Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Corona Brasilien
+
Freiwillige vom „SOS medical emergency services“ halfen im Januar mit gratis Sauerstofflieferungen im brasilianischen Manaus aus.

Corona-Pandemie

Corona in Brasilien: Oberster Richter ordnet Prüfung wegen „möglicher Versäumnisse“ von Bolsonaro an

Alle Autoren
    schließen
  • Friederike Meier
    Friederike Meier
  • Sophie Vorgrimler
    Sophie Vorgrimler
  • Tobias Möllers
    Tobias Möllers

Die Zahl der Corona-Toten in Brasilien steigt rasant. Jetzt wurde eine Untersuchung eingeleitet, das sich das Vorgehen des Präsidenten Jair Bolsonaro in der Pandemie vornimmt.

Update vom 09.04.2021, 11.15 Uhr: Ein Untersuchungsausschuss wird sich dem umstrittenen Umgang des brasilianischen Präsidenten mit der Corona-Pandemie annehmen. Obwohl die Zahl der Corona-Toten im Land dramatisch steigt, spricht sich der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro weiterhin dagegen aus, das öffentliche Leben zu beschränken. Außerdem fehlte es einigen Krankenhäusern erneut an Sauerstoff.

Corona in Brasilien – Richter ordnet Prüfung wegen „möglicher Versäumnisse“ von Bolsonaro an

Am Donnerstag (08.04.2021) ordnete ein Richter am Obersten Gericht in Brasilien die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses im Oberhaus des Parlaments zu „möglichen Versäumnissen“ des Staatschefs im Corona-Krisenmanagement an. Der Präsident des Senats Rodrigo Pacheco willigte in die Untersuchung ein – vor dem Richterbeschluss hatte Pacheco die Prüfung noch verweigert.

Laut Anordnung geht es vor allem um die Corona-Lage im Bundesstaat Amazonas. Dort mangelte es den Krankenhäusern wiederholt an Sauerstoff, um Corona-Patient:innen zu beatmen. Für dutzende Covid-Erkrankte in der Hauptstadt des Bundesstaats Manaus bedeutete das den Tod.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro auf einer Pressekonferenz. (Archivfoto)

Präsident Bolsonaro hatte die Gefahren durch das Coronavirus immer wieder verharmlost und Corona-Auflagen der brasilianischen Regional- und Kommunalbehörden wegen ihrer ökonomischen Auswirkungen kritisiert. Zuletzt wurden an zwei Tagen in Folge mehr als 4000 Tote gemeldet.

Brasilien: Mehr als 4000 Tote täglich – doch Bolsonaro will keinen Corona-Lockdown

Update vom 08.04.2021, 11.00 Uhr: Auch auf dem bisherigen Höhepunkt der Corona-Pandemie in Brasilien schließt Präsident Jair Bolsonaro harte Ausgangsbeschränkungen im südamerikanischen Land weiter aus. „Wir werden nach Alternativen suchen. Wir werden die Politik des Zuhausebleibens, des Abriegelns, des Lockdowns nicht hinnehmen“, sagte der Staatschef am Mittwoch bei einem Besuch im Süden des Landes. Das berichtet das brasilianische Nachrichtenportal „G1“. Bolsonaro hat das Coronavirus von Anfang an verharmlost und stemmt sich mit Verweis auf die wirtschaftlichen Folgen seit Beginn der Pandemie gegen einen landesweiten Lockdown.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro beschwert sich, dass er für die Corona-Lage in seinem Land verantwortlich gemacht wird. (Symbolfoto)

Brasilien ist ein Brennpunkt in der Corona-Pandemie: Am Dienstag hatten die Gesundheitsbehörden erstmals mehr als 4000 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 an einem Tag vermeldet. Bislang haben sich im größten Land Lateinamerikas mehr als 13 Millionen Menschen nachweislich mit Sars-CoV-2 infiziert, fast 337.000 Menschen sind an den Folgen einer Infektion gestorben. Zuletzt hatten Fachleute eine neue Variante des Coronavirus identifiziert.

