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Großbritannien

Gartenparty trotz Lockdown: Boris Johnson gibt alles zu - Opposition fordert Anstand und Rücktritt

  • Stefan Krieger
    VonStefan Krieger
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Der britische Premierminister Boris Johnson sieht Vorwürfen ausgesetzt, gegen den Lockdown im Jahr 2020 verstoßen zu haben. Jetzt gibt er die Teilnahme an einer Party zu.

+++ 13.30 Uhr: Boris Johnson hat in einer Fragestunde des britischen Parlaments zugegeben, auf einer Party im Regierungssitz im Mai 2020 teilgenommen zu haben – während des ersten britischen Lockdowns, in dem solche Veranstaltungen verboten waren.

Der britische Premier sagte im Parlament nach Angaben der BBC, dass er 25 Minuten lang auf der Veranstaltung war. Johnson entschuldigte sich „aufrichtig“, schränkte aber ein, er habe geglaubt, es handele sich um eine „Arbeitsveranstaltung“. Labour-Chef Keir Starmer erwiderte in der Fragestunde, der Premierminister solle „das Anständige tun und zurücktreten“.

Boris Johnson soll mitten im Corona-Lockdown eine Gartenparty gefeiert haben.

Boris Johnson soll zurücktreten: „Hören Sie auf, die britische Öffentlichkeit zu belügen“

Update vom Mittwoch, 12.01.2022, 09.00 Uhr: Der Druck auf Boris Johnson wächst. Hochrangige britische Konservative haben den britischen Premier dazu aufgefordert, öffentlich zuzugeben, dass er an einer gegen die Lockdown-Regeln des Landes verstoßenden Gartenparty (s. Erstmeldung vom 11.01.2022) in der Downing Street teilgenommen hat. Besonders aus den eigenen Reihen kamen scharfe Töne: Wenn er das Parlament in die Irre geführt habe, müsse er zurücktreten, sagte der Chef der schottischen Tories, Douglas Ross, einer Reporterin des Mirror.

Eine Reihe konservativer Abgeordneter äußerte offen ihre Verärgerung und Enttäuschung über die „Bring your own booze“-Veranstaltung am 20. Mai 2020, die in einer durchgesickerten E-Mail bekannt wurde. Andere forderten ihn auf, am Mittwoch (12.01.2022) reinen Tisch zu machen und sich zu entschuldigen, in der Hoffnung, der wachsenden Wut der Bevölkerung über das Verhalten des Regierungschefs entgegenzutreten.

Auch die Opposition warf Johnson Irreführung vor. „Hören Sie auf, die britische Öffentlichkeit zu belügen“, twitterte Labour-Parteichef Keir Starmer. Sein Kollege Ed Miliband fragte im Sender Sky News mit Blick auf Johnson rhetorisch: „Wie kann er die Leute dazu bringen, den Gesundheitsratschlägen der Regierung zu folgen, wenn er so eklatant gegen die Regeln verstoßen hat?“

Boris Johnson soll Gartenparty mitten im Corona-Lockdown gefeiert haben

Erstmeldung vom Dienstag, 11.01.2022, 09.30 Uhr: London – Dem britischen Premierminister Boris Johnson droht neuer Ärger wegen einer Feier am britischen Regierungssitz während des ersten Corona-Lockdowns in England im Jahr 2020. Britische Medien zitierten am Montag (10.01.2022) aus einer durchgesickerten E-Mail, aus der hervorgehen soll, dass einer seiner Spitzenbeamten mehr als 100 Mitarbeiter:innen der Downing Street während des ersten Lockdowns auf der Insel zu einer „Bring your own booze“-Party (wörtlich: „Bringen Sie Ihre eigenen Drinks mit“) eingeladen hatte. Nach Angaben des Guardian haben jetzt offizielle Stellen mit den Ermittlungen begonnen.

