Pandemie in Deutschland

Sonderweg in der Corona-Krise: Tübingen-OB Boris Palmer will Sammeltaxis für Senioren

  • Moritz Serif
    vonMoritz Serif
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Die Corona-Krise grassiert bundesweit. Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer plädiert für den schwedischen Sonderweg. Zumindest teilweise.

  • Schweden setzt während Corona nach wie vor auf Appelle, statt auf Verbote.
  • In Deutschland hat hingegen der Teil-Lockdown begonnen.
  • Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) verkündet, dass Senioren den Stadtbus nicht nutzen sollen.

Tübingen - Schweden geht einen Corona-Sonderweg bezüglich der Maßnahmen, der auf Appellen anstatt auf Verboten beruht, und auf die Eigenverantwortung der Menschen baut. Während es in Deutschland den Teil-Lockdown gibt, verzichten die Schweden auf strengere Corona-Regeln. Die Maskenpflicht gibt es nicht, auch keine Maßnahmen wie eine Ausgangssperre. Bußgelder werden nicht verhängt, dennoch passen sich die Bürger:innen an.

Wie eine Erhebung der „Swedish Civil Contingencies Agency“ ergab, haben 80 Prozent der Menschen ihr Verhalten geändert und eigenständig Kontaktbeschränkungen und Hygienemaßnahmen umgesetzt. Aber: Schweden hat eine der höchsten Corona-Sterberaten in Europa. 6000 Menschen sind dort bereits gestorben. Auf Deutschland umgerechnet wären das rund 49.000 Tote. Somit ist die Rate in Schweden niedriger als beispielsweise in Spanien, wo 35.639 Menschen gestorben sind. Allerdings hat Schweden deutlich weniger Einwohner als Deutschland und Spanien.

Corona: Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) schlägt Schwedens Weg ein

Nun möchte auch Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) den Corona-Sonderweg der Schweden einschlagen. Zumindest teilweise. „Der Tübinger Appell setzt wie Schweden auf Eigenverantwortung und besonderen Schutz der Alten“, sagte er der „Bild“-Zeitung. Unter anderem rief Palmer Senior:innen dazu auf, den Tübinger Stadtbus nicht zu nutzen. Im Unterschied zum schwedischen Modell setzt der OB auf freiwillige Appelle, die nicht mit dem in Deutschland durchgesetzten Teil-Lockdown konkurrieren sollen.

Tübigen: Wegen Corona - Senioren sollen Sammeltaxi für wichtie Fahrten nehmen

„Damit wir mit den nun beschlossenen Entbehrungen die erhoffte Eindämmung des Coronavirus erreichen, möchten wir an Sie alle appellieren, die neuen Regeln nicht nur zu respektieren, sondern einen Schritt weiterzugehen“, heißt es in dem Appell. Die Bürger:innen sollen jeden Kontakt daraufhin überprüfen, ob er notwendig ist. Bei wichtigen Fahrten werden Senioren dazu aufgerufen, ein Sammeltaxi zu nehmen.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer rät Senioren in Zeiten von Corona, Taxi zu fahren

„Wir bitten alle, die fit genug sind, nicht den Bus, sondern das Fahrrad zu nutzen, auch wenn es jetzt kälter wird“. Jüngere Menschen sollen in Tübingen zwischen 9.30 und 11 Uhr nicht einkaufen gehen, um das Corona-Infektionsrisiko für Senioren zu sinken. Außerdem möchte Palmer alle Bürger:innen über 65 Jahren kostenlos mit hochwertigen FFP2-Masken versorgen. Den Appell hatten Boris Palmer mit Cord Soehlke, Bau- und Erster Bürgermeister, Daniela Harsch, Bürgermeisterin und Michael Bamberg, Ärztlicher Direktor der Uniklinik und Kreisvorsitzenden des Roten Kreuzes, unterzeichnet. (Moritz Serif)

Die Bundeskanzlerin stellt sich den Fragen: Angela Merkel gibt eine Pressekonferenz zum Corona-Teil-Lockdown in Deutschland.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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