Mitarbeiter der Mainzer Firma Biontech beraten sich im Labor. stefan albrecht/dpa
+
Mitarbeiter der Mainzer Firma Biontech beraten sich im Labor.

Impfung

Corona-Krise: Impfstoffe gegen Covid-19 - so könnten sie wirken

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
    schließen

An Impfstoffen gegen Covid-19 wird weltweit gearbeitet. Es gibt verschiedene Impfstoff-Typen. So könnten sie gegen das Coronavirus wirken.

  • In der Corona*-Krise suchen Unternehmen und Institutionen nach einem Impfstoff gegen Covid-19.
  • Laut WHO gibt es bislang 83 Impfstoff*-Kandidaten.
  • Es gibt mehrere Ansätze für einen Impfstoff gegen Covid-19.

Der Druck, einen Impfstoff gegen Covid-19 zu finden, ist enorm hoch. Das Mainzer Unternehmen Biontech hat nun als erstes in Deutschland die Genehmigung, eine klinische Prüfung eines Impfstoffs zu starten. Biontech arbeitet bei seinem Vakzin (so der Fachbegriff) mit Boten-Ribonukleinsäure (mRNA) und geht damit den gleichen Weg wie die Tübinger Firma CureVac. Diese neuartige Technologie ist indes nicht der einzige Ansatz für eine Impfung gegen eine Infektion mit Sars-CoV-2, es gibt noch mehrere andere Strategien.

So arbeitet ein Team der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), der Universitätskliniken Hamburg-Eppendorf und Marburg sowie des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung an einem Vakzin auf Basis eines sogenannten Vektors in Gestalt des Pocken-Impfstoffs. Andere Wissenschaftler versuchen es mit bewährten Konzepten wie Totimpfstoffen (etwa der französische Pharmakonzern Sanofi) oder inaktivierten Viren (Wuhan Institut für Virologie). 

Corona-Krise: Suche nach Covid-19-Impfstoff

Insgesamt wird laut der Weltgesundheitsorganisation WHO an 83 Impfstoff-Kandidaten gearbeitet. Ein Überblick der Ansätze mit deutscher Beteiligung:

Genbasierter Impfstoff mit mRNA: Die Ribonukleinsäure (RNA) ist die „kleine Schwester“ der Desoxyribonukleinsäure (DNA) und bildet das Erbmaterial des Coronavirus. Die mRNA-Technologie ist eine der Hoffnungsträgerinnen der Krebstherapie, sie soll Immunreaktionen gegen Tumore stimulieren. Impfungen auf dieser Basis sind bislang noch nicht zugelassen, es liegen nur Erfahrungen aus frühen klinischen Studien vor, etwa zu einem Tollwut-Impfstoff der Firma CureVac. 

Das Unternehmen Biontech testet nun gegen Covid-19 verschiedene Varianten, die genetische Informationen in Form von RNA für Bausteine des Spike-Proteins enthalten. Das Spike-Protein sitzt auf der Oberfläche des neuartigen Coronavirus und wurde bereits früh als Zielpunkt einer Impfung identifiziert. Das Besondere an der mRNA-Impfung: Sie enthält nicht wie herkömmliche Vakzine ein komplettes Antigen, sondern lediglich die „Bauanleitung“ für Bruchstücke davon. Die Zellen im Körper geimpfter Menschen sollen die zugeführten genetischen Informationen nutzen, um die entsprechenden Bestandteile des Erregers zu produzieren. Diese sollen nach heutigem Wissensstand weder infektiös noch in anderer Hinsicht gefährlich sein. Die Körperabwehr soll die Virenbausteine als fremd erkennen und eine Immunantwort entwickeln. Die produzierten Antikörper sollen dann bei einer Konfrontation mit Sars-CoV-2 verhindern, dass die Eindringlinge sich vermehren.

