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Frühe Antikörper entdeckt

Coronavirus grassiert offenbar seit 2019 in Italien - Gibt es im Norden Herdenimmunität?

  • Matthis Pechtold
    vonMatthis Pechtold
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  • Tim Vincent Dicke
    Tim Vincent Dicke
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Das Coronavirus grassierte möglicherweise schon viel früher in Italien. Im Norden könnte bereits eine Art Corona-Herdenimmunität bestehen.

  • Im Frühjahr 2020 wird Italien mit voller Wucht von der ersten Welle der Corona-Pandemie getroffen, viele Menschen sterben.
  • Nun wollen Wissenschaftler:innen herausgefunden haben: Das Coronavirus grassierte bereits früher als bisher angenommen in dem Mittelmeerland.
  • Datenauswertungen legen nahe, dass in der schwer gebeutelten Region Lombardei bereits eine Art Herdenimmunität eingetreten sein könnte.

+++ 20.41 Uhr: Die Zahl der Corona-Toten bleibt in Italien weiterhin hoch. Am Dienstag (17.11.2020) registrierten die Behörden 731 neue Todesopfer im Zusammenhang mit dem Coronavirus innerhalb von 24 Stunden. Ähnlich hohe Werte hat es in dem Land zuletzt Anfang April, zur Zeit der ersten Corona-Welle, gegeben. Wie die Deutsche Presse-Agentur meldet, ist die Zahl der Toten in dem 60-Millionen-Einwohner:innen-Land damit seit Februar diesen Jahres auf 46.464 gestiegen.

Trotz dieser hohen Zahlen verwiesen Expert:innen im Hinblick auf die aktuelle Ausbreitung des Coronavirus in Italien auch auf positive Signale. So sei etwa die tägliche Opferzahl auf Corona-Infektionen zurückzuführen, die schon einige Zeit zurücklägen. Auch sei ein leichter Rückgang der Infektionszahlen zu verzeichnen. Meldeten die italienischen Behörden vor einer Woche noch mehr als 35.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus an einem Tag, belief sich die Zahl für den heutigen Dienstag (17.11.2020) auf 32.191 Neuinfektionen.

Corona in Italien: In sieben Regionen gelten bereits Ausgangssperren

Die italienische Regierung in Rom hat seit Oktober zunehmend schärfere Beschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus verhängt. Sieben der insgesamt 20 Regionen Italiens sind mittlerweile zu sogenannten Roten Zonen erklärt worden. In diesen dürfen die Bewohner:innen nur in Ausnahmefällen wie für den täglichen Weg zur Arbeit und zum Einkaufen das Haus verlassen.

Mailand in Italien während des Lockdowns im November.

Herdenimmunität in Italien? Coronavirus grassiert offenbar seit 2019 - Regierung spricht von stabiler Lage

Update vom Dienstag, 17.11.2020, 15:15 Uhr: Trat das Coronavirus in Italien bereits viel früher auf, als bisher angenommen? Neue Erkenntnisse gehen aus einer Studie des nationalen Krebsinstituts INT in Mailand sowie der Universität Siena hervor und wurden am Sonntag (15.11.2020) in der Fachzeitschrift „Tumori Journal“ präsentiert. Demnach könnte das Coronavirus bereits seit September 2019 in Italien grassiert haben.

Derweil stuft die italienische Regierung die nächsten sieben bis zehn Tage als entscheidende Phase im Kampf gegen die Corona-Ausbreitung ein. Wie Gesundheitsminister Roberto Speranza sagte, gebe es ein Bündel von Anzeichen, dass sich die Lage in dem Mittelmeerland stabilisieren könnte. Der Minister sprach in der Zeitung „La Stampa“ vom Montag davon, dass für Italien in der zweiten Corona-Welle das „Plateau“ in Sicht sei, wenn sich etwa die Ansteckungsraten und die Zahl der Intensivpatienten weiter stabilisierten.

Corona: Herdenimmunität in Teilen Italiens?

Update vom Montag, 16.11.2020, 12.20 Uhr: In Italien könnte in einzelnen Regionen bereits eine sogenannte Herdenimmunität eingetreten sein. Das legt die Auswertung von Daten durch die italienische Tageszeitung „Il Fatto Quotidiano“ nahe. So hätten die Infektionszahlen in der norditalienischen Provinz Bergamo im Oktober vergleichsweise kaum zugenommen. Bergamo gehört zu den Gegenden, in denen das Virus im Frühjahr schwer gewütet hatte. Mailand dagegen, wo es während der ersten Infektionswelle Anfang des Jahres zu weniger Neuinfektionen kam, verzeichnete im Oktober einen massiven Anstieg der Fallzahlen. Corona wütet mittlerweile wieder vielerorts in Italien*.

Auch eine Herde: Gestapelte Stühle vor einem geschlossenen Cafe in Venedig

Coronavirus: Antikörper im Blut könnten Herdenimmunität in Bergamo (Italien) möglich machen

Dass Bergamo von der zweiten Infektionswelle bisher weitgehend verschont wurde, sei auf die vielen Menschen mit Antikörpern zurückzuführen, so zitiert die Zeitung „Welt“ einen in Bergamo arbeitenden Arzt. Dieser weist in der „Welt“ jedoch auch darauf hin, dass Antikörper gegen das Coronavirus nicht ewig im Blut bleiben würden. Es sei von Mensch zu Mensch unterschiedlich, wie schnell diese verschwinden würden.

Zum aktuellen Infektionsgeschehen in der italienischen Region Lombardei gibt es auch andere Theorien. So könnte der erste schwere Ausbruch des Virus die Bewohner:innen nachhaltig davon überzeugt haben, die strengen Schutzmaßnahmen konsequent mitzutragen, wie die „Welt“ mutmaßt. Bis sicher ist, dass in den bis dato schwer betroffenen Provinzen in Italien wirklich eine Art Herdenimmunität eingetreten ist, wird also noch weiter geforscht werden müssen.

Originalmeldung: Rom – Das Coronavirus Sars-CoV-2 verbreitete sich offenbar bereits im September 2019 in Italien deutlich früher als bisher von den meisten Wissenschaftlern angenommen. Die neuen Erkenntnisse gehen aus einer Studie des nationalen Krebsinstituts INT in Mailand sowie der Universität Siena hervor und wurden am Sonntag (15.11.2020) in der Fachzeitschrift „Tumori Journal“ präsentiert. Zunächst berichtete die italienische Tageszeitung „La Repubblica“ darüber.

Corona in Italien: Wissenschaftler entdecken Antikörper in Proben aus dem September 2019

Untersucht wurden bei der italienischen Studie 959 Personen, die im Zeitraum September 2019 bis März 2020 an Vorsorgeuntersuchungen für mögliche Tumore in den Lungen teilgenommen hatten. Dabei stellten die Wissenschaftler nachträglich fest, dass 11,6 Prozent der behandelten Personen Coronavirus-Antikörper in sich trugen.

14 Prozent der nachträglich positiv auf das Coronavirus getesteten Proben stammen aus dem September 2019, 30 Prozent der positiven Proben wurden in der zweiten Februarwoche 2020 entnommen. 53,2 Prozent aller positiven Proben kommen aus der Lombardei – die norditalienische Region wurde im Frühjahr besonders schwer von der ersten Corona-Welle getroffen.

Italien wird von der Corona-Krise mit voller Wucht getroffen.

Hat sich das Coronavirus deutlich früher in Italien verbreitet als angenommen?

Erst Mitte Februar meldeten die Behörden den ersten Corona-Infizierten in Italien. Die neue Studie deutet jedoch darauf hin, dass sich das Virus bereits früher außerhalb Chinas verbreitet haben könnte. Erst am 31. Dezember 2019 bestätigten chinesische Behörden den Ausbruch einer neuen Lungenentzündung in Wuhan, die Ursache der Erkrankung sei damals laut Behörden jedoch nicht bekannt gewesen.

Italienische Experten betrachten die neue Studie laut „La Republicca“ mit Vorsicht. Massimo Galli, Direktor für Infektionskrankheiten im Mailänder Krankenhaus Sacco Di Milano, sagte der Zeitung, er warte noch auf „echte Bestätigungen“. Es sei schwer zu glauben, dass das Coronavirus bereits so lange in Italien grassiert sei. Schließlich sei es zuvor nicht zu größeren Ausbrüchen gekommen.

Corona-Situation verschärft sich dramatisch: Ärzte in Italien am Limit

Die Corona-Situation in Italien verschärft sich nach einer Entspannung im Sommer wieder deutlich. Das Krankenhauspersonal arbeitet vielerorts unter Dauerstress und am Rande der Kapazitäten: „Wir fühlen uns schlecht, sehr schlecht“, sagte Claudio Zanon, Leiter des Valduce-Krankenhauses in der Lombardei.

„Anders als während der ersten Welle ist das Gesundheitspersonal frustriert, demotiviert, gestresst und leidet unter Burnout“, beschrieb er die Lage in Como in einer Videokonferenz mit der Auslandspresse in Rom. „Es gibt eine breite Niedergeschlagenheit, die im Kampf gegen die Epidemie nicht hilft.“ Auch aus anderen Regionen Italiens gab es vergleichbare Berichte.

Sein Haus habe keine freien Betten mehr, auch nicht auf der Intensivstation, sagte Zanon. Das Haus müsste auf 70 der rund 600 Ärzte, Ärztinnen und Krankenschwestern verzichten, weil sie mit dem Coronavirus infiziert seien, erläuterte er. Am Mittwoch (11.11.2020) ordnete Zanon die Schließung der Notaufnahme des Hospitals an.

Italien meldet erneut extrem hohe Corona-Infektionszahlen und viele Todesfälle

Am Sonntag (15.11.2020) meldeten die italienischen Gesundheitsbehörden knapp 34.000 Neuinfektionen und 546 Tote binnen eines Tages – trotz geringerer Testkapazitäten am Wochenende. Die Gesamtzahl der registrierten Corona-Fälle in dem Mittelmeerland liegt bei etwas weniger als 1,18 Millionen. Seit Beginn der Pandemie sind rund 45.000 Menschen in Italien an den Folgen der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. In Italien gelten seit vergangener Woche strenge Corona-Regeln, in einigen Regionen kommen sie einem Lockdown gleich.

Angesichts erster Erfolge bei der Impfstoffentwicklung hat sich Außenminister Luigi Di Maio optimistisch gezeigt, dass sich die Corona-Lage bald verbessern wird. „Ich sehe ein Licht am Ende des Tunnels“, sagte Di Maio im Interview mit dem Fernsehsender La7. Mit dem Impfstoff könne in eine neue Normalität eingetreten werden. Bis Dezember oder Januar würden die ersten Dosen eintreffen. „Wir haben auf internationaler Ebene Verträge unterschrieben und der Zeitplan scheint sich nicht geändert zu haben“, erklärte Di Maio. (Tim Vincent Dicke mit dpa) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © Marco Alpozzi/dpa

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