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Menschen in Neu-Delhi warten auf Füllungen für die Sauerstofflaschen von Angehörigen.
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Menschen in Neu-Delhi warten auf Füllungen für die Sauerstofflaschen von Angehörigen.

Corona-Pandemie

B.1.617 – Die unbekannte indische Corona-Mutante breitet sich aus

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Noch ist unklar, ob die indische Corona-Variante B.1.617 besonders ansteckend oder krankheitserregend ist. Klar ist jedoch, dass sie schon in vielen Ländern nachgewiesen wurde.

Neu Delhi – B.1.617 ist der Name der indischen Virusvariante, die auf dem Subkontinent bereits Anfang Oktober 2020 entdeckt wurde. Monatelang fand sie relativ wenig Beachtung, bis B.1.617 ab Januar dann in immer mehr Proben nachgewiesen wurde.

Welchen Anteil diese Virusvariante an der dramatischen Entwicklung des Infektionsgeschehens in Indien hat, ob sie ansteckender oder krankmachender als der Wildtypus ist, ob sie dem Immunschutz nach durchstandener Infektion mit dem ursprünglichen Virus oder dem Schutz durch eine Impfung zumindest teilweise entwischen kann, lässt sich bislang noch nicht sicher sagen.

In seinem Coronavirus-Update erklärt Christian Drosten, Virologe an der Berliner Charité, er halte die Variante „in der Medienbewertung“ für „überschätzt“. Es gebe keine Belege, dass Menschen durch sie schwerer erkrankten. Auch vermutet er, dass nicht die Variante allein für das massive Infektionsgeschehen in Indien verantwortlich sei, sondern „mehr eine bunt gemischte Virus-Population“.

Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat B.1.617 bislang noch nicht als „variant of concern“ eingestuft, also noch nicht als besorgniserregende Variante, sondern nur als „variant under investigation“ – als eine Variante, die man beobachtet.

Corona-Variante B.1.617: In rund 20 Ländern wurde die Variante bisher nachgewiesen

Was man bisher weiß: Die Datenbank Gisaid (eine Wissenschaftsplattform für den freien Zugang zu Genomdaten von Influenzaviren und Sars-CoV2) meldete die Variante in Indien erstmals am 5. Oktober 2020. In Großbritannien tauchte sie laut „Ärzteblatt“ am 22. Februar auf, in Deutschland soll sie im März 2021 erstmals identifiziert worden sein.

Die Nachrichtenagentur AFP berichtet, dass B.1.617 mittlerweile in 17 Ländern nachgewiesen wurde, im „Ärzteblatt“ ist von 21 Ländern die Rede. Nach den an Gisaid übermittelten Daten soll B.1.617 in Indien mittlerweile die vorherrschende Variante sein.

B.1.617 trägt 13 Mutationen, darunter zwei, die das Spike-Protein treffen, mit dem sich das Virus an menschliche Zellen bindet und auf das auch Impfstoffe zielen. In einigen Publikationen werden diese beiden genetischen Veränderungen mit Namen E484Q und L452R als „Doppelmutationen“ bezeichnet.

Corona in Indien: „Bengalische“ Variante breitet sich aus

Mutationen an der Position 484 im Virusgenom sind neben der indische Variante insbesondere auch bei der südafrikanischen und der brasilianischen Variante aufgetreten. Wie das „Ärzteblatt“ berichtet, waren in Laborexperimenten die Seren von Patient:innen mit überstandener Infektion nur eingeschränkt in der Lage, „Pseudoviren“ mit dieser Mutation abzuwehren.

Gleiches gelte für L452R, die zweite Mutation der indischen Variante am Spike-Protein, die sie mit der kalifornischen Variante B.1.429 gemeinsam hat. Als dritte „relevante Mutation“ führt das „Ärzteblatt“ P681R auf. Sie betrifft einen Bereich des Virus, der ebenfalls mit der Bindung an die Zelle zu tun hat.

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Die Zeitung „Times of India“ berichtete am 22. April zudem von der zunehmenden Verbreitung einer weiteren Variante in Teilen Indiens, der „bengalischen“ mit der Bezeichnung B.1.618. Sie bereite vor allem deshalb Sorgen, weil sie die Mutation E484K trägt, die man von der südafrikanischen und der brasilianischen Variante kennt. Es wird vermutet, dass diese Mutation dem Immunsystem entkommen kann.

Nach Entdeckung neuer Virusvarianten: Schützen Corona-Impfstoffe noch?

Obwohl Indien weltweit der größte Impfstoff-Produzent ist, seien gegen Covid-19 derzeit nur etwa neun Prozent der Bevölkerung geimpft, sagte Martin Hibberd, Spezialist für Infektionskrankheiten an der London School of Hygiene & Tropical Medicine, gegenüber dem Science Media Center.

Schützen die vorhandenen Impfstoffe ausreichend vor der indischen Variante? Der Hersteller des in Indien entwickelten Impfstoffs BBV152 hat genau das in einer auf biorxiv.org veröffentlichten, noch nicht begutachteten Studie untersucht. Demnach schützt das Vakzin zu 78 Prozent vor leichten und mittelschweren sowie vollständig vor schweren Verläufen.

Die Station für Covid-19-Patient:innen in einem Krankenhaus in Neu-Delhi.

Für die Studie wurden die Seren von Geimpften mit der Virusvariante konfrontiert, die man vorher in Zellkulturen vermehrt hatte. Der Impfstoff BBV152 wurde vom Indian Council of Medical Research und der Firma Bharat Biotech entwickelt. Er basiert auf inaktivierten Coronaviren.

Entsprechende Untersuchungen zum mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer laufen ebenfalls, sind aber noch nicht abgeschlossen. Biontech-Chef Ugur Sahin äußerte sich gestern jedoch zuversichtlich, dass das Vakzin auch gegen die indische Variante wirkt. (Pamela Dörhöfer)

Die Situation in Indiens Nachbarländern

In Indien steigen seit Mitte Februar die Corona-Infektionszahlen stetig an, seit Anfang April fast exponentiell. Die Sieben-Tage-Inzidenz – also die Zahl der erfassten Infektionen pro 100 000 Personen – stieg in diesem Zeitraum von rund 5 auf etwa 170. Zeitlich verzögert macht sich diese Entwicklung nun auch in den Nachbarländern bemerkbar.

In Nepal ist die Entwicklung besonders extrem: Anfang April wurden dort noch Inzidenzen um die 3 gemeldet – mittlerweile liegt der Wert bei 70. Fachleute befürchten auch in Nepal eine baldige Überlastung der Krankenhäuser.

Auch in Bhutan, wo schon zwei Drittel der Leute geimpft sind, steigen die Inzidenzen. Während aus dem kleinen Himalaya-Staat Mitte März gar keine Infektionen gemeldet wurden, liegt die Inzidenz nun bei 11 – Tendenz steigend.

Myanmar hingegen hat mit dem Putsch im Februar quasi aufgehört, Corona-Fälle zu melden. Die Dunkelziffer der Infektionen dürfte hoch sein. Darauf weist die Entwicklung in Laos hin: Während das Nachbarland Myanmars bislang fast infektionsfrei durch die Pandemie kam, steigen die Zahlen seit einigen Tagen erstmals auch dort. fab

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