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Corona-Impfstoffe

„Jeder Tag zählt“ – Söder fordert flexiblere Impfreihenfolge

  • Ines Alberti
    VonInes Alberti
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Der Impfstoff von Astrazeneca genießt in Deutschland keine hohe Akzeptanz und bleibt liegen. CSU-Chef Markus Söder will deshalb die Impfreihenfolge lockern.

  • Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) wäre bereit, die Impfreihenfolge zu lockern.
  • So könnte mehr Astrazeneca-Impfstoff verimpft werden, von dem derzeit zahlreiche Dosen auf Halde liegen.
  • Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sinniert über eine Corona-Impfpflicht.

Frankfurt/Berlin – Für den Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers AstraZeneca ist die Akzeptanz in der Bevölkerung stark gesunken. Erst sollte er weniger wirksam sein als das Pendant von Biontech/Pfizer, dann nur unter 65-Jährigen geimpft werden und jetzt wird über stärkere Nebenwirkungen als bei anderen Vakzinen geklagt. Deshalb wollen viele Menschen, die jetzt in der Impffolge dran wären und das Präparat bekommen sollen, kein Astrazeneca-Mittel injiziert bekommen. Somit sind hunderttausende Impfdosen des Herstellers in Deutschland auf Halde.

Gleichzeitig geht es mit dem Impfen nicht gerade schnell voran. Deshalb hat sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) jetzt dafür ausgesprochen, bei Bedarf die Impfreihenfolge zu flexibilisieren. Laut übereinstimmenden Medienberichten schlug er vor, hunderttausende ungenutzte Dosen aus den Depots der Bundesländer zur Impfung für alle freizugeben. Söder sagte der „Bild am Sonntag“: „Bevor er liegen bleibt: impfen, wer will. Es darf keine Dose von AstraZeneca übrig bleiben oder weggeschmissen werden.“ Denn jeder Geimpfte schütze sich und andere, so der bayerische Ministerpräsident.

Corona-Impfstoff von Astrazeneca auf Halde: „Strenges Regiment auflockern“

Deutschland müsse beim Impfen Tempo machen, verlangte Söder: „Jeder Tag zählt.“ Es könne nicht sein, dass einerseits zu wenig Impfstoff vorhanden sei, aber andererseits AstraZeneca-Vakzin „in hohen Zahlen nicht verimpft wird“. Der bayerische Regierungschef strebt daher keinen Alleingang des Freistaates, sondern eine bundesweite Regelung, an, für das AstraZeneca-Vakzin die Impfreihenfolge zu lockern. Zudem solle der Impfstoff auch durch Hausärzte verabreicht werden können.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). (Archivftoo)

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sprach sich ebenfalls dafür aus, den Zugang zu Impfstoff für alle Bevölkerungsgruppen zu öffnen, solange einige Vakzine auf Vorbehalte stoßen. „Die Priorisierung ist unbedingt wichtig - zumindest, solange der Impfstoff noch Mangelware ist. Zugleich können wir es uns nicht leisten, dass Impfstoff herumsteht und nicht verimpft wird, weil Teile der Berechtigten ihn ablehnen. Dann müssen wir dieses strenge Regiment auflockern und Menschen impfen, die nach der Priorisierung noch nicht an der Reihe wären“, sagte Kretschmann der „Welt am Sonntag“.

Lauterbach: Astrazeneca auch bei über 65-Jährigen sofort einsetzen

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt das Mittel bisher nur für Menschen unter 65 Jahren, hat aber angekündigt, ihre Empfehlung rasch zu ändern. SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach sagte den Zeitungen der „Funke Mediengruppe“, dass das Präparat von Astrazeneca solle auch bei über 65-Jährigen „sofort eingesetzt werden dürfen“. Darüber hinaus forderte der Epidemiologe, der Abstand zwischen erster und zweiter Impfung solle „bei allen Impfstoffen innerhalb der Zulassung so weit gestreckt werden wie möglich“. Mit möglichst vielen Erstimpfungen gelinge es, Menschen vor schwerer Krankheit und Tod zu bewahren.

In Deutschland misstrauen viele Menschen dem Impfstoff von Astrazeneca. (Symbolfoto)

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) forderte ebenfalls eine Aufhebung der Priorisierung bei Astrazeneca. „Die Priorisierung ist ein Mittel der Mangelverwaltung“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Jetzt sehen wir, dass mehr davon vorhanden ist, als kurzfristig verimpft werden kann.“ Mit der Öffnung ließen sich schnell Fortschritte erzielen. Perspektivisch könnten auch die Hausärzte die Patienten aufklären und Vertrauen in den Impfstoff schaffen. Kretschmer schloss zugleich eine Impfpflicht für die Zukunft nicht aus.

Zwar sei jetzt „der falsche Zeitpunkt für diese Debatte“. In einigen Monaten will er seine Position aber überdenken. „Reden wir mal Ende des Sommers darüber.“ Möglicherweise stelle sich diese Frage dann neu. „Wenn sechzig, siebzig Prozent geimpft sind, dann kann man noch mal über die Impfpflicht reden.“ (ial/AFP)

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

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