Corona in Russland

Wettlauf um Corona-Impfstoff: Russland will schon bald produzieren

  • Stefan Scholl
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In Russland wird ein Impfstoff gegen Covid-19 bereits an Freiwilligen getestet. Noch dieses Jahr soll die Produktion des Präparats beginnen. Einige Wissenschaftler sind jedoch skeptisch.

  • Zahlreiche Freiwillige melden sich in Russland, um den Corona-Impfstoff zu testen
  • Noch diesen September will Russland mit der Produktion eines Impfpräparates beginnen
  • Wissenschaftler gehen nicht davon aus, dass es noch dieses Jahr einen Impfstoff gegen Corona geben wird

Die Freiwilligen kämen aus allen Ecken Russlands. „Ganze Einheiten haben sich gemeldet“, meldete der Armee-Fernsehsender Swesda stolz, „um an einer Untersuchung teilzunehmen, die ohne Zweifel in die Geschichte eingehen wird.“ Anfang Juni begaben sich in einem Moskauer Militärhospital 50 Soldaten und eine Gruppe freiwilliger Zivilisten in Quarantäne. An ihnen will man einen Covid-19-Impfstoff testen, den das Epidemie-Forschungszentrum Gamalei des russischen Gesundheitsministeriums gemeinsam mit Militärmedizinern entwickelt hat.

Russische Forscher haben den Corona-Impfstoff an sich selbst getestet

Alexander Ginzburg, Direktor des Zentrums, hatte Mitte Mai verkündete, Forscher seines Instituts hätten den Impfstoff erfolgreich an sich selbst erprobt. Man habe Corona-Immunität ohne Nebenwirkungen erzielt. „Alle leben, sind gesund und freuen sich.“

Auch russische Amtsträger feiern den vaterländischen Sieg im Wettlauf um die Entwicklung einer Impfsubstanz gegen den Corona-Virus. Vizepremierministerin Tatjana Golikowa kündigte am Wochenende an, man wolle das Präparat im August registrieren und seine industrielle Produktion im September beginnen. Zwei weitere Corona-Vakzinen seien in den Staatsinstituten „Vektor“ und „FMBA“ entwickelt worden, das „Vektor“-Mittel könne ebenfalls im September in die Produktion gehen, der FMBA-Impfstoff im Dezember.

Impfstoff gegen Corona: Experten bezweifeln Rekordtempo

Die russische Forschung scheint Wladimir Putins ausdrücklichen Wunsch vom Mai, bis September müsse man den ersten vaterländischen Impfstoff staatlich registrieren können, mehr als übererfüllt zu haben. Allerdings haben die klinischen Tests der Moskauer Impfstoffe noch gar nicht begonnen. Und auch russische Experten haben ihre Zweifel an dem offiziell verkündeten Rekordtempo.

Der klinischen Testphase müssten zwei weitere postklinische Phasen folgen. Selbst wenn man diese zusammenlegte, würden sie noch Monate in Anspruch nehmen, sagt Anatoli Altschejn, selbst Professor am Gamalei-Zentrum, dem Radiosender Kommersant-FM. Er rechnet erst zum Jahresende mit den ersten einsatzfähigen Impfdosen. Mehrere andere Moskauer Epidemiologen glauben nicht, ein sicherer und effektiver Wirkstoff werde vor 2021 in Produktion gehen.

Michail Palzew, Direktor des Moskauer Zentrums für Immunologie und molekulare Biomedizin, befürchtet gar, die meisten Impfstoffe, die jetzt in der Entwicklung seien, blieben gegen den mutierenden Virus ohne große Wirkung.

Noch immer ist nicht absehbar, wann genau es einen Corona-Impfstoff geben wird. Der Druck auf die Forschung wächst – In Deutschland sind allein acht Einrichtungen auf der Suche nach einem Impfstoff. Eine Petition fordert jetzt: Forschungsergebnisse zu Corona-Impfstoffen sollen frei verfügbar sein.

In der Corona-Krise ist die Hoffnung groß, dass bald ein Impfstoff gefunden wird. Nun beteiligt sich der deutsche Staat an einer Firma, die daran arbeitet. Hier kommen Sie zum News-Ticker.

Der "Impfstoff-König von Indien" will in spätestens zwei Wochen mit der Herstellung eines Impfstoffs beginnen.

Rubriklistenbild: © Kirill Kudrvavtsevk/ afp

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