Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Corona-Mutationen

Virologe Drosten sieht indische Mutante gelassen: „In der Medienbewertung überschätzt“

  • Friederike Meier
    VonFriederike Meier
    schließen

In Indien steigen die Neuinfektionen mit der neuen Variante des Coronavirus rasant an. Doch wie gefährlich ist die Doppelmutation und wie gut helfen Impfstoffe?

Update vom 28.04.2021, 05.00 Uhr: Der Virologe Christian Drosten zeigt sich angesichts der bisherigen Erkenntnisse über die indische Corona-Variante B.1.617 weiter relativ gelassen. Anhand der sehr kleinen verfügbaren Datenbasis lasse sich schließen, dass die Mutante nicht allein die heftige Infektionswelle in dem Land verursache, „sondern das ist mehr eine bunt gemischte Virus-Population“, sagte der Wissenschaftler von der Charité in Berlin im Podcast „Coronavirus-Update“ (NDR-Info) vom Dienstagabend. Auch die ansteckendere Variante B.1.1.7, die mittlerweile hierzulande dominiert, sei stark vertreten.

Indische Variante B.1.617 verbreitungsfähiger und robuster gegen Immunität

In Indien kommen derzeit aus Sicht Drostens mehrere Effekte zusammen: Herdenimmunität sei dort einer Studie zufolge bei weitem noch nicht erreicht gewesen. Es werde nun eine Bevölkerung durchseucht, die schon ein bisschen die Anfangsimmunität aus den bisherigen Wellen zu verlieren beginne, sagte der Virologe. Gleichzeitig sei die Variante B.1.617 etwas verbreitungsfähiger und robuster gegen die Immunität. In der Fachsprache ist von Immunescape (Immunflucht) die Rede. Diese Eigenschaft sei bei B.1.617 leicht ausgeprägt. Das sei auch im Vergleich mit anderen Varianten „nichts, was einen wirklich groß beunruhigt“.

Die Zahl der Corona-Fälle steigt in Indien schneller an als irgendwo sonst auf der Welt.

Im Moment halte er die Variante B.1.617 „in der Medienbewertung (für) überschätzt“, sagte Drosten. Auch gebe es keine Belege, dass Menschen durch sie schwerer erkrankten. „Wenn viele Leute zur gleichen Zeit infiziert werden, dann hat man auch bei den jüngeren Altersgruppen auf einmal, absolut gesehen, ganz viele Kranke in einem kurzen Zeitfenster.“ In Indien sei zudem die Grundgesundheit der Bevölkerung weniger gut als in Deutschland, was den Effekt der jüngeren Bevölkerung wieder etwas ausgleiche. Drosten machte aber deutlich, dass sich der Sachstand ändern kann: „Es kann sein, dass in zwei Monaten sich herausstellt, dass doch irgendwas ist mit diesem Virus.“

Corona-Pandemie: Wie gefährlich ist die indische Variante B.1.617?

Erstmeldung: In Indien ist die Corona-Lage sehr angespannt. Seit Tagen infizieren sich mehr als 300.000 Menschen am Tag neu mit dem Coronavirus. Am gestrigen Montag (26.04.2021) wurden sogar gut 350.000 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden gemeldet, mehr als je ein Land in so kurzer Zeit gemeldet hat. Indien mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern hat mehr als 17 Millionen Infektionen erfasst. In absoluten Zahlen ist das Land damit hinter den USA am härtesten von der Pandemie betroffen.

Die in Indien aufgetauchte neue Corona-Variante B.1.617 löst deshalb Besorgnis aus: Ist sie ansteckender? Führt sie zu schwereren Verläufen? Helfen Corona-Impfstoffe gegen sie? Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat angesichts der Corona-Variante vor voreiligen Schlüssen gewarnt.

Die WHO beobachte die Variante, habe sie aber noch nicht als besorgniserregend eingestuft. Als besorgniserregend gilt eine Variante, wenn bekannt ist, dass sie sich leichter ausbreitet, schwerere Krankheiten verursacht, dem Immunsystem entgeht, das klinische Erscheinungsbild verändert oder die Wirksamkeit der bekannten Instrumente verringert.

WHO: Noch nicht klar, ob indische Corona-Variante B.1.617 Grund für Anstieg ist

Bislang ist laut WHO nicht klar, in welchem Ausmaß die Variante für den rapiden Anstieg der Fälle in Indien mitverantwortlich ist. Es gebe viele Faktoren, die dazu beigetragen haben könnten. So hätten in jüngster Zeit Feste und Veranstaltungen mit vielen Teilnehmern stattgefunden. Zudem verbreite sich B.1.617 neben anderen ansteckenderen Varianten wie der zuerst in Großbritannien nachgewiesenen Variante B.1.1.7.

