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Studie in Großbritannien

Freiwillige lassen sich mit dem Coronavirus infizieren

  • Tim Vincent Dicke
    VonTim Vincent Dicke
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In Großbritannien werden Freiwillige absichtlich mit Corona angesteckt. Unter Fachleuten sind Human-Challenge-Studien umstritten.

  • In Großbritannien startet eine weltweit einmalige Studie.
  • Erstmals wird eine Gruppe Freiwilliger absichtlich mit Corona* infiziert.
  • Deutsche Mediziner:innen lehnen sogenannte Human-Challenge-Studien ab.

London – Im Zuge einer Studie sind in Großbritannien erstmals Freiwillige mit dem Coronavirus infiziert worden. Die sogenannten Human-Challenge-Analysen hätten am Samstag (06.03.2021) begonnen, teilte das britische Gesundheitsministerium mit. Nach früheren Angaben der britischen Regierung handelt es sich um die erste Studie weltweit, bei der Menschen gezielt mit dem Coronavirus angesteckt werden.

„Sichere und kontrollierte Umgebung“: Freiwillige werden in Großbritannien mit Corona infiziert

„Das Human-Challenge-Programm wird die Entwicklung von Impfstoffen und Behandlungen gegen Covid-19* verbessern und beschleunigen“, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. „Die erste Gruppe von Freiwilligen hat nun am Royal Free Hospital in London mit der Virus-Charakterisierungs-Studie begonnen.“ Die Probandinnen und Probanden würden „in einer sicheren und kontrollierten Umgebung dem Virus ausgesetzt, rund um die Uhr überwacht von Medizinern und Wissenschaftlern“, hieß es.

Das Coronavirus Sars-CoV-2 kursiert weiterhin weltweit. (Archivfoto)

Human Challenge Trials, bei denen gesunde Menschen einem Erreger ausgesetzt werden, kamen in der Vergangenheit beispielsweise bei der Entwicklung von Grippe- oder Malaria-Impfstoffen zum Einsatz. Allerdings wurde den Probandinnen und Probanden dabei – anders als nun bei der Corona-Studie in Großbritannien – zunächst ein potenzieller Wirkstoff verabreicht.

Human-Challenge-Studie zu Corona in Deutschland unwahrscheinlich

Bei dem britischen Projekt wurden junge, gesunde Menschen ausgewählt, die ein vergleichsweise geringes Risiko haben, schwer an Corona zu erkranken. Sie sollen zunächst die geringste mögliche Dosis an Viren zugeführt bekommen, die für eine Infektion notwendig ist. Bis zu 90 Freiwillige könnten dabei gezielt infiziert werden. Mit der anfänglichen Charakterisierungs-Studie wollen die Forscherinnen und Forscher auch herausfinden, wie das Immunsystem auf das Virus reagiert und wie infizierte Viruspartikel in die Umgebung abgeben.

Das Krankenhaus Royal Free in der britischen Hauptstadt London: Hier werden erstmals Freiwillige absichtlich mit dem Coronavirus infiziert.

In Deutschland gelten Human-Challenge-Studien als wenig vielversprechend. Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) lehnt sie als unethisch ab. Zudem gibt es medizinische Vorbehalte: „Challenge-Studien zeigen vielleicht ein verfälschtes Bild, da Erkenntnisse, die nur mit jungen, gesunden Menschen gewonnen wurden, möglicherweise nicht auf Ältere und chronisch Kranke übertragbar sind“, betont der Verband. Künstlich herbeigeführte Corona-Ansteckungen entsprächen nicht den echten Infektionen im Alltag.

Corona in Großbritannien: England öffnet Schulen wieder

Am Montag (08.03.2021) öffnen nach rund zwei Monaten Lockdown alle Schulen in England wieder die Türen. Bildungsminister Gavin Williamson sprach von einem „Moment der Freude für Millionen Menschen“. Premierminister Boris Johnson würdigte vor dem Schulbeginn die „nationale Kraftanstrengung“ im Kampf gegen die Corona-Pandemie*. „Aufgrund der Entschlossenheit jedes Menschen in diesem Land können wir uns einem Gefühl der Normalität nähern. Und es ist richtig, dass es der erste Schritt ist, unsere jungen Leute wieder in den Unterricht zu bringen“, sagte der britische Regierungschef einer Mitteilung zufolge.

Trotz der guten Nachrichten von der Insel kämpft das Land weiterhin gegen die Corona-Krise an, Tausende Patientinnen und Patienten liegen immer noch mit Covid-19 in Kliniken. Die täglichen Neuinfektionen gehen jedoch zurück. (Tim Vincent Dicke mit dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © National Institute Of Infectious Diseases/Handout/AP/dpa

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