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Entscheidung über Biontech ab zwölf

Corona-Impfstoff für Kinder: Streit über geplante Kampagne von Jens Spahn

  • Tim Vincent Dicke
    VonTim Vincent Dicke
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Beim Corona-Impfgipfel bricht ein Streit um das Impfen von Kindern aus. Nicht alle sind zufrieden mit den Ergebnissen – die Debatte geht weiter.

Berlin – Bundeskanzlerin Angela Merkel* (CDU*) und die Ministerpräsident:innen haben sich am Donnerstag (27.05.2021) darauf verständigt, dass Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren bald eine Impfung gegen das Coronavirus* zur Verfügung gestellt wird. Sie können sich ab dem Ende der Priorisierung, also in der Regel ab dem 7. Juni, um einen Impftermin bei den niedergelassenen Ärzt:innen oder auch in den Impfzentren bemühen.

Kinder und Jugendliche sollen Corona-Impfstoff von Biontech erhalten

Verimpft werden soll ab zwölf Jahren der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer*. Die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) verkündet am Freitag (28.05.2021) ab 15 Uhr, ob sie den Corona-Impfstoff von Biontech für die Altersgruppe zwischen zwölf und 15 Jahren zulässt. Ursprünglich war die Zulassungsentscheidung erst für Juni erwartet worden, die EMA hatte das Verfahren jedoch beschleunigt.

Sollte das Vakzin grünes Licht bekommen, wäre es der erste Corona-Impfstoff für Kinder mit EU-Zulassung. Bislang darf der Biontech-Impfstoff ab einem Alter von 16 Jahren verabreicht werden. In den USA werden seit einigen Wochen Kinder mit dem Impfstoff geimpft* – erste Studien bescheinigen eine guten Schutz vor Covid-19.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Verwirrende Kommunikation: Keine neuen Corona-Impfkontingente für Kinder

Klar ist jedoch, dass sich nicht alle schnell gegen Corona impfen lassen können. Dies betonte auch Angela Merkel. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD*) sagte: „Wir haben dafür keine zusätzlichen Impfstoffe“. Gesonderte Impfdosen für die rund fünf Millionen große Altersgruppe wird es nicht geben, daher müssen die Vakzine ab dem Ende der Priorisierung offenbar umverteilt werden. Jens Spahn* hatte zuvor angedeutet, dass es eine groß angelegte Impfkampagne für Kinder geben werde – Impfstoff-Sonderkontigente kommen nun aber nicht. Beim Bund-Länder-Treffen sorgte das für Verwirrung und Streit.

News zur Corona-Krise

Alle Nachrichten und Hintergrundinformationen gibt es auf unserer Coronavirus-Themenseite*.

Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt Reiner Haseloff (CDU) kritisierte die Kommunikation der Bundesregierung in Bezug auf Corona-Impfungen für Kinder. „Es ist eine Erwartung geweckt worden, was nicht erfüllt werden kann“, sagte Haseloff in der ARD*. Jetzt müsse man ganz sachlich damit umgehen. Er wünsche sich zu diesem Thema keine Pressekonferenzen aus dem Bund mehr. Dies hänge „damit zusammen, dass wir klare Botschaften brauchen“.

Corona-Impfung für Kinder: Ärztepräsident warnt vor Druck auf Eltern

Ärztepräsident Klaus Reinhardt warnte nach dem Impfgipfel vor einem wachsendem politischem und gesellschaftlichem Druck auf Eltern, ihre Kinder impfen zu lassen. „Die Datenlage zu Risiken und Nutzen einer möglichen Corona-Impfung bei Kindern und Jugendlichen ist derzeit noch so unzureichend, dass man keine Empfehlung abgeben kann“, so Reinhardt gegenüber der „Rheinischen Post“.

„Deshalb ist es richtig, dass die Ständige Impfkommission mit Bedacht analysiert, wie groß die Gefährdung der Kinder durch Sars-CoV-2 tatsächlich ist. Es sollte jetzt auch kein politischer und gesellschaftlicher Druck ausgeübt werden, Eltern zur Impfung ihrer Kinder zu drängen“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer. Insofern sei auch die Klarstellung von Bund und Ländern wichtig, dass ein sicherer Schulbetrieb unabhängig davon gewährleistet wird, wie viele Schüler:innen ein Impfangebot wahrnehmen.

Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, meint, Eltern dürften nicht zur Corona-Impfung der Kinder gedrängt werden.

„Schon gar nicht darf die Teilnahme am Präsenzunterricht von einer Impfung abhängig gemacht werden. Dies wäre nichts anderes als eine Corona-Impfpflicht durch die Hintertür“, warnte Reinhardt. Er forderte Bund und Länder eindringlich auf, den Arztpraxen genügend Impfstoff bereitzustellen.

Stiko pocht bei Corona-Impfung für Kinder auf Unabhängigkeit der Kommission

Stiko-Mitglied Martin Terhardt unterstrich im Bayerischen Rundfunk in der Debatte die Unabhängigkeit der Ständigen Impfkommission. „Wir sind ein unabhängiges wissenschaftliches Gremium, wir haben eine Satzung und eine Geschäftsordnung, die uns einer bestimmten Methodik verpflichten“, sagte Terhardt. Er fügte hinzu: „Und das werden wir so machen, wie wir das sonst auch machen: Eben nach wissenschaftlichen Kriterien entscheiden und nicht nach politischen – oder uns auch nicht auf irgendeinen Druck beeinflussen lassen.“

Terhardt verwies darauf, dass die Kommission die besonderen Risiken der Corona-Impfung von Kindern ab zwölf Jahren noch nicht genau kenne. Man neige deshalb zur Zurückhaltung. Die Stiko sei mit ihrer Bewertung noch nicht fertig und noch mitten dabei. „Da müssen wir noch auf Daten aus den USA warten, wo der Impfstoff (von Biontech) ja schon angewendet wird. Die werden aber sicherlich erst in einigen Monaten vorliegen.“ (Tim Vincent Dicke mit epd/dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld

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