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Corona-Virus

Corona in Großbritannien: Inzidenz steigt dramatisch an

  • Sebastian Borger
    VonSebastian Borger
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Im Vereinigten Königreich erreichen die Infektionsraten wieder den Stand von Januar.

London - In Großbritannien drängen immer mehr Fachleute die Regierung von Premier Boris Johnson, den Kampf gegen Corona zu verstärken. Angesichts hoher Infektionsraten von mehr als 40.000 sowie immer mehr Einweisungen und Toten müsse dringend „Plan B“ aktiviert werden, forderte Matthew Taylor vom Krankenhausverband am Mittwoch (20.10.2021). Zu den gesetzlichen Covid-Regeln solle die Pflicht zu Mund-Nase-Schutz, Impfnachweisen und Rückkehr ins Homeoffice gehören.

Der kommende Winter könne „eine echte Krise“ mit sich bringen, warnte der Leiter des Gesundheitsausschusses im Unterhaus, Jeremy Hunt. Es wird befürchtete, dass das Gesundheitssystem NHS im Winter erneut den Notstand ausruft und alle vermeidbaren Behandlungen absagt. Schon jetzt warten mehr als fünf Millionen Menschen auf Krebsvorsorge oder überfällige Hüft- und Knieoperationen.

Corona in Großbritannien: Durchschnittlich sind jeden Tag 130 Tote zu beklagen

Labour-Chef Keir Starmer will zwar keine verschärften Regeln, die Regierung müsse aber die Lage klarer darstellen, forderte er. Prompt kündigte der Lockdown-skeptische Gesundheitsminister Sajid Javid für Mittwochabend die erste Covid-Pressekonferenz seit Monaten an.

Southport: Schlange stehen für einen Corona-Test.

Die Zahlen sind in ganz Großbritannien unzweideutig: Die Inzidenz stieg zuletzt (Stand: Dienstag) stetig auf 435, durchschnittlich sind jeden Tag 130 Tote zu beklagen – am Dienstag waren es 223, die höchste Zahl seit März. In Schottland liegt die Mortalität derzeit um 30 Prozent über den vergleichbaren Sterbezahlen in den Jahren 2015 bis 2019. Auf englischen Intensivstationen belegen an Covid-19 Leidende 15 Prozent der Betten. In der ersten Oktoberwoche waren dem Statistikamt ONS zufolge eine Million Menschen infiziert, womit der bisherige Höchststand vom Januar erreicht war.

Trotz Corona: Keine Maske weit und breit

Im Sommer hatte zunächst die für England zuständige Londoner Regierung unter Premier Boris Johnson sämtliche gesetzlichen Corona-Einschränkungen aufgegeben, Schottland, Wales und Nordirland folgten nach. Allerorten blieb es aber bestimmten Empfehlungen: weiterhin Masken in geschlossenen Räumen sowie in Bussen und Bahnen, außerdem möglichst viel Distanz zueinander .

Aber viele Restaurants, Museen und U-Bahnen wirken, als sei Corona eine Fiktion: keine Maske weit und breit. Im am dichtesten besiedelten England werden Impfnachweise kaum verlangt, die entsprechende App nicht vorhanden. Hingegen ist in Wales und seit Montag auch in Schottland bei bestimmten Veranstaltungen für Erwachsene Nacht- und Sexclubs, Konzerte und Sportveranstaltungen mit mehr als 500 Personen in der Halle oder mehr als 4000 Plätzen im Freien – der Impfausweis gesetzliche Pflicht, unterstützt von der App des regionalen NHS. Gastronomie bleibt bis auf weiteres davon befreit.

Corona in Großbritannien: Nur wenige Jugendliche sind geimpft

In den Sekundarschulen, wo Maskenpflicht teils überhaupt nicht mehr gilt, sind ganze Jahrgänge durch Infektion lahmgelegt. Das liegt auch daran, dass der ständige Impfausschuss sich lang gegen die Immunisierung Minderjähriger gesträubt hat.

England hinkt gewaltig hinter den anderen Landesteilen, aber auch vergleichbaren Staaten auf dem Kontinent zurück. Unter den 12- bis 15-Jährigen haben 14 Prozent die Erstimpfung erhalten, in Schottland sind es 44 Prozent. Zwar begann das Schuljahr dort gut zwei Wochen vorm englischen; Hauptgrund dürfte aber sein, dass junge Leute in England bisher nur in ihren Schulen geimpft wurden. Das soll sich kommende Woche während der Herbstferien ändern: Dann können Jugendliche bürgernahe Impfzentren besuchen, wie es in Schottland längst der Fall ist.

FR-Grafik.

Corona in Großbritannien: Es gibt auch optimistischere Töne

Bei den älteren und besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen konstatiert die englische NHS-Chefin Amanda Pritchard mangelnden Willen zur Drittimpfung. Obwohl das Impfprogramm auf der Insel anfangs dem Kontinent weit voraus war, die meisten Älteren über 70 Jahre also schon früh doppelt immunisiert waren, kommt die eigentlich fällige Drittimpfung nicht recht voran. Immerhin liegt England (41 Prozent) beinahe gleichauf mit Frankreich (45) und deutlich vor Deutschland (23) und Spanien sowie Italien (je 12).

Es gibt aber auch optimistischere Töne. Vorige Woche verzeichnete das NHS im Durchschnitt täglich 918.587 Getestete, die Positivrate lag bei 4,9 Prozent. Professor Paul Hunter von der Uni UEA in Norwich verwies darauf, dass besonders unter Minderjährigen deutlich mehr getestet wird als in vielen vergleichbar großen Staaten. „Mindestens die Hälfte unserer Fälle“ seien Kinder oder Teenager, bei denen der Krankheitsfall fast nie eine Behandlung im Krankenhaus nötig macht. (Sebastian Borger)

Neue Corona-Mutation in Großbritannien: Delta Plus breitet sich aus.

Rubriklistenbild: © Peter Byrne/dpa

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