Bolsonaro verteidigt sich - „Jetzt soll ich jemand sein, der viele Menschen tötet“

+++ 17.03 Uhr: Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat sich über Kritiker:innen seiner Corona-Politik lustig gemacht. Laut dem CNN sagte er in einem Video: „Sie nennen mich homophob, rassistisch, faschistisch, einen Folterer, und jetzt? Jetzt soll ich jemand sein, der viele Menschen tötet. Genozidisch soll ich jetzt sein“, sagte er demnach am Dienstagabend (06.04.2021).

Viele seiner politischen Gegner:innen haben ihm „Genozid“ vorgeworfen und damit seine Politik in der Corona-Krise kritisiert. „Wofür in Brasilien werde ich eigentlich nicht verantwortlich gemacht?“, fragt der Präsident des Landes rhetorisch in dem Video. Anschließend deutete er an, die Corona-Pandemie sei eine Erfindung der Medien, die durch Subventionen der Regierung gelöst werden könnten.

Die Corona-Lage in Brasilien spitzt sich weiter zu.

„Ich kann das Problem mit dem Virus in ein paar Minuten lösen“, sagte er CNN zufolge. Er müsse bloß das Geld bezahlen, das die Regierung in der Vergangenheit an einen Fernsehsender und zwei Zeitungen gezahlt habe. „Jetzt ist dieses Geld nicht mehr für die Presse, sondern für andere Dinge“, sagte er. Ebenfalls am Dienstag hat Bolsonaro laut CNN in einem Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin Interesse am Corona-Impfstoff Sputnik V gezeigt.

Corona in Brasilien: Das Land verzeichnet so viele Tote wie noch nie an einem Tag

Update vom 07.04.2021, 09.45 Uhr: Seit Beginn der Corona-Pandemie sind in Brasilien erstmals mehr als 4000 Menschen an einem Tag  an Covid gestorben. Das Gesundheitsministerium in Brasília teilte am Dienstag mit, dass es im Land 4195 Tote an einem Tag gegeben hat und sich die Gesamtzahl damit auf 337000 erhöht.

In fast allen der 27 Bundesstaaten sind die Intensivstation zu 80 oder mehr Prozent ausgelastet. Ein Grund für die dramatische Infektionslage ist die „brasilianische Corona-Variante“ P1 zurück. Hinzu kommt, dass der rechte brasilianische Präsident Jair Bolsonaro das Virus lange verharmlost und von Behörden angeordnete Maßnahmen zum Schutz vor dem Virus kritisiert hat.

Knapp 63.000 Tote – alleine im März. Das ist die traurige Bilanz der Corona-Krise in Brasilien. Die Mutante P.1 macht das Land zum Epizentrum der Pandemie. 

Erstmeldung vom Montag, 05.04.2021, 14.27 Uhr: Brasilia – Rio de Janeiro macht ernst und sperrt seine berühmten Strände wie Copacabana und Ipanema. Die Bundespolizei bezieht Stellung und schickt Badegäste und Surfer wieder zurück. Auch Strandbars, Geschäfte und Restaurants bleiben zu. „Ich kann nur an die Vernunft der Menschen appellieren. Bitte bleiben Sie zu Hause“, mahnt Rios Bürgermeister Eduardo Paes.

Lange schreckten Gouverneure und Bürgermeister vor drastischen Schutzmaßnahmen zurück. Doch jetzt erlebt Brasilien die schlimmsten Tage seit Ausbruch der Pandemie. Der März war Brasiliens tödlichster Monat. Fast 63.000 Menschen starben im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion und damit doppelt so viel wie im Juli vergangenen Jahres, dem bisherigen Pandemie-Höhepunkt.

Corona in Brasilien: Land wird zur globalen Bedrohung

„Kein einziges Ereignis in der Geschichte Brasiliens hat innerhalb von 30 Tagen so viele Menschenleben gekostet“, sagt der international renommierte Mediziner Miguel Nicolelis in einem Interview. Die Pandemie sei absolut außer Kontrolle geraten. Wenn keine Maßnahmen ergriffen werden, „ist es wahrscheinlich, dass wir im Juli eine halbe Million Corona-Tote haben“.

