Pandemie

Corona in Indien: Die meisten Infektionen nach den USA - Fest könnte zum Superspreader-Event werden

  • Delia Friess
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Armut, Bevölkerungsdichte und eine schlechte Gesundheitsversorgung begünstigen die Ausbreitung des Coronavirus in Indien. Nun könnte ein Fest zum Superspreader-Event werden.

  • Indien hat die höchste Rate an Corona-Infektionen nach den USA.
  • Auch in der Hauptstadt Delhi steigen die Neuinfektionen mit dem Coronavirus.
  • Behörden sorgen sich, dass sich das beliebte indische Fest Diwali zum Super-Spreader-Event entwickeln könnte.

Indien - Indien verzeichnet nach den USA die meisten Corona-Infektionen. Die Behörden in der indischen Hauptstadt Delhi vermeldeten am vergangenen Mittwoch alleine in der Millionenmetropole mit über 8.000 bestätigten Neuinfektionen einen hohen Anstieg seit Beginn der Corona-Pandemie. Die Region um Neu Delhi verzeichnet bereits mehr als 450 000 Corona-Fälle, mehr als 6800 Menschen starben. Im ganzen Land mit rund 1,3 Milliarden Einwohnern gibt es bereits mehr als 8,6 Millionen bekannte Corona-Fälle, rund 128 000 Menschen starben an Covid-19.

Nach Ende des Lockdowns schossen die Infektionszahlen in Indien wieder in die Höhe und erreichten im September einen Höchstwert. Danach flaute die Kurve wieder leicht ab. Während es im September täglich noch 90.000 Fälle registriert wurden, waren es Mitte / Ende Oktober weniger als 50.000, berichten die FAZ und die BBC.

In Indien leben viele Menschen auf engsten Raum. Indien verzeichnet hinter den USA die meisten Corona-Infektionen.

Allerdings wird von einer hohen Dunkelziffer an Infektionen mit dem Coronavirus in Indien ausgegangen, da nicht genügend Tests durchgeführt werden können. Die KfW finanziert daher Tests und Schutzausrüstung für das indische Gesundheitssystem mit 15 Mio. EUR. Dieser Betrag stamme aus dem Corona-Sofortprogramm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, heißt es in der Pressemitteilung der KfW. Doch auch so sind in Indien nicht genügend Daten verfügbar. „Wie viel von dem Rückgang der Corona-Fälle an Schnelltests liege und wie viel daran ein wirklicher Rückgang sei, ist schwierig zu sagen.“, sagte einer der führenden Virologen dem BBC-Korrespondenten Soutik Biswas.

Corona-Infektionen in Indien: Armut und schlechte Gesundheitsversorgung steigern die Gefahr

Hinzu kommen weitere Probleme: Indien ist sehr bevölkerungsreich, die Bevölkerung sehr arm. Viele Inder:innen leben auf engstem Raum, viele ohne ein Dach über dem Kopf. Auch der Zugang zu Wasser und Hygieneartikeln ist in Indien meistens nicht gewährleistet. Die meisten Menschen müssen arbeiten, um ihre Familien ernähren und überleben zu können. Wie auch die Tagesschau berichtet, könnten sich viele Inder:innen auch deshalb nicht an die Abstand- und Hygieneregeln halten.

Luftverschmutzung in Indien verstärkt Corona-Gefahr

Zudem leiden die Menschen auch noch unter der Luftverschmutzung in der indischen Hauptstadt, die die Gefahr durch das Coronavirus verstärkt: Am vergangenen Samstag lag über der Hauptstadt Delhi und dem Umland Smog, wie die dpa berichtet. Die Behörden bezeichneten die Luftqualität an mehreren Messstationen als „ernst“. Die Situation werde durch das Verbrennen von Ernteresten auf Feldern noch verstärkt. Bauern in Indien legen ihre Felder jedes Jahr in Brand, um sie für die neue Saison freizubekommen. Dabei könnte sich auch Smog und Rauch negativ auf den Verlauf einer Corona-Infektion auswirken.

Das traditionelle indische Fest Diwali könnte sich zum Superspreader-Event entwickeln, befürchten Regierungsbeamte.

Gesundheitsexpert:innen besorgt: Fest kann sich zum Super-Spreader-Event entwickeln

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unterdessen, dass ein nicht namentlich genannter Beamter des Gesundheitsministeriums die Befürchtung äußerte, dass sich das religiöse Fest Diwali zum Superspreader-Event entwickeln könne. Diwali, das am 14. November gefeiert wird, ist von ähnlich hoher Bedeutung wie das christliche Weihnachtsfest und dauert mehrere Tage. Das Lichterfest symbolisiert den Sieg des Guten über das Böse - und den Sieg des Lichts über die Dunkelheit. In Indien folgen etwa 80 Prozent der mehr als 1,3 Milliarden Einwohner dem hinduistischen Glauben. Während der Festtage kommen die Menschen traditionell zu Feierlichkeiten und Feuerwerken zusammen. Premierminister Modi warnte deshalb erneut und rief auf, den Sicherheitsabstand einzuhalten. Feuerwerke wurden vorerst verbannt, wie die BBC berichtet.

Corona in Indien: Wichtige Rolle bei Impfstoffentwicklung

Indien könnte allerdings eine Schlüsselrolle bei der Impfstoff-Entwicklung spielen: Laut dem indischen Regierungsbeamten Harsh Vardhan Shringla produziere Indien schon zu normalen Zeiten sechzig Prozent aller Impfstoffe weltweit und sei neben China einer der größten Medikamentenhersteller. Indien habe außerdem Erfahrung darin, den eigenen Medikamentenbedarf und den des Auslandes zu decken, so Shringla gegenüber der WELT.

Wirtschaft in Indien leidet unter der Corona-Pandemie

Nun sollen zunächst die Testungen in Indien ausgeweitet werden, wie auch der Guardian berichtet. Dem Bericht zufolge, der sich auf Daten der Regierung bezieht, seien mehr als die Hälfte der 16.573 Betten, die für Covid-19-Patient:innen zur Verfügung stünden, bereits besetzt. 24.000 andere Patient:innen befänden sich in Isolation zu Hause. Expert:innen wie die Forscherin Bhramar Mukherjee verlangen von der indischen Regierung einen transparenteren Umgang mit der Pandemie. Auch die Wirtschaft in Indien leidet nach einem rund zwei Monate andauernden Lockdown unter der Pandemie. Laut Statista ist die Wirtschaft in Indien im zweiten Quartal 2020 um ca. 23,9 Prozent eingebrochen. (Von Delia Friess mit Material von Agenturen)

Rubriklistenbild: © Divyakant Solanki

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