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Maskenpflicht, Impfung, Tests: Lauterbachs neue Corona-Regeln für Herbst und Winter – „Völlig unpraktikabel“

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Von: Tobias Utz

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Die neuen Corona-Regeln für die kalte Jahreszeit sorgen für scharfe Kritik. Gesundheitsminister Lauterbach spricht von Ausnahmen.

Berlin/Frankfurt – „Die Maske wird die Regel sein“: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat die Corona-Maßnahmen für den Herbst und den Winter in Deutschland vorgestellt. Grundlage der Regeln soll die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes sein. Die Bundesländer sollen dabei die Hoheit haben. Ausnahmen soll es für frisch Geimpfte und frisch Genesene geben, beispielsweise bei der Maskenpflicht.

Lauterbach sagte den Tagesthemen dazu: „Am Anfang werden ja die Allerwenigsten frisch geimpft sein.“ Im Infektionsschutzgesetz ist die flächendeckende Maskenpflicht in Innenräumen bei hohen Corona-Inzidenzen vorgesehen: Zum Beispiel soll die Maskenpflicht in Bars, Restaurants und Kneipen, aber auch bei Veranstaltungen in Innenräumen für Menschen gelten, deren Impfung nicht älter als drei Monate ist.

Der Bundesgesundheitsminister betonte allerdings, dass dies „absolut“ nicht als Impfaufforderung im dreimonatigen Rhythmus gemeint sei. „Die Ausnahme ist nicht so zu verstehen, dass sich dann Leute alle drei Monate impfen lassen sollen“, erklärte der SPD-Politiker im Interview.

Corona-Regeln im Herbst und Winter 2022: Impfstatus soll über Warn-App kontrolliert werden

Gemessen werden solle dies über die Corona-Warn-App, so Lauterbach: „Hier ist zum Beispiel vorgesehen, dass man sofort auf der Corona-Warnapp an der Farbe des Impfzertifikats erkennen kann, ob das eine frische Impfung ist oder nicht.“ Dies sei deutlich einfacher zu kontrollieren, als die 2G- oder die 2GPlus-Regelung in vergangenen Pandemiephasen.

„Nach der Definition, die wir hier einsetzen, heißt das drei Monate. Das heißt mindestens die dritte oder eine weitere Impfung darf höchstens drei Monate zurückliegen. Dann hat man eine gute Wahrscheinlichkeit, dass der Geimpfte selbst gut geschützt und nicht so stark ansteckungsgefährdet ist wie jemand, der länger zurückliegend geimpft ist. Oder der nur eine Impfung hat.“

Definition einer „frischen“ Impfung, Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach im ZDF

Wiederum Grundlage für die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes sei eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) für den Herbst und den Winter. „Wir brauchen tatsächlich eine Ansage, wer soll sich impfen lassen und wer nicht. Die kann ja dann so aussehen, wie die STIKO es will.“

Lauterbachs Corona-Regeln
Karl Lauterbach hat im überarbeiteten Infektionsschutzgesetz eine Maskenpflicht-Regelung für Innenräume vorgesehen. Diese soll von der Inzidenz abhängig sein. © Archivfotos: Chris Emil Janßen / Imago Images, Michael Gstettenbauer / Imago Images | Collage: Redaktion

Corona-Regeln: „Ausnahmen für Geimpfte sind völlig unpraktikabel“

An den Plänen zu Corona-Regeln in der kalten Jahreszeit, die von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) vorgestellt wurden, gibt es derweil scharfe Kritik. Gerald Gaß, Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, sagte beispielsweise der Rheinischen Post zwar, dass eine Maskenpflicht in Innenräumen sinnvoll sei. Jedoch seien die Ausnahmen nicht praktikabel: „Die Ausnahmen für Geimpfte sind aber völlig unpraktikabel und widersprechen deshalb dem Ziel eines guten Infektionsschutzes.“

Gaß bezog seine Kritik zudem auf die geplanten Regelungen in Kliniken, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Dort soll laut Lauterbachs und Buschmanns Plänen ein tagesaktueller Corona-Test oder eine Impfung, die nicht älter als drei Monate ist, Bedingung für den Zutritt sein. Das sei nicht praktikabel, betonte der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG).

Auch eine mögliche Maskenpflicht in Schulen sorgt für Diskussionen. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte kritisierte die Planungen. Jakob Maske, Bundessprecher des Verbandes, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, dass Tests in diesem Kontext unsinnig seien. Es gebe viele falsch negative Ergebnisse, aber zahlreiche falsch positive: „Wichtig ist auch, dass es anlasslose Testungen nicht mehr geben sollte, die Sensibilität liegt hier nur bei 40 Prozent.“ (tu)

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