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Impfreihenfolge

Corona: Bürgermeister und Stadträte verstoßen gegen Reihenfolge – und lassen sich impfen

  • Friederike Meier
    vonFriederike Meier
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Obwohl bei der Corona-Impfung eigentlich Menschen über 80 Jahre und medizinisches Personal Vorrang haben, wurden schon zahlreiche Landräte, Bürgermeister:innen und Polizist:innen geimpft.


  • Eigentlich sollen zunächst Menschen über 80 den Corona-Impfstoff bekommen. In mindestens neun Bundesländern wurde jedoch gegen die Reihenfolge verstoßen.
  • Vor allem Politiker:innen ließen sich außerhalb der Reihenfolge gegen das Coronavirus impfen.
  • Die Begründung: Am Abend war noch Impfstoff übrig.

Berlin – In mindestens neun Bundesländern sind Menschen gegen das Coronavirus geimpft worden, die eigentlich noch nicht an der Reihe waren. Das ist das Ergebnis einer Recherche der Deutschen Presse-Agentur. Dabei kamen etwa Kommunalpolitiker, Geistliche sowie Feuerwehrleute und Polizisten zum Zuge, obwohl sie nicht der ersten Prioritätsgruppe für die Impfung angehören.

Eigentlich sollen laut der Impfreihenfolge der Bundesregierung zuerst Menschen über 80 gegen das Coronavirus geimpft werden, sowie Pflegepersonal in Seniorenheimen oder medizinisches Personal in Krankenhäusern und Mitarbeitende in Impfzentren. Polizist:innen, die zum Beispiel auf Demonstrationen ein hohes Ansteckungsrisiko haben, gehören eigentlich zur zweiten Gruppe.

Impfung gegen Corona gegen die Reihenfolge

In den meisten Fällen war die Begründung für die vorgezogene Impfung, dass man übrig gebliebene Impfdosen am Ende des Tages nicht habe verschwenden wollen. Nachdem der Corona-Impfstoff aufbereitet und verdünnt wurde, ist er nur noch wenige Stunden haltbar. Wenn Menschen ihren Impftermin absagen, können deshalb am Ende es Tages Impfdosen übrig bleiben. Wer diesen Impfstoff bekommen darf, ist nicht geregelt.

Zahlreiche Politiker und Landräte haben gegen die Impfreihenfolge verstoßen. (Symbolbild)

Im Sachsen-anhaltischen Halle versuchte man laut Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos), diese übrig gebliebenen Impfstoff-Dosen zunächst an weitere Angehörige der ersten Prioritätsstufe zu vermitteln. Wenn die nicht erreicht wurden, habe ein „Zufallsgenerator“ Nachrücker ermittelt, so auch ihn und zehn Stadträte. Der Landrat des Landkreises Wittenberg ließ sich ebenfalls schon impfen, ebenso wie seinen Stellvertreter.

Impfung gegen Coronavirus: Viele Bürgermeister schon geimpft

In Nordrhein-Westfalen waren schon im Januar mehrere Fälle von Kommunalpolitikern bekannt geworden, die deutlich früher als vorgesehen geimpft wurden. Unter anderem hatte sich der 31 Jahre alte Bürgermeister von Hennef, Mario Dahm (SPD), mit einer übrig gebliebenen Dosis gegen das Coronavirus impfen lassen. Ebenfalls schon geimpft ist der Bürgermeister von Wachtberg, Jörg Schmidt (CDU). Auch der ehemalige Hennefer Bürgermeister Klaus Pipke wurde bereits geimpft.

Ähnliche Fälle wurden aus den Bundesländern Bayern, Brandenburg und Niedersachsen bekannt. In Rheinland-Pfalz gingen übrig gebliebene Impfdosen an die Feuerwehr, in Hamburg an die Feuerwehr und die Polizei.

Impfung gegen Coronavirus: Es geht auch anders

Andere Bundesländer zeigen hingegen, wie es besser geht. So gehen übrige Impfdosen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg an Rettungsdienste und das Impfpersonal, manche Impfzentren hätten außerdem Listen mit kurzfristig erreichbaren Kandidaten der ersten Prioritätsgruppe angelegt, sagte ein Sprecher des Sozialministeriums. In Ulm würden hingegen nur 90 Prozent der eingeplanten Dosen vorbereitet. Der Rest werde dann nur auf Bestellung gefertigt. Auch Schleswig-Holstein verweist auf solche Wartelisten.

In Bremen springen für Impfreste derzeit Mitarbeiter von Rettungsdiensten ein. Ärger gab es dort nach Presseberichten Ende Januar aber in der Belegschaft eines großen Krankenhauses. Wie der „Weser-Kurier“ berichtete, sind am St. Joseph-Stift in Bremen drei Mitglieder der Geschäftsführung geimpft worden, während noch nicht alle Ärzt:innen und Pfleger:innen eine Impfung gegen das Coronavirus erhalten hatten. Dies wurde im Nachhinein damit begründet, dass im Fall einer weiteren Corona-Welle mit Mutanten die Führung des Krankenhauses sichergestellt werden soll.

Impfung gegen das Coronavirus außerhalb der Reihe: Strafen gefordert

Währenddessen wird Kritik an diesem Vorgehen laut: Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert, Vordrängler:innen zu bestrafen: „Immer wieder werden Fälle bekannt, dass sich Menschen unberechtigt impfen lassen“, sagte Vorstand Eugen Brysch gegenüber der „Tagesschau“. Die Impfstoffverordnung ziele eigentlich auf eine gerechte Zuteilung des Impfstoffes ab - „deshalb ist es unverständlich, dass Jens Spahn bis heute keine Sanktionen für unberechtigte Impfungen in seiner Verordnung vorsieht“. Dies werde nicht einmal als Ordnungswidrigkeit eingestuft, kritisierte Brysch.

Bisher wurden laut dem Corona-Impfungs-Dashboard der Bundesregierung in Deutschland etwas über 3,6 Millionen Impfdosen gegen das Coronavirus verabreicht. Bis die gesamte Bevölkerung durchgeimpft ist, dürfte es allerdings noch eine Weile dauern. Die Bundesregierung plant, bis Ende des Sommers allen Menschen in Deutschland „ein Impfangebot“ zu machen. (Friederike Meier/dpa)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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