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Impfkampagne

Grünes Licht bei Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche - Das Angebot ist umstritten

  • Isabel Wetzel
    VonIsabel Wetzel
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  • Lukas Rogalla
    Lukas Rogalla
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Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern beschließen ein flächendeckendes Angebot von Corona-Impfungen für Jugendliche. Die Entscheidung ist umstritten.

  • Die Gesundheitsministerinnen und -minister beraten über das weitere Vorgehen in der Corona*-Krise.
  • Unter anderem geht es in Berlin darum, die Corona-Impfstoffe* auch für Kinder ab zwölf Jahren zuzulassen.
  • Alle Ergebnisse der Konferenz der Gesundheitsministerinnen und -minister in Berlin.

Update von Dienstag, 03.08.2021, 8.05 Uhr:  Die Entscheidung der Gesundheitsminister von Bund und Ländern, das Angebot von Corona-Impfungen für Kinder und Jugendliche auszuweiten, erntet Lob und Kritik. Der Deutsche Städtetag stellte sich hinter den Beschluss und schlug vor, mobile Impfteams in die Schulen zu schicken. Scharfe Kritik äußerte der Deutsche Hausärzteverband. Die Gesundheitsministerkonferenz hatte am Montag (02.08.2021) ein flächendeckendes Angebot von Corona-Impfungen für Mädchen und Jungen zwischen 12 und 17 Jahren beschlossen, obwohl die beim Robert Koch-Institut angesiedelte Ständige Impfkommission (Stiko) bislang keine generelle Empfehlung zu Impfungen in dieser Altersgruppe abgegeben hat.

Der Bundesvorsitzende des Verbandes, Ulrich Weigeldt, sprach von einer Missachtung der Kompetenz der Stiko. Die Entscheidung der Politik könne zu Verunsicherung führen. „Das Ganze klingt ein wenig nach Wahlkampfgetöse“, sagte Weigeldt dem Redaktions-Netzwerk Deutschland (RND) am Dienstag (03.08.2021) mit Blick auf die Bundestagswahl 2021*.

Impfungen für Kinder und Jugendliche umstritten: „Kein Druck“

Der Hauptgeschäftsführer des deutschen Städtetages, Helmut Dedy, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe stattdessen, den Kommunen sei es wichtig, mit den Impfungen den Präsenzunterricht in den Schulen abzusichern. „Kinder und Jugendliche brauchen nach den langen Strapazen der Pandemie endlich wieder das Miteinander in der Schule“, argumentierte er. Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach begrüßte die Beschlüsse der Gesundheitsminister und -ministerinnen. „Die Impfungen werden den Unterricht absichern und den Schutz der Jugendlichen verbessern“, sagte Lauterbach dem RND. Gleichzeitig dämpfte der Politiker aber auch die Hoffnung darauf, dass sich alle Schülerinnen und Schüler impfen lassen werden: „Es wird keine Herdenimmunität in Schulen geben. Dafür ist die Impfbereitschaft dann doch zu gering“.

Gesundheitsexperte Karl Lauterbach begrüßt die Entscheidung der Gesundheitsminister:innen zur Corona-Impfung für Jugendliche. Hoffnung auf eine Herdenimmunität in Schulen hat er allerdings nicht.

Spahn: Kein Druck auf Kinder und Jugendliche bei der Corona-Impfung

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) betonte, dass sich Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern weiterhin frei für oder gegen eine Impfung gegen Covid-19 entscheiden können. „Es geht ausdrücklich nicht darum, Druck zu machen“, sagte er am Dienstag im Inforadio des RBB. Wer jedoch geimpft werden will, solle die Möglichkeit dazu bekommen. Spahn sieht keinen Widerspruch zwischen der Entscheidung von Bund und Ländern sowie der wissenschaftlichen Empfehlung der Stiko.

Auch die Stiko halte die Impfungen auf Grundlage ärztlicher Aufklärung und dem Wunsch des einzelnen Jugendlichen entsprechend für möglich. Der Bundesgesundheitsminister stellte außerdem heraus, dass sich bereits mehr als 900.000 Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren gegen Corona hätten impfen lassen, was etwa 20 Prozent der Altersgruppe entspreche. Rund 60 Prozent sollen Schätzungen zufolge eine Impfung wollen.

