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Corona in Deutschland

Angela Merkel wusste offenbar mehrere Tage früher vom drohenden Impfstopp für Astrazeneca

  • Tobias Möllers
    VonTobias Möllers
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  • Sebastian Richter
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Angela Merkel und Helge Braun wussten offenbar früher als bisher bekannt vom Impfstopp für Astrazeneca – wollten jedoch noch Fachleute befragen.

  • Das Coronavirus in Deutschland drängt die Politiker:innen zum Handeln.
  • Söder und Kretschmann appellieren in Corona-Pandemie an Länderkolleg:innen.
  • Corona-News: Alle Informationen zu Sars-CoV-2 auf unserer Themenseite.

Update vom Mittwoch, 02.04.2021, 15.50 Uhr: Kanzlerin Angela Merkel und Kanzleramtsminister Helge Braun wussten offensichtlich früher darüber Bescheid, dass der Impfstoff der britisch-schwedischen Firma Astrazeneca zu gefährlichen Nebenwirkungen für jüngere Menschen führen kann. Bereits am vergangenen Freitag (26. März) wurden Merkel und Braun durch die Ständige Impfkommission (Stiko) persönlich darüber informiert, dass die Verabreichung des Impfstoffes für bestimmte Altersgruppen gestoppt werden müsse.

Wie das ZDF berichtet, bestätigte eine Sprecherin der Stiko, dass am Freitag ein Gespräch zur Information zwischen dem Kanzleramt und dem Vorsitzenden der Kommission, Prof. Dr. Thomas Mertens, stattgefunden hatte. Der Experte klärte Merkel und Braun darüber auf, dass die 31 bekannten Fälle von Sinusvenenthrombosen, davon neun mit tödlichem Verlauf, zu viele seien, um den Impfstoff weiter guten Gewissens an junge Menschen verabreichen zu können.

Angela Merkel und Helge Braun wussten früher über den drohenden Impfstopp für Astrazeneca Bescheid.

Corona-Impfstoff von Astrazeneca: Angela Merkel und Helge Braun wussten früher Bescheid

Dies bedeutete einen Einschnitt im bis dahin geplanten Impfprogramm der Bundesregierung, die Stimmung sei laut ZDF-Informationen dementsprechend schlecht gewesen. Anstatt die Versorgung mit Astrazeneca umgehend zu stoppen, entschieden sich Merkel und Braun dafür, zunächst weitere Expert:innen hören zu wollen. Eine Regierungssprecherin teilt mit: „Angesichts der nationalen Tragweite der Entscheidung bat die Bundeskanzlerin darum, auch die Expertise des Ethikrates und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina hinzuzuziehen.“

Am Wochenende zwischen dem 26. und 28. März wurden weitere mehr als 300.000 Astrazeneca-Impfdosen verabreicht, das Robert Koch-Institut (RKI) beziffert die Zahl von Erstimpfungen in diesem Zeitraum auf 314.383. Niemand der Geimpften konnte zu diesem Zeitpunkt wissen, dass er einen eventuell gefährlichen Impfstoff verabreicht bekam. Trotz ihres Wissens blieb Angela Merkel als Gast von Anne Will dabei, dass „über 50 Millionen Menschen schon ein Impfangebot Ende des zweiten Quartals“ bekommen würden.

Corona-Impfungen: Bundesregierung wird von Bundesländern getrieben und stoppt Astrazeneca

Nach weiteren Befragungen von Expert:innen über das Wochenende hinaus verschickt die Stiko ein Entwurfspapier, erste Bundesländer - darunter Berlin - reagieren mit einem Impfstopp für Astrazeneca. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Angela Merkel und Helge Braun müssen reagieren und berufen eine Sondersitzung der Konferenz der Gesundheitsministerien ein. Der Rest ist Geschichte: Gemeinsam verkünden die Gesundheitsministerien der Länder und die Bundesregierung, dass Menschen unter 60 Jahren nur noch nach Rücksprache in den Arztpraxen und auf eigene Verantwortung auf den Impfstoff von Astrazeneca zugreifen sollen.