Covid-19-Impfstoff: 83 Kandidaten laut WHO

Impfpflicht

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder würde in Deutschland eine generelle Impfpflicht gegen das Coronavirus befürworten. „Für eine Impfpflicht wäre ich sehr offen“, sagte der CSU-Chef am Donnerstag. Bis es einen Impfstoff gebe, könne es keine Entwarnung und damit auch keine Lockerungen ohne gleichzeitige Auflagen wie eine Maskenpflicht geben. (dpa)

Als Vorteil gilt unter anderem, dass sich mit dieser Technologie schnell viele Impfdosen produzieren lassen sollen. Auch gibt es die Theorie, dass sich diese genbasierten Impfstoffe relativ schnell an veränderte Erreger anpassen ließen, sollte das Coronavirus mutieren. Neben den beiden deutschen Unternehmen setzt auch die US-Firma Moderna aus Boston auf einen ähnlichen Impfstoff gegen Covid-19, hier gehen die klinischen Studien demnächst in die zweite Phase. An einem Impfstoff auf Basis von DNA statt RNA arbeitet das Konsortum OpenCorona unter der Leitung des schwedischen Karolinska-Instituts, auch die Universität Gießen wirkt mit.

Corona-Krise: Suche nach Impfstoff für Covid-19 auf vielen Wegen

Vektorviren-Impfstoff: Ein deutsches Forschungsteam um Gerd Sutter von der LMU München, Marylyn Addo von der Uniklinik Hamburg-Eppendorf und Stephan Becker von der Uni Marburg entwickelt einen Impfstoff, der ein Pockenvirus als Vektor nutzt. Das Team knüpft damit an seine Arbeit an einem Vakzin gegen die Lungenkrankheit Mers an, die von einem verwandten Erreger verursacht wird.

Das Prinzip: „In ein gut bekanntes Impfvirus bauen wir ein ungefährliches Stück Erbmaterial des neuartigen Coronavirus ein“, erklärt Virologe Sutter. Als Vektor dient ein Pocken-Impfstoff, der in Europa, den USA und Kanada zugelassen ist. Das eingefügte Material trägt die genetischen Informationen für das Spike-Protein, auf das auch der mRNA-Impfstoff zielt. Im Körper soll das mit Corona-Erbgut beladene Pockenvirus in Zellen eindringen, dort das Spike-Protein produzieren lassen und damit die Abwehrreaktion auslösen. 

Coronavirus und Covid-19: Wann ein Impfstoff zugelassen wird, ist offen

Ob das funktioniert wie gewünscht, muss sich in Studien zeigen. Vorteile dieses Verfahrens bestehen darin, dass die Nebenwirkungen des Pocken-Vakzins gut bekannt sind und die großtechnische Produktion für das Vektorsystem bereits etabliert ist. Der Mers-Impfstoff hat sich in ersten klinischen Tests als sicher erwiesen und auch eine Immunantwort ausgelöst, wie das Ärzteblatt am Dienstag berichtet hat. Außer dem deutschen Forscherteam arbeiten unter anderem Wissenschaftler eines biotechnologischen Instituts in China, die Universität Oxford sowie der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson an Vektoren-Impfstoffen gegen Covid-19. Das deutsche Start-up Prime Vector Technologies aus Tübingen setzt auf ein Baukastensystem mit dem Schafpocken-Virus als Vektor.

Welcher Impfstoff als erster gegen Covid-19 zugelassen werden könnte und wann, ist offen. Ungewiss ist auch, wie es gelingen kann, dass danach so schnell wie möglich ausreichende Impfdosen zur Verfügung stehen, um Menschen auf aller Welt Schutz zu bieten. Die internationale Impfallianz Gavi hat Regierungen und Gesundheitsorganisationen deshalb aufgerufen, einen fairen Zugang zu einem künftigen Impfstoff zu gewähren.

Von Pamela Dörhöfer

Zu möglichen Medikamenten gegen eine Infektion mit dem Coronavirus liegen erste Erkenntnisse vor – ein Malariamittel hat jedoch tödliche Nebenwirkungen.

Die Corona-Krise hat Folgen: Alternsforscher Hans-Werner Wahl warnt vor einer Diskriminierung älterer Menschen und den Folgen von sozialer Distanz.

Weltweit arbeiten Forscher mit Hochdruck an einem Impfstoff gegen das Coronavirus. Die aktuellen Informationen zur Entwicklung eines Impfstoffs im News-Ticker.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion