Des britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca könnte für seinen Corona-Impfstoff noch in diesem Jahr eine Zulassung beantragen.
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Des britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca könnte für seinen Corona-Impfstoff noch in diesem Jahr eine Zulassung beantragen.

„Spionagekrieg“

Rennen um Corona-Impfstoff: Chinesische und russische Spione schalten sich ein

  • vonSebastian Richter
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Zwischen wichtigen Akteuren der Weltpolitik entwickelt sich ein „Spionagekrieg“. China, Russland und der Iran intensivieren die Bemühungen ihrer Geheimdienste, im Wettlauf um einen Impfstoff einen Vorsprung zu erreichen.

  • Sowohl chinesische, russische als auch iranische Geheimdienste sollen versuchen, an Forschungsergebnisse zum Corona-Impfstoff zu gelangen.
  • Experten vergleichen die Situation der Geheimdienste mit dem Kalten Krieg und dem „Wettlauf ins All“.
  • Die USA bekräftigen, sich nur in der Spionageabwehr zu betätigen, ohne selbst aktiv zu werden.

Washington - Die ganze Welt ist auf der Suche nach einem Corona-Impfstoff. Dabei scheint sich der Wettlauf zu einem Kalten Krieg zu entwickeln. Das zumindest berichtet die „New York Times“. Demnach sollen chinesische Geheimdienste in letzter Zeit versucht haben, Daten zu Forschungsfortschritten von verschiedenen Einrichtungen zu stehlen. Angriffe richteten sich nicht nur gegen staatliche Ziele, sondern auch gegen Forschungseinrichtungen, die sich innovativ und intensiv mit diesem Bereich beschäftigen.

Unter anderem soll die Universität von North Carolina Ziel der Cyberangriffe gewesen sein. Gerade Universitäten lägen im Fokus der chinesischen Geheimdienste, da sie die Sicherheitsvorkehrungen dort als weniger stark einschätzen. Aber auch Informationen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollen China in die Hände gefallen sein. China soll so frühzeitig erfahren haben, welcher Impfstoff der WHO momentan am vielversprechendsten erscheint.

Russlands Geheimdienst SWR dagegen soll seine Spionageattacken nicht nur auf die USA beschränken, sondern sich auch kanadische und britische Forschungszentren zum Ziel nehmen. Vor allem auf die Universität von Oxford und ihren pharmazeutischen Partner, AstraZeneca, sollen sich die Angriffe konzentrieren. AstraZeneca gab erst vor kurzem die Erklärung ab, einen Impfstoff für rund 2,50 Euro anbieten zu können.

Spionageattacken gegen Forschungszentren: Geheimdienste rüsten auf

Zum ersten Mal entdeckt wurden die Angriffe durch einen britischen Geheimdienst, der internationale Glasfaserleitungen überwachte. Laut der „New York Times“ sollen die USA als Reaktion auf die zunehmenden Angriffe ihre eigenen Anstrengungen vergrößert haben, die Spionageaktionen der politischen Gegner zu erkennen und ihre Verteidigung gegen Angriffe zu verbessern. Dass Spionageangriffe möglich sind, sei schon länger klar. „Es wäre nicht überraschend, wenn jemand versuchen würde, die wertvollste biomedizinische Forschung zu stehlen, die momentan stattfindet“, so der hochrangige Justizbeamte John C. Demers im Juli. Weiter sagte Demers, ein Impfstoff sei nicht nur aus finanzieller, sondern auch aus geopolitischer Sicht von unschätzbarem Wert.

Während offizielle Stellen der USA behaupten, die Vereinigten Staaten würden nur eine defensive Rolle spielen, verweist die „New York Times“ auf aktuell tätige und ehemalige Geheimdienstbeamte. Diese erklären, dass die Realität nicht so schwarz und weiß sein könne. Beim Versuch der amerikanischen Geheimdienste, herauszufinden, welche Informationen von wem gestohlen wurden, könnten sie auch auf die Forschungsergebnisse der anderen Länder stoßen - und sie sammeln.

Corona-Impfstoff: Forschung wird zum Ziel von Spionageangriffen

Es soll sich ein „neues großes Spiel von Spionen gegen Spione“ entwickelt haben, das an den Kalten Krieg erinnert. Geheimdienste aus Ost und West spionierten sich damals beim „Wettlauf ins All“ gegenseitig aus und versuchten, wissenschaftliche Meilensteine in der Weltraumforschung des politischen Gegners zu stehlen. Heute sind Forschungsergebnisse im Wettlauf um den Impfstoff gegen Corona das Ziel. „Jeder große Spionagedienst rund um den Globus versucht herauszufinden, was alle anderen vorhaben“, fasst die „New York Times“ die Situation zusammen.

Grundsätzlich scheint es möglich, dass die Spionageattacken der Forschung schaden. So könnten Hacker unabsichtlich - oder auch absichtlich - die Daten der Forschungssysteme beschädigen. Zudem sollen sowohl Russland als auch China bereits Falschinformationen über das Coronavirus verbreitet haben, um das gegnerische System zu schwächen. Man erwarte, dass Russland versuchen werde, gezielt Falschinformationen zu jedem Impfstoff zu verbreiten, der im Westen genehmigt wird. (spr)

Bis es einen Impfstoff gibt, wollen Forscher in Costa Rica die Zeit mit Antikörpern überbrücken. Dazu forschen sie an Corona-Antikörpern von Pferden. Jetzt sollen Menschen die Pferde-Antikörper gespritzt bekommen.

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