Es wird vermutet, dass der Premierminister am 20. Mai 2020 zusammen mit Carrie Johnson, seiner damaligen Verlobten, an einer Gartenparty im Amtssitz in der Downing Street 10 teilgenommen hat, die von seinem Privatsekretär Martin Reynolds angekündigt worden war. Zusammenkünfte vieler Menschen auch im Freien waren zu diesem Zeitpunkt in Großbritannien nicht zugelassen.

Boris Johnson feiert trotz Corona Gartenparty: „Bringen Sie Ihre eigenen Drinks mit!“

„Nach einer unglaublich arbeitsreichen Zeit wäre es schön, das schöne Wetter zu nutzen und heute Abend im Garten von Nummer 10 ein paar gesellige Drinks zu sich zu nehmen“, schrieb Martin Reynolds den Berichten zufolge an seine Kollegen. „Bitte kommen Sie ab 18 Uhr und bringen Sie Ihre eigenen Drinks mit!“

Presseberichten zufolge sollen etwa 30 bis 40 Personen die Einladung wahrgenommen haben, wobei Essen und Wein auf den Tischen bereitstanden. Einige Mitarbeiter:innen sollen damals Vorbehalte geäußert haben. „Warum lädt Martin zu einer Party im Garten ein?“, sagte einer der Eingeladenen nach Angaben BBC. Ein anderer soll gefragt haben: „Ist das wirklich wahr?“

Großbritannien im Corona-Lockdown: Strenge Richtlinien

Am selben Tag hatte Kultusminister Oliver Dowden damals die britische Bevölkerung auf einer Pressekonferenz an die strengen Regeln während des Lockdowns erinnert: „Sie können sich mit einer Person außerhalb Ihres Haushalts an einem öffentlichen Ort im Freien treffen, vorausgesetzt, dass Sie zwei Meter Abstand halten.“

Am Montagabend, nach Bekanntwerden der durchgesickerten E-Mail, teilte die Untersuchungsbehörde in London mit, sie sei sich „einer weit verbreiteten Berichterstattung über angebliche Verstöße gegen die Gesundheitsschutzbestimmungen in der Downing Street am 20. Mai 2020 bewusst“ und habe Kontakt mit dem Büro des Premiers aufgenommen. Es wird erwartet, dass leitende Beamte die Situation jetzt besprechen werden. Zuvor hatte die Polizei erklärt, es sei nicht ihre Aufgabe, „rückwirkend Verstöße gegen die damaligen Vorschriften zu untersuchen“.

Johnson könnte jetzt unter enormen Druck geraten, seine eigene Rolle bei dem Treffen zu erklären. Besonders wird es darum gehen, ob er selbst irgendeine Rolle bei der Einladung gespielt hat, und warum sein Büro nicht auf die angeblichen Warnungen seines ehemaligen Adjutanten Dominic Cummings gehört hat, dass solche Zusammenkünfte gegen die Regeln verstoßen würden. Cummings selbst enthüllte die angebliche 20. Mai-Party am Freitag (07.01.2022) in einem Blogeintrag.

Boris Johnson zunehmend unter Druck

Johnsons Regierung war wegen mutmaßlicher Verstöße gegen die selbst verordneten Corona-Regeln in der Öffentlichkeit und auch in den eigenen Reihen bereits in der Vergangenheit in die Kritik geraten. Der Beamte Simon Case wurde mit der Untersuchung einer möglichen Weihnachtsfeier von Johnsons Mitarbeiter:innen mitten im Corona-Lockdown Dezember 2020 beauftragt. Weil es in dessen Abteilung Medienberichten zufolge aber ebenfalls verbotene Weihnachtsfeiern gegeben hatte, wurde er später durch Sue Gray ersetzt.

Es wird nun erwartet, dass Gray die angebliche Garten-Party im Mai 2020 ebenfalls untersuchen wird. Johnson hatte wiederholt beteuert, seine Mitarbeiter:innen hätten nicht gegen Corona-Richtlinien verstoßen. Inwieweit das auch auf ihn selbst zutrifft, ist jetzt Teil der Untersuchungen. (skr/AFP)

Rubriklistenbild: © Justin Tallis/dpa

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