„Neues Epizentrum“

Corona-Krise in Lateinamerika: Peru wird zum zweiten Hotspot

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  • Christian Stör
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Das Coronavirus verbreitet sich in Lateinamerika rasant. Peru ist nach Brasilien zum nächsten Hotspot geworden.

  • Die Corona-Krise trifft Lateinamerika hart.
  • Brasilien ist laut WHO das „neue Epizentrum“ der Corona-Pandemie.
  • Auch Peru meldet sehr viele Neuinfektionen – trotz der strengen Ausgangssperre, die es verhängt hatte.

Update vom Dienstag, 26.05.2020, 15.37 Uhr: Das Coronavirus breitet sich in Lateinamerika weiter rapide aus. Brasilien meldete zuletzt 23.473 Tote und hat nach wie vor die zweithöchste Zahl an gemeldeten Infektionen weltweit. Experten gehen jedoch davon aus, dass die Dunkelziffer weitaus höher liegen könnte. In Brasilien wird vergleichsweise wenig auf Corona getestet. 

Auch Peru, das zu Beginn der Corona-Pandemie mit sehr restriktiven Maßnahmen wie einer Ausgangssperre für Aufsehen gesorgt hatte, meldet mittlerweile 3.629 Tote. Zuletzt wurden mehr als 4.000 neue Infektionen in 24 Stunden registriert. Insgesamt hat das südamerikanische Land damit fast 124.000 Infizierte. Peru ist damit das Land in Lateinamerika mit den zweitmeisten Infektionen.

Corona in Lateinamerika: Armut treibt die Menschen auf die Straße

Experten sehen den Grund dafür unter anderem in der großen sozialen Ungleichheit im Land. Viele Menschen leben in Armut und haben keine Möglichkeit, menschliche Kontakte zu vermeiden. So besitzt nur rund die Hälfte der Haushalte in Peru Kühlschränke oder Tiefkühler, wie CNN berichtet. Sie müssen also ihre Lebensmittel täglich auf dem Markt kaufen und können nicht einfach zu Hause bleiben. 

Trotzdem gab sich die Regierung in Peru optimistisch. Präsident Martín Vizcarra sagte auf einer Pressekonferenz, er erwarte jetzt einen langsamen Rückgang der Corona-Neuinfektionen. Am Montag (25.05.2020) hatten in Peru erste Wirtschaftszweige wieder geöffnet. So können dort Friseure wieder Hausbesuche machen, nachdem sie über zwei Monate lang nicht arbeiten durften.

Corona in Brasilien: Bolsonaro umarmt seine Anhänger - ohne Atemmaske

Update vom Montag, 25.05.2020, 9.15 Uhr: Ungeachtet der rasant steigenden Zahl der Corona-Infektionen in Brasilien verstößt Präsident Jair Bolsonaro bei seinen öffentlichen Auftritten weiterhin gegen die Abstandsregeln und die Hygienevorgaben. Am Sonntag suchte er die Nähe zu seinen Anhängern, die sich vor dem Präsidentenpalast in Brasília versammelt hatten. Der rechtsextreme Politiker gab mehreren Demonstranten die Hand und umarmte einige von ihnen. Die Atemmaske, die er anfangs trug, hatte er da schon abgesetzt.

Zahl der Corona-Infektionen steigt rasant

Update vom Sonntag, 24.05.2020, 14.17 Uhr: In Brasilien geht die Zahl der Coronavirus-Infektionen weiter rasant in die Höhe. Brasilien liegt nach den USA auf dem zweiten Platz weltweit. Laut dem brasilianischen Gesundheitsministerium wurden dort bis Freitag (22.05.2020) mehr als 330.000 Infektionen registriert, mehr als 21.000 Menschen starben. Damit überholte Brasilien Russland, das nun auf Platz drei liegt.

