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Corona in Deutschland: Experte schlägt Alarm - Lage in den Kliniken schlimmer als im Frühjahr

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  • Matthis Pechtold
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Die Lage auf den Intensivstationen in Deutschland spitzt sich zu - und es ist kein Ende in Sicht. Die Bundesregierung stuft ganz Italien als Corona-Risikogebiet ein.

  • Die Corona-Zahlen in Deutschland steigen rasant - ein zweiter Teil-Lockdown läuft.
  • Italien ist ab Sonntag (08.11.) wieder Risikogebiet. Die Bundeswehr stellt noch mehr Soldat:innen bereit, um das Virus zu bekämpfen.
  • Dieser News-Ticker zur Corona-Pandemie wird laufend aktualisiert. Die bisherigen Entwicklungen in der Corona-Pandemie können Sie hier nachlesen.

Update vom Sonntag, 08.11.2020, 13.15 Uhr: Die Zahl der Corona-Patienten auf Intensivstationen hat in Deutschland fast wieder den Höchstwert vom Frühjahr erreicht. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) meldete am Sonntag, dass 2904 Covid-19-Patienten intensivmedizinisch behandelt werden. Davon werden 1605 (55 Prozent) invasiv beatmet. Der bisherige Höchststand war laut DIVI am 18. April mit 2933 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen erreicht worden.

Der Anstieg der Notfälle steigt weiter

Tatsächlich sei die Lage in den Kliniken derzeit sogar schlimmer als im Frühjahr, sagte Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), der DPA. Es gebe wesentlich mehr infizierte Patienten auf den anderen Stationen - von denen ein Teil noch auf den Intensivstationen landen werde. Die gesamte Infektionslage sei nicht mit der im April vergleichbar.

Anders als bei der Spitze am 18. April werde diesmal kein Abflauen folgen, der Anstieg werde sich vielmehr vorerst fortsetzen, sagte Janssens. Der Grund sei, dass sich die jeweilige Zahl an Neuinfektionen erst verzögert in schweren Verläufen und schließlich in der Belegung der Intensiv-Stationen niederschlägt. „In vier Wochen werden wir die Folgen der Spitzenwerte jetzt sehen.“ Einige Zentren seien bereits am Anschlag, es müssten vereinzelt bereits Covid-19-Patienten in andere Kliniken gebracht werden.

Ein Covid-19-Patient wird in einen Hubschrauber gebracht

Ganz Italien wird Risikogebiet

Update vom Freitag, 06.11.2020, 17.30 Uhr: Italien gilt ab Sonntag (08.11.) als Risikogebiet. Das entschied die Bundesregierung, nachdem die Corona-Fallzahlen dort wieder massiv ansteigen. Indes nimmt das Robert-Koch-Institut das gesamte portugiesische Festland, fast ganz Schweden und Dänemark mit Ausnahme der Inseln Grönland und Färöer in seine Risikoliste auf.

Erstmals seit dem Frühjahr werden wieder französische Corona-Patient:innen nach Deutschland verlegt.

Update vom Freitag, 06.11.2020, 16.00 Uhr: Mindestens drei an Covid-19 erkrankte Franzosen sind nach Deutschland verlegt worden. Die Patient:innen kommen aus der französischen Grenzregion Grand Est, sie sollen im Saarland behandelt werden. Es sind die ersten Aufnahmen von nicht-deutschen Corona-Patient:innen seit dem Frühjahr. Damals nahmen deutsche Krankenhäuser rund 130 französische Staatsbürger und Staatsbürgerinnen auf. Bis Ende kommender Woche könnten in Frankreich vielerorts die Belastungsgrenzen erreicht werden. Die Verlegung der drei Patient:innen geschieht damit vorsorglich.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) spricht von „bitterer Pille“

Update vom Freitag, 06.11.2020, 11.00 Uhr: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nennt die aktuellen bundesweiten Einschränkung eine „bittere Medizin“ gegen Corona. Das sagte er am Freitag (06.11.2020) im Bundestag. Zwar brächten sie Härten und Verzicht für Hunderttausende Bürger, seien aber nötig, um die Infektionskurve abzuflachen und das Gesundheitssystem nicht kollabieren zu lassen. Sind die Intensivstationen bereits überfüllt, wäre es zu spät. Das Krisenmanagement werde nicht allein nach den Infektionszahlen ausgerichtet, betonte er.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Bundestag

