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Großbritanniens Premierminister Boris Johnson
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Die Corona-Strategie von Großbritanniens Premierminister Boris Johnson ist umstritten.

Pandemie

Forschende warnen vor Corona-Lockerungen in Großbritannien: „Masseninfektion keine Option“

  • Isabel Wetzel
    VonIsabel Wetzel
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Premierminister Boris Johnson plant, schon bald alle Corona-Maßnahmen in Großbritannien zu lockern. Wissenschaftler:innen warnen vor schweren Folgen. 

London – Die Corona-Zahlen in Großbritannien sind weiterhin hoch. Knapp 32.000 Neuinfektionen meldete die Johns Hopkins-Universität am Freitag (09.07.2021), die Inzidenz liegt bei 287,4. - und das bei guten Impfquoten. Die aggressive Delta-Variante des Coronavirus überrollt die Insel und hat die Pandemie längst nach Großbritannien zurückgebracht. Dennoch plant Premierminister Boris Johnson am 19. Juli alle Corona-Maßnahmen zu beenden. Das stößt über die Landesgrenzen hinaus auf heftige Kritik.

Wissenschaftler:innen in Großbritannien haben im Fachmagazin The Lancet eindringlich an die Regierung appelliert, die Lockerungen zu überdenken. Mit der Entscheidung würde die Regierung in Kauf nehmen, dass die Infektionen mit dem Virus weiter zunehmen. Es werde angenommen, zusätzliche Infektionen spielten keine Rolle, da die „Verbindung zwischen Infektion und Sterblichkeit durchbrochen“ sei. Nach Ansicht der Expertinnen und Experten sei diese radikale Öffnung jedoch „gefährlich und verfrüht“. Eine massenhafte Infektion der Bevölkerung sei keine Option. Es müsse mehr getan werden, um junge Leute zu schützen. Da mit etwas Geduld eine Immunität auch durch Impfungen zu erreichen sei, wäre die Strategie einer Massen-Infektion zudem unethisch und unlogisch.

Bis zu 100.000 Corona-Neuinfektionen pro Tag: Gefahr durch Lockerungen in Großbritannien

In Großbritannien ist nach den aktuellen Zahlen (Stand 09.07.2021) der Johns Hopkins-Universität und des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) rund die Hälfte der Bevölkerung (50,38 Prozent) vollständig gegen das Coronavirus geimpft, etwa 67 Prozent haben bereits die Erstimpfung erhalten. Nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren im Magazin The Lancet reicht das allerdings nicht aus, um die sogenannte Herdenimmunität zu erreichen, ohne dass sich zahlreiche Menschen im Land infizieren, erkranken und möglicherweise an den Folgen der Krankheit sterben. Selbst, wenn man davon ausginge, dass rund 20 Prozent der Bevölkerung bereits von Covid-19 genesen sind, bleiben mehr als 17 Millionen Menschen ohne Schutz gegen das Virus zurück, heißt es im Bericht.

Die Entscheidung der britischen Regierung, die Corona-Maßnahmen am 19. Juli aufzuheben, würde bedeuten, dass zwar ein Teil der Bevölkerung durch eine Impfung gegen das Virus immun wird, ein großer Teil aber nur durch die natürliche Infektion. Das werde aufgrund der Impfkampagne in Großbritannien vornehmlich junge Menschen betreffen. Der britische Gesundheitsminister Sajid Javid hatte im Zuge der Ankündigung von drastischen Lockerungen bereits eingeräumt, dass die Zahl der Corona-Neuinfektionen im Sommer auf bis zu 100.000 Fälle am Tag ansteigen könne. Die Wissenschaftler:innen mahnen in dem Zusammenhang: „Der Zusammenhang zwischen Infektion und Tod mag durch die Impfungen geschwächt sein, doch er wurde nicht unterbrochen.“ Eine Corona-Infektion könne sowohl bei akuten, als auch bei langfristigen Erkrankungen nach wie vor zu einer enormen Sterblichkeit führen.

Corona-Lockerungen zu früh: Vor allem junge Menschen in Großbritannien schützen

Ungeimpfte Kinder und Jugendliche, die unter den Folgen der Pandemie bereits stark gelitten haben, wären demnach von einer ungebremsten Übertragung besonders betroffen. Die Autor:innen warnen im Lancet: „Bei der Strategie besteht die Gefahr, dass eine ganze Generation mit Gesundheitsproblemen und Behinderungen zurückbleibt, deren persönliche und wirtschaftliche Auswirkungen noch mehrere Jahrzehnte zu spüren sein könnten.“ Zudem würde eine derart starke Infektionswelle in Schulen und Kindergärten die Bildung ebendieser Generation gefährden. Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, teilte den Beitrag der Forschenden via Twitter und sprach von einem „eindringlichen Appell im Angesicht der dortigen Situation“.

Die Expertinnen und Experten fürchten zudem, dass durch die hohen Ansteckungsraten im Sommer einen fruchtbaren Boden für Impfstoff-resistente Viren. Auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte bereits vor einem solchen „Super-Coronavirus“. Das könne dann nicht nur in Großbritannien, sondern weltweit zum Problem werden. (iwe)

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