Corona-Brief: Söder und Kretschmann fordern Notbremse

Update vom Mittwoch, 31.03.2021, 17.00 Uhr: Markus Söder und Winfried Kretschmann wagen einen ungewöhnlichen Schritt. In einem gemeinsamen Brief an ihre 14 Länderkolleg:innen fordern Bayerns Ministerpräsident und Baden-Württembergs Regierungschef eine strikte Anti-Corona-Politik mit einer konsequenten Umsetzung der Notbremse in Hotspots, auch mit nächtlichen Ausgangsbeschränkungen. Zudem plädieren Söder (CSU) und Kretschmann (Grüne) für eine Corona-Testpflicht an den Schulen nach den Osterferien.

„Die dritte Welle rollt seit einigen Wochen unerbittlich über das Land. Die Lage ist ernst, ernster als viele glauben“, heißt es laut einem Vorabbericht der Süddeutschen Zeitung in dem Brief. „Wir müssen daher unsere Verantwortung jetzt wahrnehmen und dürfen nicht länger diskutieren. Das Virus verzeiht keine Verzögerungen“, mahnen Söder und Kretschmann. „Jeder weitere Tag des Zuwartens bedeutet tausende von neuen Ansteckungen, die sich exponentiell durch unser Land fressen.“

Die Regeln zur Notbremse, die ab einem Inzidenzwert von 100 zu Verschärfungen führt, werden in den Bundesländern teils unterschiedlich angewandt. Dies löste einen seit Tagen zunehmenden Streit quer durch die politischen Lager aus. Söder und Kretschmann forderten einen „einheitlichen Geist“. Dazu gehörten „nächtliche Ausgangsbeschränkungen und adäquate Kontaktbeschränkungen bei einer Inzidenz über 100 sowie eine konsequente FFP2-Maskenpflicht und Tests“.

„Wir müssen uns jetzt der Herausforderung stellen und Corona konsequent bekämpfen“, verlangten Söder und Kretschmann in dem Schreiben. Ansonsten bestehe die Gefahr, „dass sich durch ein ständiges Hin und Her die Lage bis in den Sommer hinein fortsetzt“. Nur, wenn es gelinge, die Inzidenzen wieder zu drücken, werde „auch das Impfen, unsere einzige echte Langzeitstrategie, die erhoffte Wirkung entfalten können“.

Streit um Corona-Politik: Söder schießt gegen Laschet und Scholz

+++ 20:38 Uhr: Angesichts schnell steigender Infektionszahlen hat nach Bundeskanzlerin Angela Merkel auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder Bund und Länder zu einheitlichen, strikten Anti-Corona-Maßnahmen ermahnt. Konkret forderte der CSU-Chef unter anderem, dass in Hotspots dringend die vereinbarte Notbremse auch mit Ausgangsbeschränkungen gerade über Ostern gelten müsse. Zugleich stichelte Söder sowohl gegen den CDU-Vorsitzenden und NRW-Regierungschef Armin Laschet als auch gegen Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz.

Das Verschieben oder Erhöhen der Schwelle für die Notbremse bringe nichts, sondern hole jeden ein, sagte Söder. „Ich bin mir nicht ganz sicher, ob jeder wirklich den Ernst der Lage verstanden hat“, kritisierte er und mahnte: „Es ist jetzt nicht die Zeit für kleinteilige Streits oder Eifersüchteleien um Kompetenzen.“ Es gehe nun allein um den bestmöglichen Schutz der Bevölkerung. Und dabei müssten Bund und Länder „aus einem Geist heraus handeln“.

Streit um Corona-Maßnahmen: Söder stichelt gegen Laschet und Scholz

„Deswegen nochmal mein Appell: statt zu streiten einheitlich zu denken“, sagte Söder. Dabei fügte er mit Blick auf Laschet hinzu: „Ich finde es auch sehr seltsam, wenn der CDU-Vorsitzende mit der CDU-Kanzlerin ein halbes Jahr vor der Wahl streitet.“ Corona sei überall gleich. „Also müssen wir es auch einheitlich bekämpfen.“ Laschet hatte zuvor seinen Kurs in der Pandemie-Bekämpfung gegen Kritik von Merkel verteidigt.

Söder forderte Ausgangsbeschränkungen auch in Ländern, in denen es diese nicht dauerhaft gebe, wenigstens über Ostern. Das wäre wichtig, weil dann automatisch viele Leute zusammenkämen. „Es haben sich ja einige gewehrt, einige Länder bis heute, in den letzten Bund-Länder-Gesprächen vor allem auch der Bundesfinanzminister Olaf Scholz“, sagte Söder und forderte, bei Inzidenzen über 100 müsse dies überall „einheitlich gelten, damit‘s die Menschen auch verstehen“.

Corona-Streit: Müller verärgert über Kritik aus dem Kanzleramt

Update vom Dienstag, 30.03.2021, 08.00 Uhr: Öffnen oder nicht öffnen, das bleibt die strittige Frage. Da Infektionszahlen in Deutschland steigen, hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel in der ARD-Sendung „Anne Will“ am Sonntagabend Öffnungsstrategien einzelner Bundesländer kritisiert und angedeutet, dass der Bund mehr Kompetenzen in Sachen Pandemie-Bekämpfung an sich ziehen könnte. Dabei stieß sie auf reichlich Gegenwind.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) zeigte sich am Montagabend verärgert, „dass auch aus dem Kanzleramt heraus jetzt durch ein entsprechendes Wording der Eindruck erweckt wird, als ob einige sehr ernsthaft und besonnen mit der Situation umgehen und andere nicht.“ Es gehe um ein „Austarieren der Möglichkeiten und der sehr unterschiedlichen Situationen“ in den Bundesländern. „Es ist nicht so, dass jeder macht, was er will“, betonte der SPD-Politiker. Es sei nicht klug, ein solches „Länder-Bashing“ zu betreiben. „Wir sitzen in einem Boot“, machte Müller deutlich.

Unionsfraktionschef Brinkhaus fordert mehr Zusammenhalt: „Jeder muss sein Ego zurückstellen“

Für mehr Zusammenhalt zwischen Bund und Ländern hatte am Abend Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus aufgerufen. Er betonte in den ARD-“Tagesthemen“, dass er es für richtig halte, dass der Bund mehr Kompetenzen erhalten könnte. Die beschlossenen Maßnahmen reichten nicht aus, um das exponentielle Wachstum zu bremsen. Man müsse mehr tun, um die Pandemie einzudämmen, betonte der Fraktionschef. Das gehe jedoch nicht im Streit zwischen Bund und Ländern, sondern nur zusammen. Jeder müsse da sein Ego zurückstellen, es gehe nicht um Wahlkampf oder Parteiinteressen, sondern um das Land. Auch die Bürger nahm er in die Pflicht und appellierte, dass jeder seinen Beitrag leisten müsse, um die Zahlen zu senken – auch an Ostern.

Rückenwind bekam Merkel in der Debatte um die Corona-Politik am Montag vom Städte- und Gemeindebund. „Zurecht mahnt die Bundeskanzlerin, Kontakte zu beschränken und weitere Maßnahmen zu treffen“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland vom Dienstag. Bund und Länder hätten bei der Vereinbarung der Notbremse Konkretisierungen versäumt. Daher sieht Landsberg dringenden Handlungsbedarf.

