Das Migrantencamp Moria auf der griechischen Insel Lesbos ist heillos überfüllt.
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Das Migrantencamp Moria auf der griechischen Insel Lesbos ist heillos überfüllt.

Überfülltes Lager

Erster Corona-Fall im Migrantencamp Moria auf Lesbos

  • Tobias Möllers
    vonTobias Möllers
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Erstmals ist im überfüllten Migrantenlager von Moria auf der griechischen Insel Lesbos ein Mensch positiv auf das Coronavirus getestet worden.

  • Erstmals wird ein Corona-Fall im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos diagnostiziert.
  • Die Gesundheitsbehörden prüfen die Kontakte des Infizierten.
  • Das griechische Flüchtlingslager ist nach wie vor heillos überfüllt.

Mytilini – Im Geflüchtetenlager Moria auf Lesbos ist der erste Corona-Fall bekannt geworden. Bei dem Covid-19-Fall im Camp Moria auf Lesbos handelt es sich um einen 40-Jährigen aus Somalia, dem bereits im Juli Asyl gewährt worden sei. Das teilte das Migrationsministerium in Athen mit. Er sei zunächst nach Athen gefahren, habe dort aber keine Arbeit gefunden und sei dann nach Moria zurückgekehrt. Die Gesundheitsbehörden gehen nun allen Kontakten des Mannes nach, um auch sie auf das Virus zu testen. Das Lager wurde für 14 Tage unter Quarantäne gestellt, wie das Migrationsministerium weiter mitteilte.

Bereits Mitte August waren im Lager von Vial auf der benachbarten Insel Chios fünf Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Ausbreitung des Virus konnte dort jedoch durch Isolierung der Erkrankten gestoppt werden.

Corona-Fall im überfüllten Lager in Moria: EU findet keine Lösung

Das 2015 auf einer früheren Militäranlage errichtete Aufnahmezentrum Moria ist mit nach jüngsten Angaben knapp 14.000 Migranten das größte Flüchtlingslager Europas und restlos überfüllt. Die EU sucht seit Jahren eine Einigung über eine gemeinsame Asylreform, kommt dabei aber kaum voran. Italien, Malta, Spanien, Griechenland und Zypern dringen auf einen verpflichtenden Mechanismus zur Verteilung von Migranten. Ungarn, Tschechien, Polen, Estland, Lettland, die Slowakei und Slowenien wollen hingegen das Gegenteil. In einem Brief an die EU-Kommission betonen die sieben Länder ihre Ablehnung einer verpflichtenden Verteilung „in jeder Form“. Noch im September will die EU-Kommission neue Vorschläge vorlegen.

Deutsche EU-Ratspräsidentschaft als Chance für Moria?

Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft biete die Chance, „eine dauerhafte Lösung“ für das Problem zu entwickeln, sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet bei einem Besuch des Geflüchtetenlagers. Europa dürfe die griechische Regierung und die Bewohner und Behörden auf Lesbos nicht allein lassen. Laschet kandidiert aktuell für den Bundesvorsitz der CDU. (tom mit dpa)

Im Falle eines Corona-Ausbruchs könnte sich das „Virus wie ein Waldbrand“ ausbreiten, sagt Faris Al-Jawad von Ärzte ohne Grenzen. Er spricht über die Situation in Camps wie Moria auf Lesbos, die Hürden der griechischen Behörden und mögliche Covid-19-Ausbrüche. Daniel Kubirski war als Fotograf auf der „Mare Liberum“, dem Schiff der Berliner NGO. Er war auch im Flüchtlingslager Moria. Für die FR hat er seine Erlebnisse aufgeschrieben.

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