Noch mehr Soldaten: Bundeswehr stockt Kontingent für Amtshilfe auf

Update vom Donnerstag, 05.11.2020, 14.00 Uhr: Die Bundeswehr stockt ihr Kontingent für Hilfseinsätze in der Corona-Krise um 1000 Soldaten auf. Das sagte Generalleutnant Martin Schelleis, Inspekteur der Streitkräftebasis und Nationaler Territorialer Befehlshaber, am Donnerstag in einer Telefonkonferenz, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet. Damit werden bis spätestens Ende November 16.000 Soldaten für Hilfseinsätze zur Bekämpfung der Pandemie bereitstehen. Sie werden zu sogenannter Amtshilfe vor allem in Gesundheitsämtern, aber auch Testzentren, Alten- und Pflegeheimen eingesetzt. Ob noch weitere Soldaten in die Reserve einbezogen werden sollen, wird von der Bundeswehr derzeit geprüft.

Auch Soldaten helfen mittlerweile vielerorts bei der Kontaktverfolgung (Symbolbild).

Corona: Menge der Tests überlastet Labore zunehmend

Update vom Donnerstag, 05.11.2020, 07.00 Uhr: Immer öfter kommen Corona-Labore mit dem Auswerten von Tests nicht hinterher. So meldeten laut Robert Koch-Institut (RKI) in der vergangenen Kalenderwoche (bis 1.11.) 69 Labore einen Rückstau von insgesamt 98 931 abzuarbeitenden Proben. Zwei Wochen zuvor waren es noch 52 Labore mit 20 799 abzuarbeitenden Proben, wie aus dem RKI-Lagebericht von Mittwochabend hervorgeht. 55 Labore nannten laut RKI zuletzt Lieferschwierigkeiten für Reagenzien unter anderem zum Auswerten der Tests, Plastikverbrauchsmaterialien und Pipettenspitzen.

Die sogenannte Positivenquote bei Corona-Tests in Deutschland hat sich derweil in den vergangenen zwei Monaten in etwa verzehnfacht. So schlugen in Kalenderwoche 44 (bis 1.11.) laut RKI etwa 7,3 Prozent der Tests an - der höchste Wert seit der ersten Aprilhälfte. In Kalenderwoche 35 (bis 30.8.) waren es noch rund 0,7 Prozent.

Corona in Deutschland: Die Zahl der positiv Getesteten steigt rasant.

Zahl der Corona-Tests steigt auf Rekordwert an

Die Zahl der wöchentlich durchgeführten Tests kletterte in den vergangenen zwei Monaten deutlich um mehr als 400 000. 191 Labore meldeten zuletzt rund 1,6 Millionen solcher Laboruntersuchungen in einer Woche - ein Rekordwert für Deutschland. Die Entwicklung bei Positivenrate und Test-Anzahl spiegelt sich im über Wochen starken Anstieg bei den gemeldeten Neuinfektionen wieder.

Geringverdiener verdienen immer weniger - Reiche werden reicher

+++ 15.49 Uhr: Die Wirtschaft leidet weiterhin unter der Corona-Pandemie. Laut Deutscher Bundesbank sind viele Menschen direkt durch Einbußen infolge der Pandemie betroffen. 46 Prozent der rund 2000 Befragten einer im Mai durchgeführten Studie gaben an, von Einnahmeausfällen betroffen zu sein. Dagegen sind nur 28 Prozent der Personen betroffen, die keinem Erwerb nachgehen, unter ihnen vor allem Rentner:innen und Pensionierte.

Je geringer das Einkommen, desto größer war dabei die Sorge um Verluste durch Corona, erklären die Autoren der Studie. Sie sehen einen Zusammenhang zu schlecht bezahlten Anstellungen in prekären Arbeitsverhältnissen. Die Landesarmutskonferenz in Niedersachsen befürchtet auch eine wachsende Zahl an Obdachlosen, wenn mehr Menschen aufgrund der Einbußen ihre Wohnung nicht mehr finanzieren können.