Der Deutsche Städtetag hingegen schlug sich eher auf die Seite jener Länder, die Öffnungsschritte an Negativtests koppeln wollen. Neue Lockerungen seien angesichts der angespannten Lage in der Pandemie nicht zu verantworten, sagte Städtetagspräsident Burkhard Jung den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag). „Aber wenn Länder bestehende Lockerungen an Negativtests knüpfen, ist das ein ernstzunehmender Versuch“, betonte der Städtetagspräsident, der auch Oberbürgermeister von Leipzig ist. „Solange Menschen, die negativ getestet sind, Möbel oder Kleidung einkaufen, sollte das vertretbar sein.“

Kritik an Merkels Corona-Politik wächst: Ramelow stört sich am Tonart der Kanzlerin

+++ 22:30 Uhr: Aus den Ländern dringen unterschiedliche Reaktionen auf Merkels klare Kritik an einzelnen Staatskanzleien und diese verlaufen schon lange nicht mehr nach Parteilinien. Während Markus Söder Merkels Ansage, wonach das Bremsen einiger Länder die Bekämpfung der Corona-Pandemie schwieriger machen würde, unterstützt und sich sogar mehr Kompetenzen in Bundeshand vorstellen kann, sieht sein Konkurrent um die Kanzlerkandidatur der Union das ganz anders: Armin Laschet, von Merkel bei Anne Will persönlich in die Pflicht genommen, ließ verlauten, dass es nicht weiterhelfe, wenn „Bund und Länder sich gegenseitig die Verantwortung zuschieben.“

Bodo Ramelow (Die Linke), Ministerpräsident von Thüringen, stimmt Angela Merkel zwar grundsätzlich zu, er ärgere sich allerdings „ein bisschen über die Tonart“ der Kanzlerin. Er sei „irritiert, dass sie jetzt diese Drohkulisse“ aufbauen würde. Ähnlich äußert sich Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin. Der SPD-Politiker findet es nicht „klug, aus dem Kanzleramt jetzt Länder-Bashing zu betreiben.“ Damit reagiert Müller auf Merkels Absage an sein System des Testens und Shoppens.

Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) war der dritte, den Angela Merkel in ihrem Interview bei Anne Will angegangen hatte. Er schließt nun eine Verzögerung des umstrittenen Öffnungsmodells für sein Bundesland aufgrund steigender Corona-Infektionszahlen nicht aus, sagte aber auch: „Selbst wenn wir wegen exponentiellem Wachstum einer 3. Welle nicht zum 6.4. starten könnten - das Saarland-Modell wird kommen. Mehr Tests, mehr Impfen, mehr App, mehr Freiheit, mehr Umsicht“. Hans unterstrich zugleich: „Die Menschen wollen Perspektive; sind bereit, dafür was zu tun und weiter zurückhaltend zu sein.“

Seehofer und Baerbock stellen sich hinter Merkel, FDP winkt ab

Bundesinnenminister Horst Seehofer hingegen unterstützt Angela Merkel und fordert den Bund auf, „schnell“ von seiner Gesetzgebungskompetenz Gebrauch zu machen. Zwar ist eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes nur unter Billigung des Bundesrates möglich, ohne den Umweg über einen Vermittlungsausschuss gehen zu müssen. Und doch wäre eine Bundestagsmehrheit dazu in der Lage, einen Einspruch der Länderkammer zurückzuweisen.

Unterschiedlich äußern sich auch die Oppositionsparteien FDP und Grüne. Während Stephan Thomae, Fraktionsvize der FDP im Bundestag, „mehr Durchgriffsrechten“ oder einem „flächendeckenden Lockdown und Ausgangssperren per Gesetz“ eine Absage erteilt, fordert Grünen-Chefin Annalena Baerbock ein bundesweit koordiniertes Verfahren. Es brauche „weitere, schärfere Maßnahmen“, um die dritte Corona-Welle jetzt zu brechen, so Baerbock: „Es darf jetzt kein Rumgeeiere geben.“

Corona-Krise: Merkel-Ansage stößt nur teilweise auf offene Ohren

+++ 14.15 Uhr: Nach der deutlichen Kritik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Vorgehen verschiedener Länder im Corona-Lockdown haben mehrere Ministerpräsidenten ihre Linie verteidigt. Unter anderem Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Niedersachsen und das Saarland sahen am Montag zunächst keinen Grund für schnelle Anpassungen.

