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Boris Johnson sieht die Vorwürfe entspannt.
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Boris Johnson sieht die Vorwürfe entspannt.

Großbritannien

Corona in Großbritannien: Schlammschlacht zwischen Boris Johnson und Dominic Cummings geht weiter

  • Stefan Krieger
    VonStefan Krieger
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Boris Johnsons Ex-Berater Dominic Cummings wirft der britischen Regierung weiterhin Lügen über die Corona-Strategie des Landes vor.

London - Es verspricht, das parlamentarische Ereignis des Jahres in Großbritannien zu werden zu sein - und es könnte das Schicksal des britischen Premiers Boris Johnson bestimmen. Am Mittwoch dieser Woche will Dominic Cummings den Abgeordneten Beweise für die Rolle von Boris Johnson bei wichtigen Entscheidungen in der Corona-Pandemie vorlegen, von denen Kritiker sagen, dass sie viele tausend Menschenleben gekostet haben könnten.

Cummings, ehemaliger Chefberater von Johnson, hat harsche Vorwürfe gegen die Regierung wegen deren Kurs in der Corona-Krise vorgebracht. In einer Serie von Tweets erklärte Cummings am Samstag (22.05.2021), die Regierung habe zu Beginn der Corona-Pandemie sehr wohl eine Politik der „Herdenimmunität“ verfolgt, dies aber später bestritten und damit bewusst gelogen.

Dominic Cummings: Regierung wollte Corona wie ein Grippe behandeln

Nach den Angaben von Johnsons Ex-Berater und einstigem Vertrauten hatte die Regierung ursprünglich geplant, das Virus wie eine Grippe zu behandeln und darauf zu setzen, dass ein Großteil der Bevölkerung nach einer Ansteckung immun sein würde. „Herdenimmunität“ bis September 2020 „war buchstäblich der offizielle Plan“, versicherte Cummings auf Twitter.

Dieser Plan sei erst zwei Wochen vor Beginn des ersten Lockdowns im März 2020 aufgegeben worden, nachdem Downing Street mehrfach gewarnt worden sei, dass dies zu einer „Katastrophe“ führen würde. Cummings warf Gesundheitsminister Matt Hancock vor, die Öffentlichkeit dazu belogen zu haben. Hancock habe mit seinen Dementis „Schwachsinn“ erzählt.

Der Vorwurf: Lockdown wäre vermeidbar gewesen

Cummings erklärte weiter, mit den „richtigen Vorbereitungen und kompetenten Leuten in der Verantwortung“ hätte die Regierung wahrscheinlich den ersten Lockdown vermeiden können. Ganz sicher aber hätte es „keine Notwendigkeit“ für die beiden späteren Lockdowns gegeben.

Dominic Cummings: Johnson-Regierung hat zu Beginn der Corona-Pandemie eine Politik der „Herdenimmunität“ verfolgt.

Innenministerin Priti Patel wies am Sonntag Cummings Vorwürfe zurück. Es sei „durchaus nicht“ das ursprüngliche Ziel der Regierung gewesen sei, für „Herdenimmunität“ zu sorgen, sagte sie der BBC. Auch die Leiterin der Behörde für Gesundheitssicherheit, Jenny Harries, versicherte in der BBC, „Herdenimmunität“ habe nie zur Strategie der Regierung gehört.

Cummings‘ Vorwüfre düften Johnson kaum schaden

Cummings Angriffe geben einen Vorgeschmack auf seine Anhörung am kommenden Mittwoch vor einem Parlamentsausschuss, der die Reaktion der Regierung auf die Pandemie untersucht. Bereits im Vorfeld hatte Johnsons ehemaliger Vertrauter seine Bereitschaft bekundet, dem Ausschuss detaillierte Auskünfte zum mutmaßlichen Fehlverhalten des Regierungschefs zu geben. Er werde den Abgeordneten Rede und Antwort stehen, „so lange, wie sie wollen“. Kürzlich drohte er zudem, bei der Anhörung geheime Dokumente offenzulegen.

Ob Cummings‘ Enthüllungen Boris Johnson tatsächlich schaden werden, bleibt jedoch abzuwarten. Das Ansehen des ehemaligen Beraters bei den Abgeordneten war nie hoch. Cummings, der Ende 2020 nach einem Machtkampf im Spitzenteam des Premierministers seinen Posten als Chefberater räumen musste, hat sich inzwischen zu Johnsons Intimfeind entwickelt. Dabei schreckt er auch vor einer Schlammschlacht nicht zurück.

„Die Öffentlichkeit will das nicht hören“

Im vergangenen Monat stellte Cummings in einem langen Blog-Beitrag die Integrität und Kompetenz des Premiers infrage. Mit seinem Rundumschlag gegen Johnson wehrte er sich gegen Medienberichte, wonach er hinter der Weitergabe von vertraulichen Textnachrichten stehen soll, die den Premier in ein schlechtes Licht rücken.

Ein hochrangiger Tory, der mit Cummings sympathisiert, sagte laut der britischen Zeitung The Guardian: „Die Wahrheit ist, dass Cummings in vielen dieser Fragen recht hat: Es gab Ratschläge, früher in den Lockdown zu gehen, und das wurde nicht gemacht. Letztendlich ist das die Sache des Premierministers. Aber die Öffentlichkeit will das nicht hören. Das ist die bittere Wahrheit.“ (skr mit afp)

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