„Stellvertreterdiskussion“: Hohe Impfquoten in Deutschland nicht über Kinder und Jugendliche erreichen

Der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens sagte dem Spiegel, er hoffe, dass die Kommission in den nächsten zehn Tagen eine überarbeitete Empfehlung vorlegt. Eine grundsätzliche Änderung könne er aber nicht versprechen.

Zu dem Beschluss der Gesundheitsminister äußerte sich der Stiko-Vorsitzende gelassen. „Das ist eine politische Entscheidung, es ist die Freiheit der Politik, so etwas im Sinne der allgemeinen Gesundheitsvorsorge anzubieten“, sagte Mertens. Zugleich sprach er von einer „Stellvertreterdiskussion“ über die Impfung von Kindern, „als sei das der einzige Weg, die Impfquote zu erhöhen“. Dabei sei eine hohe Impfquote von mehr als 75 Prozent bei den 18- bis 59-Jährigen „absolut entscheidend für den Verlauf der ‚vierten Welle‘“.

Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche: Grünes Licht der Minister:innen

Update von Montag, 02.08.2021, 18.22 Uhr: Am Montag beraten die Gesundheitsminister und -ministerinnen über die Frage, ob Kinder ab dem zwölften Lebensjahr geimpft werden sollen. Um 18.10 Uhr informierte dann Klaus Holetschek (CSU), Gesundheitsminister von Bayern, über die Ergebnisse des Austauschs.

Doch schon vorab sickert durch: Die Gesundheitsminister setzen sich offenbar über die Empfehlung der Stiko hinweg. Das berichtet die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf Teilnehmerkreise. Die Entscheidung über die schon vorab gefasste Beschlussvorlage sei einstimmig gefallen. Demnach soll allen Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren künftig eine Corona-Impfung angeboten werden.

Corona-Impfung: Auffrischung soll kommen – vor allem in Alten- und Pflegeheimen

Darüber hinaus sei laut Holetschek auch beschlossen worden, dass eine Auffrischungsimpfung angeboten werden soll: „Wir glauben, das ist im Sinne der gesundheitlichen Vorsorge sinnvoll und richtig“, sagte er. Gerade in Alten- und Pflegeheimen seien die Ausbrüche verheerend gewesen. Man wollte deshalb alles tun, um diese Gruppe besonders zu schützen.

Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche: Stiko kritisiert Pläne der Gesundheitsminister

Erstmeldung von Montag, 02.08.2021: Frankfurt/Berlin – In Berlin wird wieder beraten. Thema ist einmal mehr das Coronavirus. Heute kommen dort die Gesundheitsminister und -ministerinnen der 16 Bundesländer zusammen, um das weitere Vorgehen in der Impfkampagne abzustimmen. Im Fokus der Gespräche stehen sogenannte Auffrischungsimpfungen, also eine dritte Dosis, sowie mögliche Impfangebote für Kinder und Jugendliche.

Entsprechende Pläne sollen am Montag (2. August 2021) beschlossen werden, wie das ARD*-Hauptstadtstudio in Berlin berichtet. Die Politik würde damit die Ständige Impfkommission (Stiko) umgehen, die keine Empfehlung der Corona-Impfstoffe für Kinder und Jugendliche herausgegeben hat, sondern sie nur auf Risikofälle begrenzt.

Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche: Gesundheitsminister mit Vorstoß

Eine Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren ist schon seit geraumer Zeit ein heiß diskutiertes Thema. „Es ist genug Impfstoff für alle Altersgruppen da: Wer will, kann sich impfen lassen“, schrieb Bundesgesundheitsminister Jens Spahn* (CDU*) am Samstag bei Twitter. „900.000 der 12- bis 17-Jährigen sind geimpft, jeder 5. dieser Gruppe hat eine Erstimpfung erhalten.“

Gesundheitsminister Jens Spahn trifft sich mit seinen Kolleginnen und Kollegen aus den Bundesländern in Berlin. (Archivbild)

Doch es soll schneller gehen: „Es werden nunmehr alle Länder Impfungen für 12- bis 17-Jährige in den Impfzentren anbieten“, heißt es im Beschlussentwurf des Bundesgesundheitsministeriums. Dabei könnten auch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sowie Betriebsärztinnen und -ärzte, die Angehörige impften, eingebunden werden, berichtet die Tagesschau. Auch junge Erwachsene sollen von den Ländern „niedrigschwellige Angebote“, etwa in Schulen, Berufsschulen und Universitäten, erhalten. Dies könne „maßgeblich zu einem sichereren Start in den Lehr- und Lernbetrieb nach den Sommerferien beitragen“.

Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche: Stiko weiter zurückhaltend

Die Stiko hält nach wie vor an ihrer Einschätzung fest, dass es noch zu wenige Daten über mögliche Gesundheitsschäden nach Corona-Impfungen bei Kindern und Jugendlichen gebe. „Wir sagen, wir können nicht eine generelle Empfehlung aussprechen, solange wir diesbezüglich nicht die notwendige Datensicherheit haben“, hieß es von Thomas Mertens am Montag bei NDR Info. Der Stiko-Chef räumte ein, dass er und weitere Teile des Expertengremiums Druck verspüren würden, möglichst schnell zu einer Entscheidung zu kommen – dies habe allerdings keinen Einfluss: „Es kann durchaus sein, dass wir unsere Empfehlung ändern werden, aber sicher nicht, weil Politiker sich geäußert haben.“

Das Problem seien ohnehin „im Moment nicht so sehr die Kinderimpfungen“, fügte Mertens hinzu. Wichtiger sei, dass wir eine hohe Impfquote bei den 18- bis 59-Jährigen erreichen“. Davon werde der Verlauf der vierten Corona-Welle „alles entscheidend“ abhängen. „Die Impfung der Kinder ist zwar medienwirksam, aber aus epidemiologischer Sicht lange nicht so relevant“, erklärte der Stiko-Chef.

Die Stiko sieht Karl Lauterbach*, Gesundheitsexperte der SPD*, in Sachen Corona-Impfungen für Kinder und Jugendliche in einer „Außenseiterposition“. Sie hätten sich möglicherweise „ein bisschen zu früh festgelegt und verrannt“, sagte er im Deutschlandfunk. Eine „Durchseuchung“ mit der Delta-Variante sei viel gefährlicher als die Impfung. Allerdings verteidigte er die Stiko, die „ganz hervorragende Arbeit geleistet“ habe. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU*) sagte, dass man bei Impfangeboten für Kinder und Jugendliche „keine Zeit versäumen“ dürfe. Einen Widerspruch zur Stiko-Empfehlung sieht er nicht. Das Gremium habe die Möglichkeit bei ärztlicher Aufklärung eröffnet. „Nichts anderes machen wir.“

Corona: Gesundheitsminister beraten über Auffrischungsimpfung

In Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern beginnt am Montag (02.08.2021) wieder der Unterricht nach den Sommerferien, in Hamburg am Donnerstag (05.08.2021). Einige Bundesländer planen bereits Impfaktionen an Schulen. Dabei gab es Kritik von der FDP*. Ein Umgehen der Stiko-Empfehlung käme einer „Entmachtung“ gleich, wie Gesundheitspolitiker Andrew Ullmann gegenüber dem Tagesspiegel sagte.

In Deutschland haben etwa 62 Prozent der Bevölkerung eine Erstimpfung gegen das Coronavirus erhalten. Vollständig geimpft sind rund 52 Prozent. Bei unter 18-Jährigen hat jeder Zehnte einen vollständigen Impfschutz. Eine erste Impfung mit den Vakzinen von Moderna* oder Biontech/Pfizer*, die die Europäische Arzneimittelbehörde EMA in dieser Altersgruppe zulässt, haben etwa 20 Prozent erhalten.

Auch sogenannte Auffrischungsimpfungen sollen Thema der Gesundheitsministerkonferenz am Montag sein. Für entsprechende Gruppen wolle man eine dritte Impfdosis ab September vorschlagen, vor allem bei Immungeschwächten, Pflegebedürftigen und sehr Alten. Laut Entwurf sollen vermehrt mobile Impfteams unter anderem in Pflegeeinrichtungen geschickt werden, um eine dritte Moderna- oder Biontech-Dosis zu verabreichen. Dafür brauche es aber „klare und unbürokratische Vorgaben“, wie Bayerns Gesundheitsminister Holetschek betonte. (lrg/epd/dpa/afp) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Eduard Bopp/Imago

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