Superreiche in Deutschland werden trotz Corona reicher

Die reichsten Deutschen haben dagegen auch in der Corona-Pandemie ihr Vermögen ausbauen können. Das haben das Beratungsunternehmen PwC und die Schweizer Bank UBS errechnet. „Covid-19 beschleunigt nun überdurchschnittlich das Vermögenswachstum in den innovationsgetriebenen Bereichen wie dem Technologie- oder Gesundheitssektor und sorgt damit für eine Verschiebung des Vermögens“, erklärt der oberste Anlagestratege der UBS in Deutschland, Maximilian Kunkel. Die reichsten Familien sind nach einer Auswertung des „Manager Magazin“ die Familie Reimann (geschätzt 32 Milliarden Euro) zu deren Imperium unter anderem die Hygienemarke Sagrotan gehört. An zweiter Stelle folgt Lidl-Gründer Dieter Schwarz mit geschätzten 30 Milliarden Euro Vermögen. An dritter Stelle stehen BMW-Anteilseigner Stefan Quandt und Susanne Klatten mit 25 Milliarden Euro.

„Fiktiver Unternehmerlohn“ für Kulturbranche in Corona-Pandemie

Besonders betroffen durch den Corona-„Teil-Lockdown“ ist die Kulturbranche. Daher soll für die Kulturbranche ein „fiktiver Unternehmerlohn“ von 75 Prozent des Umsatzes als direkte Hilfe erhalten. Das kündigte die Bundesregierung am Mittwoch an. Solo-Selbstständige können dabei ihren Umsatz aus dem November 2019 oder ihren monatlichen Durchschnittsverdienst von 2019 als Grundlage nutzen. Das soll der Tatsache gerecht werden, dass viele Kreative und Kulturschaffende in einigen Monaten kaum oder gar keine Einnahmen verzeichnen. Anspruchsberechtigt ist, wer regelmäßig 80 Prozent seines Umsatzes in jetzt wegen Corona geschlossenen Einrichtungen erwirtschaftet.

Hierfür geben die Deutschen in der Corona-Pandemie am wenigsten aus

Update vom Mittwoch, 04.11.2020: 9:29 Uhr: Wer während der Corona-Pandemie den Gürtel enger schnallen muss, spart in erster Linie bei Konsumausgaben. Dies geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Kantar hervor. Demnach haben sich in den vergangenen drei Monaten fast neun von zehn Bundesbürgern (86 Prozent) bei den Ausgaben für Konsumgüter eingeschränkt.

Fast zwei Drittel der Befragten (64 Prozent) gaben an, weniger Geld für Kulturveranstaltungen ausgegeben zu haben. Durch die Corona-Pandemie ebenfalls stark betroffen sind die Reisebranche und die Gastronomie. Den Ergebnissen der Umfrage zufolge gaben auch hier über die Hälfte der Bundesbürger (jeweils 57 Prozent) an, weniger Geld ausgegeben zu haben.

Corona in Deutschland: 60-Stunden-Woche für Pflegekräfte in Niedersachsen

+++ 16.07 Uhr: In Niedersachsen sollen Pflegekräfte bis zu 12 Stunden am Tag und 60 Stunden pro Woche arbeiten. Das sieht eine Verfügung der Landesregierung vor. Hintergrund ist die wachsende Zahl der Corona-Kranken, welche intensive Pflege benötigen. Der Landesfachbereichsleiter der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, David Matrai, kritisierte die Entscheidung umgehend scharf: „Eine Aushöhlung des Arbeitsschutzes ist für uns der völlig falsche Weg“, so Matrai. Die Beschäftigten in der Pflege seien durch die Corona-Pandemie ohnehin bereits stark belastet.

Die Grünen wollen mit einem Antrag im niedersächsischen Landtag die Verordnung wieder zu Fall bringen. „Die Pflegefachkräfte müssen wieder ausbaden, was die Politik seit langem versäumt hat“, so die gesundheitspolitische Sprecherin der Partei, Meta Janssen-Kucz. Sinnvoller sei es, kurzfristig Freiwillige zu gewinnen und zu qualifizieren, um Pflegekräfte in der Corona-Pandemie zu unterstützen. Langfristig sollte laut Janssen-Kucz der Personalbestand in der Pflege ausgebaut werden.

Spahn warnt vor schwerer Phase der Corona-Pandemie

+++ 13.05 Uhr: Jens Spahn hat angesichts drastisch steigender Infektionszahlen vor der aktuellen Corona-Situation in Deutschland gewarnt. „Diese Pandemie ist eine echte Mammutaufgabe“, sagte der Bundesgesundheitsminister in der Bundespressekonferenz in Berlin.

Seit acht Monaten werde daran gearbeitet, das Coronavirus einzudämmen. „Und nach allem, was wir wissen, haben wir den Höhepunkt dieser Aufgabe noch nicht erreicht.“ Die Lage sei ernst. Es gehe nun um eine „nationale Kraftanstrengung“.

Corona in Deutschland: Andreas Scheuer in Quarantäne

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat sich derweil nach dem Corona-Fall bei Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) in Quarantäne begeben. Ein Schnelltest bei Scheuer sei negativ gewesen, er gehe aber nach Absprache mit Ärzten in Quarantäne, sagte eine Sprecherin am Dienstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Update vom Dienstag, 03.11.2020: 10:25 Uhr: Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Er habe nach ersten Erkältungserscheinungen am Sonntag keine Diensttermine mehr wahrgenommen, teilte Regierungssprecher Florian Engels am Dienstag mit. Nun würden Kontaktpersonen identifiziert.

Brandenburgs Regierungschef Woidke ist auch mit Corona infiziert.

Drosten warnt in Zeiten von Crona vor steigenden Neuinfektionen

Erstmeldung vom 02.11.2020, 17.58 Uhr: In der Debatte über die Corona-Maßnahmen hat der Virologe Christian Drosten an die schwierigen Entscheidungen von Ärzten im Fall einer Überlastung der Intensivstationen erinnert. In einem Vortrag erläuterte er das Vorgehen namens Triage, bei dem Patienten im Extremfall sortiert werden und nicht die zuerst behandelt werden, denen es am schlechtesten geht, sondern die, deren Überlebenschance am höchsten ist.

Man habe zum Beispiel einen alten Covid-19-Patienten, der seit einer Woche auf der Intensivstation beatmet werde, mit einer Überlebenschance zwischen 30 und 60 Prozent. Und dann komme ein 35-jähriger Vater dreier Kinder mit einem schweren Covid-19-Verlauf. Der jüngere Patient müsse dringend an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden, sonst sei er übermorgen tot - das wisse man als Intensivmediziner, sagte Drosten bei einer Veranstaltung in Meppen am Freitagabend. 

Corona-Krise in Deutschland: Drosten warnt vor sich schnell füllenden Intensivstationen

„Was machen Sie? Sie müssen einen der älteren Patienten abmachen. Das ist, was Triage bedeutet“, sagte Drosten. „Und aus diesem Grund hat die Bundesregierung beschlossen, in diese Maßnahmen einzutreten, die wir jetzt haben.“ In unserem Kulturkreis gebe es ein anderes Ethikverständnis als in anderen Kulturkreisen: „Bei uns zählen alle Menschenleben.“ Drosten erläuterte, wie schnell sich zuletzt die 400 Intensivbetten der Charité mit Covid-19-Patienten füllten. Ein Teil der geplanten Operationen werde bereits abgesagt. Laut dem Lagebericht der Berliner Gesundheitsverwaltung vom Sonntag hat sich die Zahl der Covid-19-Patienten auf Intensivstationen in der Hauptstadt innerhalb von elf Tagen verdoppelt.

Corona in Deutschland: Teil-Lockdown soll Infektionszahlen eindämmen

Das Wort Triage stammt vom französischen Verb „trier“, was „sortieren“ oder „aussuchen“ bedeutet. Das System kommt aus der Militärmedizin: Ende des 18. Jahrhunderts fanden sich im „Königlich-Preußischen Feldlazareth-Reglement“ erste Angaben, wie Verwundete nach Schweregraden eingeteilt werden sollten.

Die Politik hofft, mit einem seit Montag geltenden Teil-Lockdown die rasant gestiegenen Corona-Infektionszahlen und den wachsenden Druck auf das Gesundheitswesen wieder in den Griff zu bekommen. (tom mit dpa)

Rubriklistenbild: © obs/ADAC Luftrettung

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