CDU-Chef Armin Laschet sagte: „Nordrhein-Westfalen hat die Notbremse flächendeckend verpflichtend für alle Landkreise umgesetzt.“ Darüber hinaus sei eine Terminvereinbarung in Geschäften mit einem Corona-Test möglich. Laschet bekräftigte dagegen nach der CDU-Präsidiumssitzung, es müsse auch Anreize geben, dass sich Menschen testen lassen.

Corona-Krise: Laschet für Öffnung von Geschäften mit Testung als Anreiz

Die Öffnung von Geschäften mit zertifizierten Tests sei dabei eine von mehreren Möglichkeiten. Es helfe nicht weiter, wenn Bund und Länder sich gegenseitig die Verantwortung zuschieben. Es dürfe auch nicht zum allgemeinen Ton werden, dass die Ministerpräsidenten sich die Infektionszahlen der jeweiligen Länder vorhielten. Zu möglichen Initiativen des Bundes in der Corona-Pandemie sagte Laschet, wenn die Lage dramatischer werde, sei er für jeden Vorschlag offen.

Weiter forderte Laschet als Konsequenz aus dem vergangenen Bund-Länder-Gipfel, dass die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder und die Bundeskanzlerin nicht mehr nur per Videokonferenz beraten. Die Ministerpräsidentenkonferenz solle in Präsenz tagen, forderte der CDU-Chef.

Öffnungen trotz Corona: Saarland verteidig Modellkomunen

Auch der Ministerpräsident des Saarlands, Tobias Hans (CDU), verteidigte laut Teilnehmerangaben im CDU-Präsidium geplante Öffnungen. Im Saarland würden Testauflagen an die Stelle von Beschränkungen gesetzt. Damit bringe man die Menschen dazu, im Freien getestet zusammenzukommen, statt im Verborgenen ohne Tests und Maßnahmen.

Auch Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann verteidigte geplante Öffnungen in rund 25 Modellkommunen. „Ich befürchte, wir werden mit einem gewissen Infektionsgeschehen in Deutschland leben müssen. Deshalb sind solche Modellversuche, wie ich finde, nicht unvorsichtig oder gar leichtsinnig“, sagte der CDU-Politiker dem Radiosender NDR Info.

Corona-Lockdown: Markus Söder will Länder zu mehr Regeln zwingen

Update, 10.05 Uhr: Angesichts steigender Corona-Neuinfektionen wird der Ruf nach strengeren Beschränkungen und Corona-Maßnahmen lauter. Nachdem sich Kanzlerin Merkel bei Anne Will (ARD) sehr deutlich geäußert hatte, meldet sich auch Markus Söder (CSU) zu Wort.

In den „Tagesthemen“ stellte er klar, dass er sich mehr Kompetenzen in Bundeshand vorstellen kann. Er habe schon immer gesagt: „Ich hätte mir mehr Kompetenzen des Bundes über das Infektionsschutzgesetz vorstellen können, das die Länder auch zu klaren Regeln zwingt. Ich bin da sehr dafür und offen“, sagte der CSU-Chef.

Söder kritisiert Ministerpräsidenten wegen fehlender Corona-Maßnahmen

Konkret wurde Söder bei den nächtlichen Ausgangssperren, die es unter anderem in Bayern schon seit längerem gibt. Diese seien rechtlich bundesweit nicht durchsetzbar, sagte Söder. Aber: „Wenn die Kanzlerin die Initiative ergreifen würde, eine Initiative auf nationaler Ebene, Recht zu ändern und klare Vorgaben zu machen, hätte sie meine Unterstützung.“ Kritik äußerte er auch in einem Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“ an seinen Ministerkollegen.

Dass einige Bundesländer immer noch über Lockerungen spekulieren, während die Infektionszahlen deutschlandweit rasant in die Höhe schnellten und Wissenschaftler sowie Ärzte immer wieder vor einer dritten Welle warnten, die heftiger ausfallen könne als die erste oder zweite Welle, ist Söder ein Dorn im Auge. „Einige Länder haben den Ernst der Lage leider noch nicht verstanden“, sagte der CSU-Chef. Zudem wächst in Deutschland die Kritik am Tempo der Corona-Impfungen, wie hna.de* berichtet. Ein Auslandsreiseverbot scheint aber unwahrscheinlich.

„Wir rennen sehenden Auges ins Verderben“: Corona-Experten fordern Lockdown

Erstmeldung: Frankfurt – Das letzte Treffen der Ministerpräsident:innen und Angela Merkel ist erst wenige Tage vorbei, schon wird ein neuer Corona-Gipfel gefordert. Angesichts der steigenden Fallzahlen in Deutschland wird nach einem harten Corona-Lockdown gerufen. Doch nicht alle Bundesländer wollen diese Entscheidung mittragen.

Winfried Kretschmann (Grüne), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, hat für Anfang nächster Woche neue Gespräche über einen Lockdown in Aussicht gestellt, allerdings nicht in der großen Runde. „Erstmal überlegen wir alle solche Sachen“, sagte Kretschmann am Samstagabend in Stuttgart. „Wir müssen das auch mit anderen Ländern vorbesprechen, mit dem Bundeskanzleramt. Wir sehen halt, die Zahlen rasen förmlich hoch.“ Bei den Gesprächen am Montag und Dienstag müsse man „zu Klarheit kommen“. Ein Vorziehen des nächsten Corona-Gipfel – aktuell für den 12. April geplant – erwähnte er nicht.

Lauterbach fordert zweiwöchigen Corona-Lockdown und kritisiert Lockerungen

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach sich im Berliner „Tagesspiegel“ (Sonntagsausgabe) für einen früheren Corona-Gipfel und rigide Maßnahmen in der Corona-Pandemie aus. Zwei Wochen bundesweite Ausgangssperren sollten dort beschlossen werden. Außerdem sprach er sich gegen Modellversuche aus, bei denen Maßnahmen unter bestimmten Umständen gelockert werden können. „Keine Öffnungen, keine Modellprojekte. Wir brauchen jetzt nicht Jugend forscht“, warnte Karl Lauterbach angesichts der Inzidenz-Werte.

Einen ebensolchen Vorstoß gibt es derweil in Berlin, wo einerseits erste Corona-Lockerungen im Handel und Kulturbereich bestehen bleiben sollen, gleichzeitig aber verschärfte Regeln vor allem bei Tests eingeführt und ergänzt werden. Damit wird die beschlossene „Notbremse“ nicht in der Form durchgesetzt, wie sie ursprünglich geplant war. Auch in Baden-Württemberg wird die Notbremse aufgeweicht, in Gegenden mit mehr als 100 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner pro Woche sollen keine härteren Kontaktbeschränkungen eingeführt werden. Das gab das Land am heutigen Sonntag (28.03.2021) bekannt.

Ebenso werden im Saarland Lockdown-Maßnahmen aufgehoben. „Unsolidarisch“, nannte Lauterbach dieses Vorgehen im „Tagesspiegel“. Das Saarland mache mit den Öffnungen „unsere gesamte Botschaft kaputt“. Zuvor habe das Land zusätzliche Impfdosen bekommen, da es eine Grenzregion zu Frankreich ist und sich die südafrikanische Mutante dort ausbreitet.

Markus Söder: Es braucht eine konsequente Umsetzung der Corona-Notbremse

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kritisierte die Öffnungspolitik einiger seiner Amtskollegen. „Die Corona-Lage spitzt sich zu, einige Länder haben den Ernst der Lage leider noch nicht verstanden“, sagte er der „Augsburger Allgemeinen“ (Montagsaussgabe). Neue Gesprächen zwischen Bund und Ländern sagte er aber ab. „Es braucht nicht ständig neue Gespräche, sondern die konsequente Umsetzung der Notbremse.“

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Aktuelles zur Pandemie finden Sie in den Corona News

Die unterschiedlichen Lockdown-Strategien der Länder seien kontraproduktiv im Kampf gegen die Corona-Pandemie. „Der Flickenteppich in der Corona-Bekämpfung muss beendet werden, dazu gehören Ausgangsbeschränkungen wie in Bayern und Baden-Württemberg“, betonte er. „Die braucht es jetzt in allen Städten und Landkreisen in Deutschland bei einer Inzidenz über 100.“ Wie groß die Verwirrung und die fehlende Kommunikation zwischen den Ländern ist, zeigt sich daran, dass Söder bei seinem Interview von den Lockerungen im benachbarten Baden-Württemberg anscheinend noch nichts wusste.

Ein härteres Vorgehen fordert auch Kanzleramtschef Helge Braun (CDU). „Wenn jetzt parallel zum Impfen die Infektionszahlen wieder rasant steigen, wächst die Gefahr, dass die nächste Virus-Mutation immun wird gegen den Impfstoff“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Sollte das Virus erneut mutieren, „stünden wir wieder mit leeren Händen da“, so Braun. In diesem Fall bräuchte man neue Impfstoffe. Seine Forderung im Kampf gegen Corona: Regionale Ausgangsbeschränkungen.

Corona: Mediziner in Deutschland warnen vor Überforderung der Intensivstationen

„Wir rennen sehenden Auges ins Verderben“, warnte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Gernot Marx, am Sonntag. Er fordert einen harten Lockdown für zwei bis drei Wochen über die Osterferien, um die Corona-Fallzahlen zu senken. „Das wird zahlreiche Menschenleben retten und noch viel mehr vor lebenslangen Langzeitfolgen durch Covid bewahren“, erklärte Marx. Jeder Patient, dem die Intensivstation erspart bliebe, sei die Anstrengung wert. „Unsere Patienten sind gezeichnet fürs Leben“, betonte er.

Sein Kollege Steffen Weber-Carstens mahnte, dass die Situation zwischen Weihnachten und Januar wieder näher rücke. Die Bevölkerung habe gar nicht mitbekommen, wie knapp es gewesen sei, betonte der Intensivmediziner von der Berliner Charité. Damals seien zahlreiche Patienten aus dem Osten oder der Mitte Deutschlands nach Norden geflogen worden, um die Krankenhäuser zu entlasten. Die ersten Anfragen für überregionale Verlegungen habe er bereits diese Woche bekommen.

Mehr Corona-Patienten auf den Intensivstationen: „Ob wir das packen, wage ich zu bezweifeln“

Kein Weg führe mehr an einem harten Lockdown vorbei, sagte der wissenschaftliche Leiter des DIVI-Intensivregisters, Christian Karagiannidis. „Die Frage ist nur, wann dieser ausgelöst wird.“ Die Corona-Patienten auf den Intensivstationen werden schnell wieder mehr. Seit dem 10. März sei die Zahl der Covid-19-Intensivpatienten laut dem DIVI-Intensivregister von 2727 auf 3448 hochgeschnellt. Karagiannidis rechnet mit mehr als 4500 Patienten. „Wird dann ein harter Lockdown beschlossen, schaffen wir es bei knapp über 5000 die Kurve wieder zu senken.“ Wenn länger gewartet wird, steige die Zahl auf mehr als 6000 Menschen. „Ob wir das packen, wage ich zu bezweifeln“, erklärte der Intensivmediziner. (Sebastian Richter)*hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Michael Sohn

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