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Scharfe Kritik nach Corona-Gipfel - 2G-Plus-Regel „wenig zielführend“

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Von: Daniel Dillmann

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Nach dem Corona-Gipfel hagelt es Kritik an den Beschlüssen von Bund und Ländern. Vor allem eine Regel stößt vielen auf.

Berlin – Keine 24 Stunden nach dem Ende des Corona-Gipfels stehen die dort getroffenen Vereinbarungen bereits in der Kritik. Bundeskanzler Olaf Scholz* (SPD*) und die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Bundesländer hatten in ihren Beratungen am Montag (24.01.2022) baldige Lockerungen der Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie* ausgeschlossen. Die bisher geltenden Regeln sollen weitergeführt werden. Einzig von „Öffnungsperspektiven“ war die Rede. Doch eine ganze Reihe an Fachleuten ist da offenbar ganz anderer Meinung.

Den Anfang macht der Klaus Stöhr. Der Virologe ließ im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland kaum ein gutes Haar an dem auf dem Corona-Gipfel vereinbarten Kurs. Stöhr forderte „eine Lockerung der von Anfang an wenig zielführende Corona-Regeln 2G und 2G plus.“ Geimpfte würden nur ein Viertel der Patientinnen und Patienten auf den Intensivstationen ausmachen. Bei einem derart geringen Risiko stellte der 63 Jahre alte Leiter der Sars-Forschungsabteilung bei der Weltgesundheitsorganisation WHO eine rhetorische Frage: „Warum sollen die sich noch testen lassen, wenn sie einkaufen oder ins Restaurant gehen?“

Corona-Gipfel hält an 2G plus fest: Das stößt vielerorts auf Kritik

Die Corona-Maßnahme mit dem Titel 2G plus war zuvor bereits in die Kritik geraten und löst in den vergangenen Tagen immer mehr Kritik aus. Das liegt vor allem an dem deutlichen Anstieg der Nachfrage nach PCR-Tests. Die Kapazitäten sind bereits weitgehend erschöpft. Städtetagspräsident Markus Lewe schlug stattdessen vor, auf sogenannte POC-PCR-Tests zu bauen. Diese kämen ohne eine Laboranalyse aus und würden entsprechend schnellere Ergebnisse liefern. „Dafür müsste dann aber auch die Finanzierung für diese Tests verbessert werden“, so der CDU-Politiker* gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Lewe könne sich außerdem vorstellen, „bei der Freitestung aus Isolation und Quarantäne noch mehr mit zertifizierten Antigen-Tests zu arbeiten statt mit PCR-Tests.“

Olaf Scholz (SPD), Bundeskanzler, aufgenommen nach dem Familienfoto im Rahmen der Klausurtagung vom Bundeskabinett in B
Olaf Scholz steht nach dem Corona-Gipfel in der Kritik. © Florian Gaertner/photothek.de/imago

Michael Müller wiederum sieht das anders. Laut dem Vorsitzenden des Verbands Akkreditierter Labore in der Medizin (ALM) böten diese nicht genügend Sicherheit. „Wir sehen in unserem Laboralltag zu viele falsche Schnelltestergebnisse und empfehlen daher das konsequente Freitesten im PCR-Verfahren“, so Müller ebenfalls gegenüber dem RND.

Kritik an Testkapazitäten nach Corona-Gipfel

Für Klaus Stöhr wiederum gibt es eine einfache Lösung, die Problematik der Testkapazitäten zu lösen: indem einfach viel weniger getestet werden würde. Das könnte erreicht werden, indem die für ihn „suspekte 2G-plus-Regel“ abgeschafft werde, so der Virologe. Das sei allein „wegen ihres potenziell destruktiven Effekts auf die Impfbereitschaft und der vernachlässigbaren Wirkung auf die Ausbruchs­häufigkeit in Einzelhandel und Gaststätten­gewerbe“ notwendig.

Virologe Klaus Stöhr
Virologe Klaus Stöhr im ZDF-Talk bei Markus Lanz. (Archivfoto) © Teutopress Gmb/Imago Images

Im Gespräch mit dem RND appellierte Klaus Stöhr nach dem Corona-Gipfel an die Politik, weitreichende Lockerungen der Maßnahmen einzuleiten. Ein Vorbild sei dabei zum Beispiel Frankreich. „In Frankreich lockert die Regierung, obwohl die Inzidenz dort viel höher liegt und die Regierung die Situation in den Krankenhäusern als angespannt, aber handhabbar bezeichnet.“ Neben Frankreich haben auch die Regierungen in der Schweiz, der Niederlande und Großbritannien* Lockerungen ihrer Regeln angekündigt.

Doch nicht nur Fachleute übten Kritik an der Politik. Auch aus den neuerdings in der Opposition befindlichen Union kam bereits Gegenwind. Bayern Ministerpräsident Markus Söder* verließ das Spitzentreffen „unbefriedigend“, wie er im Gespräch mit den ARD-Tagesthemen* sagte. Es sei nicht mehr angebracht, „mit Zusperren alles zu lösen“, so der Vorsitzende der CSU*. (dil) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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