Brasilien ist zu einem gefährlichen Epizentrum der Pandemie und zur globalen Bedrohung geworden. Inzwischen sind schon mehr als 330.000 Menschen an den Folgen einer Corona-Infektion verstorben. Doch trotz der nationalen Tragödie verharmlost Brasiliens ultrarechter Präsident Jair Bolsonaro weiter die Pandemie, warnt vor dem Tragen von Masken und führt mit Verschwörungstheorien das Lager der Impfgegner an.

Corona-Krise in Brasilien: Es fehlt an allem

Die Nachrichten sind voll von erschreckenden Bildern überfüllter Krankenhäuser, in denen Corona-Patienten abgewiesen werden müssen. Es fehlt nicht nur an Beatmungsgeräten, sondern auch an Sauerstoff und Medikamenten, die zur Sedierung der zu Beatmenden wichtig sind. In den sozialen Medien senden abgekämpfte Ärzte und Krankenschwestern immer neue Hilferufe und fordern die Menschen auf, zu Hause zu bleiben „Das Wasser steht uns bis zum Hals“, sagt die Epidemiologin Nassara Levin vom Hospital das Clínicas in São Paulo. Die Kapazität in den Krankenhäusern sei komplett ausgeschöpft. Erstmals hat die Pandemie nicht nur einzelne Bundesstaaten, sondern das ganze Land gleichermaßen fest im Griff.

Coronavirus

Alle Informationen zu Sars-CoV-2 finden Sie auf unserer Themenseite Corona-News.

Die Mutante P.1, die zuerst in der Amazonas-Metropole Manaus auftauchte, hat sich inzwischen auf ganz Brasilien und die Nachbarländer ausgebreitet. Seit Anfang März macht sie rund die Hälfte der Neuinfektionen aus. Laut Untersuchungen soll sie um bis zu 150 Prozent ansteckender sein als die Ursprungsvariante von Covid 19. Das Virus sei extrem anpassungsfähig, sagt Alexandre Barbosa, Virologe an der Universität von São Paulo. Impfen sei richtig, aber nicht die endgültige Antwort. „Denn wir haben es immer noch mit einem Virus zu tun, das wir nicht gut kennen und das Mutationen aufweist, die zum Verlust der Wirksamkeit des Impfstoffs führen können.“

Corona in Brasilien: 70 Anträge auf Amtsenthebung gegen Bolsonaro

Derweil nimmt der Druck auf Präsident Bolsonaro zu. Die konservative Opposition, zu der zahlreiche einflussreiche Gouverneure gehören, verstärkte in den vergangenen Wochen ihre Angriffe. Damit verlor Bolsonaro, der sich 2022 wiederwählen lassen will, wichtige Verbündete im Kongress. Auch die „natürliche“ Allianz des ehemaligen Hauptmanns mit dem Militär scheint zerbrochen. Die Oberbefehlshaber der drei Waffengattungen traten vor ein paar Tagen geschlossen zurück. Laut brasilianischen Medien wollten sie sich mit ihrem Rückzug gegen die politische Vereinnahmung des Militärs durch Bolsonaro wehren.

Zuvor hatte der Präsident überraschend sechs von 23 Kabinettsmitgliedern ausgetauscht, unter anderen Verteidigungsminister Fernando Azevedo und Außenminister Ernesto Araújo. Mit diesem Schachzug versucht Bolsonaro, neue Verbündete in die Regierung einzubinden und stemmt sich gleichzeitig gegen seine rapide sinkenden Umfragewerte. Inzwischen liegen zudem rund 70 Anträge auf Amtsenthebung gegen ihn vor.

Brasilianer machen Bolsonaro für Corona-Tragödie verantwortlich

In einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Datafolha bewerten rund 56 Prozent der Brasilianer Bolsonaros Krisenmanagement als schlecht. 43 Prozent halten ihn sogar für den Hauptverantwortlichen für die nationale Corona-Tragödie. (tom mit epd)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare