Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Ohne „Green Pass“ nicht ins Museum: Besucherinnen und Besucher vor den Vatikanischen Museen in Rom.
+
Ohne „Green Pass“ nicht ins Museum: Besucherinnen und Besucher vor den Vatikanischen Museen in Rom.

Pandemie

Corona: Impffreudiges Italien

  • VonDominik Straub
    schließen

In Italien sind fast 80 Prozent der Menschen über zwölf Jahren bereits vollständig geimpft. Dahinter steckt auch der „Draghi-Effekt“.

Mario Draghi ist ein Mann, der wenig redet. Aber wenn er es tut, dann verfehlen seine Worte ihre Wirkung meist nicht. Legendär ist sein Satz von 2012 während der Eurokrise. Die Europäische Zentralbank (EZB), erklärte Draghi als deren damaliger Präsident, sei bereit, „alles Notwendige zu tun, um den Euro zu erhalten“. Die bloße Erwähnung der fast unbeschränkten monetären Feuerkraft der EZB hatte ausgereicht, die Spekulationswelle einzudämmen und den Euro zu stabilisieren.

Heute, als Präsident des Ministerrats von Italien, sagt Draghi in der Covid-Krise Sätze wie diesen: „Wer dazu aufruft, sich nicht zu impfen, der ruft dazu auf, zu sterben – oder andere sterben zu lassen.“ Die deutlichen Worte des italienischen Premiers waren an die Impfgegner im Allgemeinen und an Matteo Salvini im Besonderen gerichtet: Der Chef der rechtspopulistischen Lega flirtet offen mit den „No Vax“, der italienischen Bewegung der Impfgegner, und er hatte sich zunächst auch dagegen ausgesprochen, dass man in Italien ab dem 15. Oktober nur noch zur Arbeit wird gehen können, wenn man den sogenannten Green Pass vorweisen kann.

Italien: Zahl der Impfungen schießt in die Höhe

Dieses Zertifikat erhält, wer mindestens einmal geimpft oder genesen oder negativ getestet ist (3G-Regel). Die Ankündigung, die Green-Pass-Pflicht auf die Arbeit auszuweiten, hat bewirkt, dass in der vergangenen Woche die Zahl der Impfungen wieder in die Höhe schoss – ein neuer „Draghi-Effekt“, wie einst im Sommer 2012. In Italien haben inzwischen 83,3 Prozent der Personen über zwölf Jahre mindestens eine Dosis erhalten; 77,6 Prozent haben den Impfzyklus abgeschlossen. Damit steht Italien deutlich besser da als die meisten europäischen Länder.

Bis Mitte Oktober will Draghi eine Durchimpfung von 90 Prozent der über zwölfjährigen Bevölkerung erreichen – und damit praktisch Herdenimmunität. Das Ziel scheint erreichbar zu sein – auch wenn die Impfkampagne trotz „Draghi-Effekts“ insgesamt etwas an Schwung verloren hat. Das liegt aber nur daran, dass es in Italien kaum noch Ungeimpfte gibt, die man medizinisch gesehen noch immunisieren kann.

Bergamo: Die vielen Toten haben die Impfbereitschaft steigen lassen

Die schon heute sehr hohe Impfquote ist auch ein Verdienst von Armeegeneral Francesco Paolo Figliuolo, den Draghi im März zum Covid-Sonderkommissar ernannte hatte und der das Impfprogramm mit militärischer Disziplin und Logistik durchzieht. Sie widerspiegelt aber auch die psychologische Verfassung des Landes: Italien war im Frühling 2020 als erstes westliches Industrieland äußerst brutal von der ersten Covid-Welle erfasst worden – die Bilder der überlasteten Intensivstationen und der Militärfahrzeuge, die in nächtlichen Kolonnen die Särge der Verstorbenen aus dem Spital von Bergamo abtransportierten, sind immer noch präsent.

Die Impfbereitschaft in Italien ist deutlich höher als in den meisten europäischen Ländern: 90 Prozent der Italienerinnen und Italiener hatten schon im Sommer angegeben, sich impfen lassen zu wollen. Der wichtigste Grund für die hohe Impfquote ist aber zweifellos die Unbeirrbarkeit und Autorität, mit der Draghi die Impfkampagne vorantreibt. Die Regeln für die Arbeitsplätze sind strikter als in allen anderen Ländern der EU: Wer ab dem 15. Oktober ohne Zertifikat zur Arbeit erscheint, wird umgehend wieder nach Hause geschickt und die Lohnzahlung wird eingestellt.

Draghi: Mut zu unpopulären Schritten

Eine so weit gefasste Green-Pass-Pflicht kommt natürlich einer verkappten Impfpflicht gleich, zumal die Corona-Tests in Italien kostenpflichtig sind und alle drei Tage wiederholt werden müssen. Draghi kümmert dies wenig: „Bestimmte Dinge müssen getan werden, auch wenn sie unpopulär sind“, sagt der Regierungschef.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare