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Ein medizinischer Angestellter injiziert in Peking einem Mann einen Covid-19-Impfstoff.
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Ein medizinischer Angestellter injiziert in Peking einem Mann einen Covid-19-Impfstoff.

Corona-Impfung

Chinesische Desinformationskampagne gegen Corona-Impfstoff von Biontech

  • Daniel Seeger
    vonDaniel Seeger
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Studien aus mehreren Ländern zeigen, dass der chinesische Corona-Impfstoff weniger wirksam als Konkurrenzprodukte ist.

  • Mit einer Desinformationskampagne versucht China die Wirksamkeit und Sicherheit anderer Impfstoffe infrage zu stellen.
  • Die Impfstoffe gegen das Coronavirus aus China zeigen in Studien bislang eine etwas geringere Wirksamkeit als Konkurrenten.
  • Zuletzt äußerte eine chinesische Moderatorin auf Twitter den falschen Verdacht, dass über Todesfälle nach Impfungen mit dem Biontech-Impfstoff nicht berichtet würde.

Peking – Großen Wirbel machte jüngst die chinesische Journalistin Liu Xin um angeblich tödliche Folgen des Corona-Impfstoffs der Unternehmen Biontech und Pfizer. Auf Twitter raunte die Moderatorin eines staatlichen Fernsehsenders über Todesfälle, die nach der Injektion aufgetreten waren. „Wie wäre es mal, dem nachzugehen? Hallo???“ schrieb die Moderatorin und markierte in ihrem Tweet die Fernsehsender BBC, CNN, sowie die Nachrichtenagenturen Associated Press und Reuters.

Was Liu Xin unterschlägt ist, dass die Todesfälle in den westlichen Medien breit diskutiert wurden. In Deutschland berichteten das Paul-Ehrlich-Institut, zuständig für die Überprüfung der Impfstoffe, die Deutsche Presseagentur (DPA) und viele überregionale Medien über mehrere Sterbefälle, die in zeitlichem Zusammenhang mit einer Impfung gegen das Coronavirus stehen. Ein Zusammenhang zwischen den Impfungen und den Todesfällen gilt allerdings unter Wissenschaftlern als äußerst unwahrscheinlich. Viele der Geimpften waren bereits sehr alt oder litten unter Vorerkrankungen.

Corona-Impfstoff: Tweet ist Teil einer Desinformationskampagne aus China

Wie der Spiegel nun berichtet, war dieser Desinformationsversuch von Liu Xin kein Versehen, sondern ist Teil einer Kampagne. So habe die Volksrepublik China in ihrer Außendarstellung darauf gesetzt, durch die frühe Bereitstellung eines Impfstoffs die Fehler zu Beginn der Pandemie zu verdrängen. Ebenso wolle China mit seinem Impfstoff beweisen, dass die Pharmaindustrie weltweite Spitze sei, heißt es in dem Bericht weiter. Doch das chinesische Impfstoff-Projekt litt in der jüngsten Vergangenheit immer wieder unter Rückschlägen.

Nicht ein chinesischer Impfstoff war der erste, der gute Ergebnisse vorweisen konnte. Diesen Erfolg sicherte sich das Mainzer Unternehmen Biontech gemeinsam mit seinem US-amerikanischen Partner Pfizer. Kurz darauf folgte der Impfstoff des US-Biotechnologieunternehmens Moderna. Der chinesische Hersteller Sinopharm stellte seinen Impfstoff erst rund anderthalb Monate später vor. Dessen Wirksamkeit liegt laut Hersteller bei 79 Prozent – und damit hinter der Konkurrenz.

Widersprüchliche Daten über Wirksamkeit des chinesischen Corona-Impfstoffs

Weil China die Ausbreitung der Corona-Pandemie derzeit gut unter Kontrolle hat, führt der Konzern Sinovac Biotech die Phase-III-Tests für seinen Impfstoff mit Kandidaten aus anderen Ländern durch. In China fehlt es derzeit schlicht an Probanden. Die Zwischenergebnisse aus den verschiedenen Ländern unterscheiden sich teils gravierend. Laut Spiegel habe in Test in der Türkei ergeben, dass der Impfstoff zu 91 Prozent vor einer Ansteckung schütze. Ein Wert, der sogar über den Angaben des Konzerns Sinovac liegt. Meldungen aus Indonesien zeigen jedoch nur eine Wirksamkeit von 65 Prozent. In Brasilien kam man mit einer Wirksamkeit von 78 gegen milde bis schwere Verläufe einer Corona-Erkrankung. Wenn die sehr milden Verläufe hinzugerechnet werden, liege die Wirksamkeit bei 50,4 Prozent. Der Mindestwert für eine Zulassung durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt bei 50 Prozent.

Corona-Impfstoff aus China: Weil Proband:innen fehlen, sind Tests weniger aussagekräftig

Gründe für diese großen Schwankungen seien in der Zahl der Proband:innen zu suchen. Dem Spiegel berichtet der Wissenschaftler Yanzhong Huang vom US-Thinktank „Council on Foreign Relations“, dass die chinesischen Hersteller große Schwierigkeiten hätten, eine ausreichende Zahl an Freiwilligen zu finden. Am Phase-III-Test des Impfstoffs von Sinovac Biotech hätten in Indonesien nur 1620 Personen teilgenommen. Zum Vergleich: Beim Impfstoff von Biontech/Pfizer waren es 43.538. Außerdem ist die Zusammensetzung der Proband:innen höchst unterschiedlich und teils wenig repräsentativ gewesen. So sei unter den rund 13.000 Teilnehmenden der Studie in Brasilien ein Großteil im Gesundheitswesen angestellt und damit einer deutlich höheren Ansteckungsgefahr ausgesetzt. Nichtsdestotrotz halten Experten den Impfstoff für gut. In mehreren Ländern wird das Vakzin von Sinovac Biotech bereits verabreicht.

Desinformationskampagne soll Vermarktung des chinesischen Corona-Impfstoffs dienen

Der Spiegel geht davon aus, dass die Desinformationskampagne, die sich gegen den Impfstoff von Biontech/Pfizer richtet, vor allem dazu dienen soll, die eigenen Produkte in ein besseres Licht zu stellen und so die internationale Vermarktung anzukurbeln. Die chinesische Zeitung „Global Times“ habe etwa in etlichen Artikeln auf eine angeblich schlechtere Wirksamkeit des Impfstoffs von Biontech/Pfizer hinwiesen. Außerdem sei dieser, im Gegensatz zum chinesischen Impfstoff, unter Zeitdruck entwickelt worden. Ob diese Kampagne erfolgreich sein wird, ist angesichts der bislang erfolgreichen und weitestgehend nebenwirkungsfreien Verimpfung des Impfstoffs von Biontech und Pfizer allerdings fraglich. (Daniel Seeger)

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