipp
    VonAlexander Seipp
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Bisher kam Indien gut durch die Corona-Krise. Das wichtigste hinduistische Fest scheint dies nun zu ändern. Die Zahlen explodieren. Und Premier Modi tut wenig.

Neu-Delhi – Indien ist weltweit das Land mit der zweitgrößten Bevölkerungszahl. Entsprechend den Umständen hat das hinduistische Land bisher die Corona-Krise relativ unbeschadet überstanden. Und dies trotz riesiger Metropolen, in denen Menschen in prekären Lebensverhältnissen dicht an dicht leben.

Dies ist nun vorbei. Wie der „Spiegel“ meldet, sind die Corona-Zahlen in den vergangenen Tagen explodiert. Allen voran in der Hauptstadt, Neu-Delhi, und Mumbai. An einem einzigen Tag hatten sich am Mittwoch mehr als 200.000 Menschen mit dem Coronavirus angesteckt. Seit Wochen nehmen die Zahlen kontinuierlich zu.

Der Anstieg könnte dabei auf eine neue Variante des Coronavirus zurückzuführen sein. Die Mutation mit der Bezeichnung B.1.617 gilt als eine Kombination aus der britischen und der südafrikanischen Variante. Ihr Gefahrenpotenzial ist zurzeit genauso wenig seriös einzuschätzen wie die Frage, ob der starke Anstieg der Fallzahlen in Indien wirklich auf die Mutation zurückgeht. Bekannt ist dafür, das B.1.617 Europa bereits erreicht hat. Großbritannien meldete unlängst mehr als 70 Infektionen mit der indischen Variante.

Indien: Premierminister Modi tut wenig gegen die Ausbreitung des Coronavirus

Indiens hindunationalistischer Premierminister, Narendra Modi, scheint die Gefahr trotzdem noch nicht begriffen zu haben. Das zeigt das derzeit stattfindende Kumbh Mela-Fest.

Beim Kumbh Mela-Fest in Indien nehmen Hindus ein rituelles Bad. In diesem Jahr ist es zu einem Superspreader-Event geworden.

Bei dem wichtigsten Fest des Hinduismus reisen Millionen von Hindus zu vorher festgelegten Stellen an den heiligen Flüssen Indiens, um dort ein rituelles Bad zu nehmen, ihre Sünden loszuwaschen und Erleuchtung zu erhalten. Laut dem Daily Beast nehmen in diesem Jahr mehr als 50 Millionen Hindus daran teil und pilgern zu der für dieses Jahr festgelegten Stelle des Ganges-Flusses.

Kumbh Mela-Fest in Indien: Rituelles Bad wird zum Corona-Superspreader-Event

Dicht gedrängt wird nach dem rituellen Bad am Flussufer gefeiert. Sicherheitsabstände und Maskenpflicht, wichtige Schutzmaßnahmen vor der Bedrohung des Coronavirus, werden dabei nur selten umgesetzt. Das heilige Bad birgt so die Gefahr, zum Superspreader-Event zu werden. Dies zeigt auch ein Blick auf die Coronazahlen der betroffenen indischen Bundesstaaten. Bereits bei dem im November stattfindenden Diwali-Fest hatten Experten vor einem Superspreder-Event gewarnt.

Trotz den stark ansteigenden Zahlen hat Premier Modi durchgesetzt, dass das Fest stattfinden soll. Kritiker werfen ihm vor, damit den Sieg seiner Partei bei den derzeit stattfindenden Wahlen in mehreren Bundesstaaten sichern zu wollen.

Premier Modi: Streng hindunationalistischer Kurs für Indien – trotz Corona

Modi bleibt aber auch in der Coronakrise weiterhin seinem streng hindunationalistischen und antiislamischen Kurs treu. Denn während er die rasant ansteigenden Zahlen hervorgerufen durch das hinduistische Fest fast unkommentiert lässt, griff er im vergangenen Jahr bei einem wesentlich kleineren, islamischen Fest hart durch. Nachdem dort 4300 Corona-Fälle verzeichnet wurden, wurden Teilnehmer:innen ins Gefängnis geworfen, vor Gericht gestellt und einer Hetzkampagne der Pro-Regierungsmedien ausgesetzt, wie „Daily Beast“ berichtet.

Coronavirus

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Im Zusammenhang mit dem steilen Anstieg der Zahlen könnte auch eine neue Virusmutation stehen. Laut „Spiegel“ fanden Forscher im Bundesstaat Maharashtra bei 60 Prozent der Sequenzierungen die neuartige Variante B.1.617. Sie soll eine Kombination der Varianten aus Großbritannien und Südafrika sein. Ob diese neue Corona-Variante allerdings gefährlicher ist als ihre Schwestern, ist aktuell noch unklar.

Corona: Neue Variante in Indien aufgetaucht – Modi baut Illusion der Normalität auf

Die indische Corona-Variante soll sogar schon in Großbritannien nachgewiesen worden sein. Laut dem „Spiegel“ vermuten Forscher, dass die neue Variante die Impfabwehr umgehen könnte. Genaue Forschungsergebnisse zu der neuen Mutation lassen aber noch auf sich warten.

Für Modi scheint sich das Spiel mit dem Feuer bisher auszuzahlen. Sein Festhalten an der Großveranstaltungen und religiösen Vorbehalten bringt ihm die Gunst der hindunationalistischen Wähler ein. Sorgsam hat er eine Illusion der Normalität aufgebaut. Ob die drohenden tausenden Corona-Toten die Illusion zu zerbrechen vermögen, bleibt abzuwarten. (als)

Rubriklistenbild: © Xavier Galiana/dpa

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