Ob B.1.617 mehr schwere Krankheitsverläufe auslöse und damit zu höheren Todeszahlen beitrage, sei bislang ebenfalls nicht klar, sagte die Sprecherin. Die höheren Todeszahlen könnten auch daran liegen, dass Kliniken ihre Kapazitätsgrenzen erreicht haben.

Corona: Indien-Variante ist „Doppelmutation“ - Antikörper weniger wirksam?

Laut indischen Medienberichten wurde die Variante zum ersten Mal im Oktober nachgewiesen und ist jetzt die hauptsächlich verbreitete Variante in Indien. Daneben wurde sie bereits in mehreren Staaten entdeckt, unter anderem in Großbritannien und den USA. In Deutschland gibt es laut dem Robert-Koch-Institut derzeit 21 bestätigte Fälle mit der Variante.

Die Variante B.1.617 wird oft als „Doppelmutation“ bezeichnet. Das bedeutet, dass sie zwei signifikante Mutationen am „Spike-Protein“ genannten Oberflächenprotein des Virus hat.

Laut dem Robert-Koch-Institut wird sowohl die Mutation E484Q als auch L452R damit in Verbindung gebracht, dass Antikörper im Blut nicht so gut gegen die Variante wirken könnten. Bei der Mutation L452R komme hinzu, dass T-Zellen eventuell nicht so wirksam sein könnten - das könnte laut der WHO die Behandlung mit Antikörpern weniger effizient machen.

Die Mutation E484Q liegt am gleichen Ort auf dem Erbgut wie die Mutation E484K, die unter anderem bei der brasilianischen Variante P.1 auftritt. Die Zahlen-Buchstaben-Kombinationen geben an, wo auf dem Erbgut des Virus die Mutation stattgefunden hat und welche Aminosäure gegen eine andere ausgetauscht wurde.

Indische Corona-Variante: RKI will Importe nach Deutschland verhindern

Die indische Variante könnte außerdem ansteckender sein. Laut dem RKI gibt es Hinweise, dass diese Mutationen die Übertragbarkeit der Variante erhöhen, etwa dadurch, dass sie besser an menschliche Zellen bindet.

Themenseite zum Coronavirus

Aktuelle Neuigkeiten zur Pandemie finden Sie in den Corona News.

Wie Lars Schaade, Vize-Präsident des Robert-Koch-Instituts, am vergangenen Freitag (23.04.2021) in der Bundespressekonferenz betonte, ist die Vermutung über die eingeschränkte Immunantwort noch nicht bestätgt. Dies sei noch nicht mit Daten belegt. „Diese Variante könnte uns vor neue Herausforderungen stellen. Aber die Belege sind noch nicht da“, sagte Schaade. Man müsse versuchen zu vermeiden, dass es weitere Importe nach Deutschland gibt. Inzwischen hat Deutschland Indien als Virus-Variantengebiet eingestuft und somit den Flugverkehr eingeschränkt.

Indische Corona-Variante: Wirkung von Impfstoffen noch unklar

Ob Impfstoffe möglicherweise schlechter gegen die indische Variante wirken und Genesene sich wieder anstecken können, ist also noch nicht klar. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnt seit Wochen vor der indischen Variante, vor allem mit dem Argument, dass sie Antikörpern entkommen kann.

Allerdings macht er auch Hoffnung. So weist er auf Twitter auf eine Studie aus Indien hin. Diese lege nahe, dass Impfstoffe gegen die indische Variante wirken werden. In einem Laborversuch wurde nachgewiesen, dass Antikörper von Genesenen und Geimpften die Viren der Variante B.1.617 neutralisieren können.

Der Virologe Christian Drosten ist zuversichtlich, dass zumindest die nächste Generation von Corona-Impfstoffen relativ leicht an solche Varianten angepasst werden kann. Ein leichtes Update der bestehenden Impfstoff-Prinzipien werde reichen, sagte er in einer Podcastfolge von Ende März. „Mit geringem Aufwand kann man wahrscheinlich die meisten Immunescape-Mutanten, die entstehen, erfassen“, sagte Drosten. (Friederike Meier mit dpa)

Rubriklistenbild: © Ajit Solanki/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare