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Export ausgesetzt

Streit wegen Italiens Exportstopp für AstraZeneca-Impfstoff – weiteres Land will nachziehen: „Wir behalten ihn“

  • Marvin Ziegele
    vonMarvin Ziegele
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Der Export des Astrazeneca-Impfstoffs von Italien nach Australien wird bis auf Weiteres ausgesetzt. Innerhalb der EU gibt es sowohl Lob als auch Kritik für die Entscheidung.

  • Italien blockiert eine Lieferung des Astrazeneca-Impfstoffs nach Australien.
  • Australien gelte nicht als durch das Coronavirus „gefährdetes Land“.
  • Die Sozialdemokraten in der EU kritisierten die Entscheidung als „kurzsichtig“.

Update vom Freitag, 05.03.2021, 16.04 Uhr: Die britische Regierung hat sich kritisch zum kürzlich gestoppten Export von Astrazeneca-Impfstoff von Italien nach Australien geäußert. „Die weltweite Erholung hängt von internationaler Zusammenarbeit ab und wir sind alle auf globale Zusammenarbeit angewiesen. Beschränkungen einzuführen, gefährdet die globalen Bemühungen, das Coronavirus zu bekämpfen“, sagte ein Sprecher von Premierminister Boris Johnson am Freitag zu Reportern.

Der Sprecher fügte hinzu: „Wir erwarten, dass sich die EU weiterhin an ihre Zusagen hält.“ EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen habe in einem Gespräch mit Johnson Anfang des Jahres versichert, dass der Exportkontrollmechanismus der EU dazu gedacht sei, Transparenz herzustellen und nicht Unternehmen davon abzuhalten, ihre vertraglichen Verpflichtungen zu erfüllen.

Streit wegen Italiens Exportstopp für Astrazeneca-Impfstoff – weiteres Land will nachziehen

Erstmeldung vom Freitag, 05.03.2021, 14.40 Uhr: Rom – Die Angst vor einem wachsenden Impfstoff-Nationalismus wird allmählich immer größer. Zuerst blockierte Italien den Export von 250.000 Impfstoffdosen von Astrazeneca nach Australien, nun könnte Frankreich dem Beispiel folgen. „Natürlich verstehe ich, was Italien getan hat“, sagte der französische Gesundheitsminister Olivier Véran während eines Interviews mit dem TV-Sender BFM. „Wir könnten das Gleiche tun.“

Zuvor war in der EU erstmals der Export von Corona-Impfstoff in einen Drittstaat blockiert worden. Italien habe eine Lieferung mit 250.000 Impfdosen des Herstellers Astrazeneca an Australien gestoppt, teilte das italienische Außenministerium am Donnerstag (04.03.2021) mit. Die Dosen stammen aus einer Fabrik in Italien, die von Astrazeneca betrieben wird. Die EU stimmte der Anordnung aus Rom demnach zu. Die Partei der Sozialdemokraten im Europaparlament kritisierte die Entscheidung.

Astrazeneca: Italien stoppt Lieferungen wegen Knappheit

Die Lieferung des Corona-Impfstoffs sei aufgrund der anhaltenden Knappheit an Impfstoffen in der EU und in Italien und den Verzögerungen bei Lieferungen von Astrazeneca gestoppt worden, erklärte das italienische Außenministerium. Rom habe die Lieferung auch aufgrund der hohen Anzahl der betroffenen Dosen blockiert. Zudem gelte Australien nicht als stark von der Corona-Pandemie „gefährdetes“ Land.

Eine Gesundheitsmitarbeiterin den USA prüft einen Impfstoff. Italien will erstmals Lieferungen ins Ausland blockieren.

Die EU hatte Ende Januar vorübergehend die Möglichkeit von Exportbeschränkungen eingeführt. Grund war die Ankündigung des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca, in den ersten Monaten deutlich weniger Impfstoff an die EU zu liefern.

Italien blockiert Astrazeneca-Lieferungen: Paris begrüßt Entscheidung

Die sozialdemokratische Partei im Europaparlament kritisierte den von Rom verhängten Exportstopp. Der Schritt sei „extrem kurzsichtig“, erklärten der Vorsitzende des Handelsausschusses im EU-Parlament, Bernd Lange (SPD), und der gesundheitspolitischer Sprecher der Europa-SPD, Tiemo Wölken. Die Entscheidung öffne „die Büchse der Pandora und könnte zu einem globalen Kampf um Impfstoffe führen“. In der Pandemie brauche es aber „Zusammenarbeit statt Konfrontation“.

Frankreich begrüßte den europäischen Lieferstopp von Corona-Impfstoff für Australien. „Das zeigt, dass wir als Europäer fähig sind, nicht naiv zu sein und unsere Interessen zu verteidigen“, sagte Europa-Staatssekretär Clément Beaune am Freitag im Sender RTL France. Italien habe richtig gehandelt, die Lieferung zu verhindern. Es habe sich um viele Impfstoffdosen gehandelt, und in Australien sei der Bedarf weniger dringend als in Europa. „Wir blockieren. Und wir behalten ihn“, sagte der Vertraute von Staatschef Emmanuel Macron mit Blick auf den Impfstoff.

Astrazeneca-Stopp: Australische Regierung reagiert gelassen

Die australische Regierung hat unterdessen gelassen auf die Exportblockade für den Corona-Impfstoff des Herstellers Astrazeneca durch Italien reagiert. Die gestoppte Lieferung von 250.000 Impfstoffdosen sei ohnehin nicht für die Verteilung in den nächsten Wochen eingeplant gewesen, sagte Premierminister Scott Morrison am Freitag. Auf die Lieferung aus Italien komme es nicht an.

Der Regierungschef zeigte Verständnis für die Entscheidung der Regierung in Rom: „In Italien sterben jeden Tag um die 300 Menschen. Da kann ich das Ausmaß der Unruhe verstehen, die in Italien und vielen Ländern in Europa herrscht.“ Viele Länder Europas befänden sich mit Blick auf Corona „in einer entfesselten Krisenlage“. Das sei in Australien nicht der Fall. (Marvin Ziegele mit Agenturen)

Rubriklistenbild: © JOSEPH PREZIOSO/AFP

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