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Fehlverhalten offengelegt

„Wuhan Files“: Dokumente aus China offenbaren Chaos zu Beginn der Corona-Pandemie

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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Dokumente zeigen, wie chinesische Behörden zu Beginn der Corona-Pandemie versagten. In China selber streitet man die Verantwortung für das Coronavirus ab.

  • Dokumente, die „CNN“ vorliegen, offenbaren Fehlverhalten von China, als das Coronavirus ausbrach.
  • In Wuhan kursierte zu Beginn der Corona-Pandemie auch eine schwere Grippewelle.
  • Medien aus China verweisen auf Aussagen des deutschen Virologen Alexander Kekulé über die Herkunft des Virus.

Wuhan - Ein Jahr ist es her, seitdem die erste Person in Wuhan Symptome von Covid-19 zeigte. Heute haben sich bereits mehr als 64 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Etwa 1,49 Millionen sind an den Folgen der Lungenkrankheit gestorben, die durch das Virus ausgelöst wird. Derzeit üben die USA und EU Druck auf China aus, in einer Untersuchung über die Herkunft des Coronavirus mit der WHO zu kooperieren.

Der US-Nachrichtensender „CNN“ hat nun 117 Seiten an Dokumenten erlangen können, die von den Behörden der chinesischen Provinz Hubei stammt. Sie offenbaren eine chaotische Situation zu Beginn der Pandemie. Was wusste man in China wirklich?

Dokumente, die CNN vorliegen, offenbaren Fehlverhalten der chinesischen Behörden zu Beginn der Corona-Pandemie.

Wuhan-Leaks: Dokumente aus China zeigen Fehlverhalten der Behörden zu Beginn der Corona-Pandemie

Die Dokumente wurden CNN von einem Whisteblower zugespielt, der im Gesundheitswesen in China gearbeitet habe. Er sei „ein Patriot“, der die Wahrheit entlarven und Kollegen ehren wolle, die ebenfalls ihre Meinung vertreten hätten. Die Unterlagen wurden von internationalen Experten überprüft und für legitim befunden. Dem Journalisten Nick Paton Walsh ergeben sich nach einer Untersuchung des Dokuments mehrere zentrale Erkenntnisse über den Ausbruch der Corona-Pandemie.

Zum einen seien die offiziellen Daten der Behörden in China zu „optimistisch“ gewesen und geben nicht die Zahl der tatsächlich erfassten Corona-Infektionen und Todesfälle wieder. Walsh hebt zwei Tage hervor, an denen ein erheblicher Unterschied festzustellen ist. Am 10. Februar, heißt es, wurden 3.911 Neuinfektionen vermeldet, davon 2.097 bestätigt und 1.814 - anhand von Symptomen - vermutet. Im Dokument werden allerdings 5.918 Neuinfektionen erwähnt, davon „2.345 bestätigt“, „1.772 klinisch diagnostiziert“, „1.796 vermutet“ und „5 positiv getestet“. Die Daten vom 7. März zeigen ein ähnliches Bild in Hinsicht auf die Todesfälle. Vermeldet wurden 2.986, auf dem Dokument allerdings 3.456, davon „2.675 bestätigt“, „647 klinisch diagnostiziert“ und „126 vermutlich“ auf Covid-19 zurückführbar.

Coronavirus in China: Tests in Wuhan nahmen viel zu viel Zeit in Anspruch

Eine absichtliche Verschleierung der Corona-Zahlen sollen die Dokumente laut Walsh zwar nicht zeigen, jedoch offenbaren sie „zahlreiche Unstimmigkeiten“ bei dem, was Behörden glaubten zu wissen und was sie an die Öffentlichkeit weitergaben. Schlechte Nachrichten wurden eher verschwiegen.

Eine weitere Erkenntnis von Walsh aus den „Wuhan Files“ ist, dass die Gesundheitsbehörden in China viel zu langsam agiert hätten. Im Schnitt habe es 23,3 Tage gedauert, um eine Diagnose festzustellen. Zu Beginn seien die Tests ungenau gewesen, bis zum 10. Januar fielen die meisten, oftmals falsch, negativ aus. Die offiziellen Zahlen der Regierung könnten schon seit Wochen veraltet gewesen sein. Es sei somit deutlich schwieriger, handfeste Maßnahmen für die Öffentlichkeit zu ergreifen.

Wuhan: Schwere Grippewelle zur Zeit des Corona-Ausbruchs

Zu Beginn der Corona-Pandemie im Dezember 2019 soll das Dokument zudem einen großen Grippeausbruch in und um Wuhan zeigen. Die Zahl der Fälle war demnach zwanzigmal höher als im Vorjahr. Welche Verbindung zwischen den Ausbrüchen besteht, ist nicht klar. Allerdings dürfte die Grippe die Behörden vom neuartigen Coronavirus abgelenkt haben, da Krankenhäuser und Arztpraxen überlastet waren. Die Bürokratie und Starrheit des Systems habe ein frühzeitiges Eindämmen der Pandemie zusätzlich behindert.

In China lenkt man derweil jegliche Verantwortung von sich - und beruft sich dabei auf deutsche Neuigkeiten. Der Virologe Alexander Kekulé hatte in der Sendung von Markus Lanz behauptet, dass es sich bei der momentan um sich greifenden Variante des Coronavirus um eine Mutation handle, die erstmals in Italien aufgetreten und weitaus infektiöser sei als das ursprüngliche Virus in Wuhan. Auch in China weiß man über den Auftritt von Kekulé Bescheid. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua veröffentlichte am Dienstag (1.12.2020) einen Bericht zu den Äußerungen des Virologen. Zudem hatte das chinesische Staatsmedium „People‘s Daily“ berichtet, dass man das Coronavirus an gefrorenem Essen aus Europa gefunden habe.

Coronavirus: Medien aus China verweisen auf Aussagen des Virologen Alexander Kekulé

Das Verhalten zu Beginn der Pandemie in Wuhan verteidigte die Regierung: „China hat mit einem Sinn für Verantwortlichkeit für die Menschheit, sein Volk, die Nachwelt und die internationale Gemeinschaft gehandelt“, hieß es in einer Erklärung im Juli. Informationen über die Krankheit Covid-19 seien stets professionell, effizient und transparent vermittelt worden.

Selbst CNN-Hasser Donald Trump dürfte die Befunde des Senders positiv aufnehmen, hatte der US-Präsident China regelmäßig für das Ausufern der Corona-Pandemie beschuldigt, anstatt eigenes Fehlverhalten einzuräumen. Stattdessen warf er der Weltgesundheitsorganisation eine Verschwörung mit den Chinesen vor und drohte dem Land mit Sanktionen. (Von Lukas Rogalla)

Rubriklistenbild: © NOEL CELIS/AFP

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