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Karl Lauterbach (SPD).
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Karl Lauterbach (SPD).

Coronovirus

Lauterbach spricht von „Notlage“ und fordert Notfallzulassung für Curevac

  • Sonja Thomaser
    VonSonja Thomaser
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SPD-Politiker Karl Lauterbach spricht sich für Pragmatismus bei Impfungen gegen Corona aus: Deutschland dürfe nicht auf die langwierige EU-Zulassung warten.

Berlin - SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach warnt in einem Interview, bei der Zulassung von weiteren Impfstoffen keine Zeit durch Warten auf die EU zu verlieren. „Wenn Curevac ähnlich gut wirkt wie Biontech oder Moderna, was zu erwarten ist, sollte der Impfstoff schnellstmöglich zugelassen und verimpft werden“, sagte Lauterbach dem Magazin „Spiegel“. Auf die Zustimmung der EU-Arzneimittelbehörde (EMA) solle Deutschland dann nicht warten: „Bei der EMA dauert es oft zu lange, das haben wir schon bei Biontech gesehen.“

„Wir brauchen jetzt Pragmatismus beim Impfen. Für die große Gruppe der unter 60-Jährigen können die Vektorimpfstoffe realistischerweise nicht eingesetzt werden. Für sie fehlt Impfstoff. Daher wäre deutsche Notfallzulassung von Curevac hier extrem hilfreich“ schrieb Lauterbach am Mittwochnachmittag (14.04.2021) auf Twitter.

Lauterbach sieht Curevac als massive Entlastung

Das Präparat basiert, ähnlich wie die Corona-Impfstoffe Biontech und Moderna, auf dem Botenstoff mRNA, der als Grundbaustein für die Herstellung von Protein im Körper dient. Mithilfe der umprogrammierten mRNA wird dabei das sogenannte „Spike-Protein“ des Coronavirus hergestellt, welches nach der Injektion im Körper zur Aktivierung des Immunsystems sowie der Bildung von Antikörpern und T-Zellen führt. Damit imitiert der Impfstoff von Curevac den Verlauf einer gewöhnlichen Virus-Infektion, mit deren Hilfe das natürliche Abwehrsystem des menschlichen Körpers aktiviert wird. Dadurch soll das Immunsystem im Ernstfall einer tatsächlichen Infektion mit dem Coronavirus in der Lage sein, den Eindringling frühzeitig zu erkennen und erfolgreich zu bekämpfen. 

Bis zu einer offiziellen Zulassung des Curevac-Vakzins durch die EMA könnten jedoch nochmals mehrere Wochen vergehen. Die EU-Behörde hatte sich auch bei Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson länger Zeit gelassen als etwa Regulierer in Großbritannien oder den USA.

Lauterbach: Paul-Ehrlich-Institut kann Notfallzulassung beschließen

„Wir sind in einer Notlage, und der Curevac-Impfstoff wäre eine massive Entlastung“, sagte Lauterbach dem „Spiegel“. Für Deutschland könnte das Paul-Ehrlich-Institut schon vorher eine Notfallzulassung beschließen. „Dies wäre richtig, sofern die Wirksamkeit des Curevac-Impfstoffs hoch ist. „Und wenn die EU-Zulassung dann später kommt, kann sie die deutsche Notfallzulassung ersetzen.“

Lauterbach zufolge hat das Tübinger Unternehmen bereits mehrere Millionen Dosen vorproduziert. Das Unternehmen baute laut eigener Angaben zuvor ein europäisches Netzwerk zur Herstellung seiner Impfdosen auf – bekannte Kooperationspartner sind dabei unter anderem Bayer, Fareva, Rentschler sowie Wacker.

Lauterbach setzt keine Hoffnung auf Sputnik

Für neue Probleme bei der Impfkampagne sorgen die neusten Erkenntnisse zum Impfstoff von Johnson & Johnson - die Behörden in den USA hatten ein vorübergehendes Aussetzen der Impfungen empfohlen, nachdem im Land sechs Fälle der Hirnvenenthrombosen erfasst worden waren. In drei Fällen kam es zusätzlich zu einer Thrombozytopenie, also einem Mangel an Blutplättchen.  Lauterbach geht aber davon aus, dass die EU auch den Johnson & Johnson-Impfstoff einsetzen wird. Dann aber möglicherweise, wie bei Astrazeneca, nur an über 60-Jährige. Dann habe man bei den unter 60-Jährigen wieder ein Mengenproblem, so Lauterbach.

Astrazeneca, Johnson & Johnson sind sogenannte Vektorimpfstoffe. Die seltenen schweren Nebenwirkungen nach der Impfung mit den Präparaten von Astrazeneca und Johnson & Johnson hängen deutschen Experten zufolge möglicherweise mit eben diesem speziellen Typ dieser Impfstoffe zusammen. „Die Tatsache, dass beide Impfstoffe auf dem gleichen Prinzip beruhen und die gleichen Probleme verursachen, spricht meines Erachtens eher dafür, dass der Vektor selbst die Ursache ist“, sagte Johannes Oldenburg vom Universitätsklinikum Bonn der Deutschen Presse-Agentur. Auch Sputnik-V ist ein Vektorimpfstoff. Daher setzt Lauterbach laut „Spiegel“ wenig Hoffnung auf das russische Vakzin. Umso wichtiger wäre dann das Curevac-Serum, so Lauterbach. (Sonja Thomaser mit dpa)

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