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Gastronomen sprechen sich für eine Zulassung teils verbotener Heizpilze aus, um in der Corona-Krise auch im Herbst und Winter Gäste im Freien bewirten zu können.

Corona-Krise

Abstriche beim Umweltschutz: Gastro-Verband will Heizpilz-Verbot aussetzen

  • Ines Alberti
    vonInes Alberti
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Deutsche Gastronomen wollen teils verbotene Heizpilze einsetzen, um in der Corona-Zeit auch im Herbst und Winter Gäste im Freien bewirten zu können.

  • Gastronomen plädieren für die Zulassung teils verbotener Heizpilze.
  • Sie wollen wegen der Corona-Maßnahmen auch im Herbst und Winter Gäste draußen bewirten.
  • Die Heizpilze sind umweltpolitisch umstritten, doch auch die Grünen sind dafür.

Berlin - Ausreichend Platz und viel frische Luft - das ist in der Corona-Krise das Gebot der Stunde in der Gastronomie. Viele Restaurants und Bars haben ihre Sitzmöglichkeiten nach außen verlagert oder Außenbereiche erweitert, um trotz Einschränkungen viele Gäste bedienen zu können. Was im Sommer angenehm sein mag, wird mit dem Herbst zum Problem: Wird es kalt und nass, möchten die wenigsten draußen sitzen. Deutsche Gastronomen fordern deshalb die bundesweite Zulassung der teils verbotenen Heizpilze, um im Herbst und Winter mehr Gäste im Freien bedienen zu können.

Corona-Krise: Verbot von Heizpilzen soll im Herbst und Winter ausgesetzt werden

„Die Kommunen, die derzeit ein Verbot von Heizpilzen haben, sollten es in diesem Herbst und Winter aussetzen“, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Ingrid Hartges, dem „Tagesspiegel“. Wirte, die keine andere Möglichkeit hätten, sollten in diesem Winter Gas-Heizpilze und Elektro-Wärmestrahler verwenden dürfen. So könnten Wirte ihre Gäste dann auch im Herbst und Winter draußen platzieren und den nötigen Abstand gewähren.

Vielerorts sind die sogenannten Heizpilze aus Umweltschutzgründen verboten. Die Strahler haben einen hohen Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxd. Der tourismuspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, Marcel Kling, sagte dem „Tagesspiegel“ dazu: „Heizpilze sind umweltpolitisch problematisch, einen verantwortlichen Einsatz in diesem Ausnahmejahr 2020 sollten wir aber zulassen.“

Trotz Gefahr für die Umwelt: Auch Grüne sprechen sich für Zulassung von Heizpilzen aus

Auch der tourismuspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Paul Lehrieder (CSU), äußerte Zuspruch: „Anders als in geschlossenen Räumen ist die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung des Virus durch Aerosole an der frischen Luft gering“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Angesichts der dramatischen Umsatzeinbrüche im Gastro-Bereich der vergangenen Wochen und Monate sei eine temporäre Aussetzung des Heizpilzverbots sinnvoll. „In dieser Ausnahmesituation stehen für mich das Gesundheitsinteresse der Gäste und die Existenzsicherung der Gastronomen im Vordergrund.“

Selbst der Bundestagsfraktionschef der Grünen hält eine Ausnahme für vertretbar: „Aus klima- und umweltpolitischen Gründen lehnen wir in Zeiten, in denen man im Restaurant oder Café im Winter ganz normal drinnen sitzen kann, den Betrieb von Heizpilzen im Außenbereich ab“, sagte Anton Hofreiter der Deutschen Presse-Agentur. „In diesem Winter ist das alles anders und daher wäre ich in dieser speziellen Ausnahmesituation und mit Blick auf den Gesundheitsschutz dafür, Verbote zeitlich befristet auszusetzen.“

Heizpilze für Gastronomie im Freien: Umweltschützer sind empört über Dehoga-Vorschlag

Zu prüfen bleibe aber, welche Heiztechnik die geeignetste ist, sagte Hofreiter. „Natürlich wäre wünschenswert, dass primär andere Optionen wie Überdachungen, Zelte und Decken zum Zuge kommen.“ Grundsätzlich entschieden die Kommunen vor Ort über den Umgang mit Heizpilzen.

Doch so gelassen wie Kling und Hofreiter sieht es nicht jeder: Markus Tressel, Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion für Tourismuspolitik, bezeichnete die Forderung als „nicht zielführend“. „Man sollte nicht damit anfangen, die Einhaltung etablierter Umweltstandards quasi an die Kassenlage zu koppeln“, sagte Tressel dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Außerdem glaube ich nicht daran, dass es - selbst mit Heizpilzen - möglich sein wird, im späten Herbst und Winter signifikante Teile des Gastrogeschäftes in den Außenbereich zu verlagern.“

Finanzielle Unterstützung statt Heizpilze für die Gastronomie

Auch Umweltschützer vom BUND und Greenpeace reagierten empört auf den Vorschlag des Dehoga. Heizpilze seien eine „Klimasauerei“, sagte BUND-Energieexpertin Irmela Colaço. Ein einziger Heizpilz könne in einer Saison so viel Kohlendioxid produzieren wie ein Kleinwagen im Jahr. Eine „Heizung, die auf der Straße steht und die Luft beheizt, ist der ineffizienteste Einsatz von Energie“. Gäste von Restaurants und Kneipen, die draußen sitzen möchten, sollten sich lieber eine Decke umlegen.

Die Greenpeace-Klimaexpertin Lisa Göldner spottete gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Wenn Gastronomen fordern, die Saison durch Heizpilze auszudehnen, klingt das so, als würden die Küstenregionen verlangen, mit Tauchsiedern die Badesaison an Nord- und Ostsee zu verlängern.“

BUND-Expertin Colaço und Grünen-Politiker Tressel sehen vielmehr die Bundesregierung in der Pflicht, die Gastronomie stärker als bisher finanziell zu unterstützen. (ial mit dpa und AFP)

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