Innerhalb von 24 Stunden starben in Brasilien mehr als tausend Menschen nach einer Corona-Infektion. Die Zahl der registrierten Neuinfektionen lag bei 20.803 innerhalb von 24 Stunden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Südamerika mittlerweile als „neues Epizentrum der Krankheit“ ein. Dabei sei Brasilien „eindeutig am stärksten betroffen“.

Coronavirus in Brasilien: Viele junge Menschen sterben

Die Johns-Hopkins-Universität verzeichnete am Sonntag (24.05.2020) für Brasilien über 347.000 Corona-Infektionen und mehr als 22.000 Tote.

Anders als in Europa und den USA sterben in Brasilien nicht nur vor allem ältere Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus. Viele junge Brasilianerinnen und Brasilianer sind aus Geldmangel gezwungen, trotz der Infektionsgefahr arbeiten zu gehen. Sie stecken sich dabei mit dem potenziell tödlichen Virus an.

Lage in Brasilien immer dramatischer - 20.000 neue Corona-Fälle 

Update vom Donnerstag, 21.05.2020, 7.50 Uhr: Zum ersten Mal hat Brasilien fast 20.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus binnen 24 Stunden registriert. Das Gesundheitsministerium in Brasília meldete am Mittwoch (Ortszeit) 19 951 neue Corona-Infektionen und 888 Tote im Zusammenhang mit dem Virus. Am Dienstag hatte das Gesundheitsministerium erstmals über 1000 Corona-Tote mehr als am Vortag vermeldet. 

Nach dem Wochenende, wenn die Labors wieder in voller Besetzung arbeiten, steigen in Brasilien die Zahlen der Corona-Nachweise und der gemeldeten Todesfälle in Zusammenhang mit dem Virus gewöhnlich an. Insgesamt sind in dem mit 210 Millionen Menschen einwohnerreichsten Land Lateinamerikas nach offiziellen Angaben bislang 18.859 Patienten im Zusammenhang mit dem Virus gestorben, 291.579 Personen haben sich nachweislich infiziert.

Millionen Menschen sind in Lateinamerika auf das Geld ihrer im Ausland arbeitenden Angehörigen angewiesen. Das fällt nun wegen Corona größtenteils weg – mit dramatischen Folgen.

Brasiliens Regierung empfiehlt Malaria-Mittel

+++ 17.50 Uhr: Trotz ihrer umstrittenen Wirksamkeit im Zusammenhang mit Coronavirus-Infektionen empfiehlt Brasiliens Regierung die Wirkstoffe Hydroxychloroquin und Chloroquin nun offiziell zur Behandlung selbst leichter und mittelschwerer Fälle der Lungenkrankheit Covid-19. Wie aus am Mittwoch veröffentlichten Richtlinien des Gesundheitsministeriums hervorgeht, sollen brasilianische Ärzte die Malaria-Medikamente künftig bereits beim ersten Auftreten von Corona-Symptomen verschreiben. Die Zahl der täglichen Corona-Toten erreichte derweil sowohl in Brasilien als auch in Chile einen neuen Höchststand.

Beide Medikamente dürften bei den ersten Anzeichen von Symptomen mit Zustimmung des Arztes sowie des Patienten eingenommen werden, hieß es in dem Dokument des brasilianischen Gesundheitsministeriums weiter. Die Patienten müssten eine Erklärung unterschreiben, in der sie bestätigen, dass sie über mögliche Nebenwirkungen einschließlich Herz- und Leberproblemen sowie Schäden an der Netzhaut informiert wurden.

Das brasilianische Gesundheitsministerium erklärte, es gebe „keine Garantie für ein positives Behandlungsergebnis“ und Chloroquin könne „ernste“ Nebenwirkungen verursachen, die zu „schwerwiegendem Organversagen“ sowie „Tod“ führen könnten.

Erstmals mehr als tausend Corona-Tote binnen eines Tages

Update, 20.05.2020, 7.20 Uhr: In Brasilien sind erstmals mehr als tausend Todesopfer der

Corona-Pandemie innerhalb von 24 Stunden verzeichnet worden. Wie das Gesundheitsministerium am Dienstag mitteilte, wurden seit dem Vortag 1179 Todesfälle registriert. Die Gesamtzahl der offiziell gezählten Todesfälle in Brasilien stieg damit auf 17.971. Die Zahl der verzeichneten Infektionen wuchs dem Ministerium zufolge um 17.408 neue Fälle auf 271.628.

Brasilien mit der weltweit dritthöchsten Zahl an Infektionen

Update, 19.05.2020, 7.00 Uhr: Brasilien ist zum Land mit der weltweit dritthöchsten Zahl von verzeichneten Coronavirus-Infektionen geworden. In dem südamerikanischen Land wurden bis Montag 254.220 Ansteckungsfälle gezählt, wie offizielle Statistiken zeigten. Es löste damit Großbritannien, wo es knapp 250.000 registrierte Infektionen gab, auf dem dritten Rang der globalen Skala ab. 

Mehr Corona-Fälle verzeichnen nur die USA mit 1,5 Millionen Infektionsfällen und Russland mit rund 290.000 Fällen.

In Brasilien wurden innerhalb von 24 Stunden weitere 13.140 Ansteckungsfälle verzeichnet. Nach Schätzungen von Experten könnte die Zahl der Infektionen mit dem neuartigen Virus im bevölkerungsreichsten lateinamerikanischen Land jedoch um das 15-fache höher sein. Es wird eine gewaltige Dunkelziffer vermutetet, da in dem Land nur in relativ geringem Umfang auf das Virus getestet wird.

 mehr als in China

+++ 12.22 Uhr: Im brasilianischen Bundesstaat São Paulo gibt es mehr Corona-Tote als in China. Das geht aus den Daten des brasilianischen Gesundheitsministeriums vom Samstag (16.05.2020) hervor. Demnach sind bislang 4688 Menschen in São Paulo im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben. In China gab es nach offziellen Angaben insgesamt 4637 Corona-Tote bei mehr als einer Milliarde Einwohnern. São Paulo ist mit 40 Millionen Einwohnern der bevölkerungsstärkste Bundesstaat in Brasilien.

Insgesamt sind in Brasilien nach offiziellen Angaben bislang 15.633 Menschen im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben. 233.142 Infizierte wurden inzwischen registriert. Daten der US-amerikanischen Johns-Hopkins-Universität zufolge liegt Brasilien damit bei der Zahl der Todesopfer weiter auf Platz sechs, bei der Zahl der Infizierten ist es auf Platz vier der am schwersten betroffenen Länder gerückt, vor Italien und Spanien. Stärker betroffen als Brasilien sind demnach die USA, Russland und Großbritannien.

Coronavirus in Brasilien: Mehr als 15.000 Tote

Update vom Sonntag, 17.05.2020, 7.40 Uhr: In Brasilien sind inzwischen mehr als 15.000 Menschen an der durch das Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Im ganzen Land hätten sich mehr als 233.000 Menschen angesteckt, teilten die Behörden am Samstag mit. 

Damit hat Brasilien, dessen ultrarechter Präsident Jair Bolsonaro die Pandemie als „kleine Grippe“ bezeichnet hatte, weltweit die vierthöchste Zahl an Infektionen. Laut den am Samstag veröffentlichten Zahlen steckten sich innerhalb von 24 Stunden fast 15.000 Menschen neu mit dem Coronavirus an, die Zahl der Toten stieg um mehr als 800 auf 15.633. Experten gehen davon aus, dass die wahre Infektionszahl bis zu 15 Mal höher liegt, weil nicht ausreichend getestet werde. 

Trotz dieser Entwicklung kritisierte Bolsonaro erneut die von mehreren Bundesstaaten verhängten Ausgangsbeschränkungen. „Arbeitslosigkeit, Hunger und Elend werden die Zukunft derjenigen sein, die die Tyrannei der totalen Isolation unterstützen“, schrieb der Präsident auf Twitter. 

Gesundheitsminister tritt zurück

Update vom Freitag, 15.05.2020, 22.45 Uhr:

Inmitten der sich verschärfenden Corona-Krise hat der brasilianische Gesundheitsminister Nelson Teich nach nur einem Monat im Amt seinen Posten wieder geräumt. „Das Leben besteht aus Entscheidungen, und ich habe heute beschlossen zu gehen“, sagte Teich in einer Erklärung in Brasília am Freitagnachmittag (Ortszeit). Einen Grund dafür nannte er nicht.

Teich sagte jedoch, dass er das Ministeramt nicht des Postens wegen angenommen habe, sondern weil er dachte, Brasilien und den Menschen helfen zu können. Sein Abschied ist bereits der zweite an der Spitze des Gesundheitsministeriums in der Covid-19-Pandemie. Präsident Jair Bolsonaro hatte Teichs Vorgänger Luiz Henrique Mandetta wegen Umstimmungen im Umgang mit dem Coronavirus entlassen.

Während der rechtspopulistische Politiker das Virus verharmlost, nichts von Einschränkungen hält und auf eine Öffnung der Wirtschaft drängt, befürwortete der Mediziner Mandetta strenge Maßnahmen im Sinne der Weltgesundheitsorganisation WHO. Auch mit Teich hatte es zuletzt Unstimmigkeiten gegeben, vor allem über den Einsatz von Chloroquin in der Covid-19-Behandlung; Bolsonaro setzte Teich in dieser Frage unter Druck.

Brasilien hatte in den vergangenen Tagen sowohl bei den Corona-Infizierten als auch bei den Verstorbenen im Zusammenhang mit dem Virus einen Negativrekord nach dem anderen vermeldet. Insgesamt sind in Brasilien nach offiziellen Angaben bislang mehr als 14 000 Menschen im Zusammenhang mit dem Virus gestorben. 206 000 Infizierte wurden inzwischen registriert. Nach den Daten der in den USA beheimateten Johns-Hopkins-Universität liegt das mit mehr als 200 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichste Land Lateinamerikas damit sowohl bei der Zahl der Todesopfer als auch der Zahl der Infizierten nun auf Platz sechs der am schwersten betroffenen Länder.

Corona-Krise: Mehr als 800 Corona-Tote in Brasilien in 24 Stunden

Update vom Mittwoch, 13.5.2020, 6.20 Uhr: Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus steigt in Brasilien immer stärker. Nach den jüngsten Daten des Gesundheitsministeriums in Brasília vom Dienstagabend (Ortszeit) wurden erstmals mehr als 800 Corona-Tote innerhalb von 24 Stunden registriert. 

Demnach lag die Zahl der von Montag bis Dienstag registrierten Opfer bei 881. Das ist ein neuer Negativrekord in dem südamerikanischen Land für diesen 24-stündigen Zeitraum. Insgesamt sind in Brasilien nach offiziellen Angaben bislang 12 400 Menschen im Zusammenhang mit dem Virus gestorben. 177 589 Infizierte wurden inzwischen gemeldet.

+++ 20.52 Uhr: Das brasilianische Parlament hat angesichts der anhaltenden Corona-Pandemie eine dreitägige Staatstrauer für die bisherigen Todesopfer des Virus angeordnet. Während der Trauerzeit werden öffentliche Feiern untersagt und die Nationalflagge auf Halbmast gesetzt. 

Die Zahl der Infizierten und Todesopfer durch das Coronavirus steigt in Brasilien rasant an. Zuletzt wurden in dem lateinamerikanischen Land über 10 000 Corona-Tote gezählt. Die Infektionszahl liegt derzeit bei 148 670. Laut Meldung der Nachrichtenagentur dpa fordern die Gouverneure einiger Staaten angesichts der Infektionsraten strenge Beschränkungen, doch die Regierung des rechten Präsidenten Jair Bolsonaro lehnt Einschränkungen konstant ab. 

Brasilien: Zahl der Corona-Todesopfer steigt rasant an

Update vom Samstag, 09.05.2020, 08.00 Uhr: Die Zahl der Corona-Todesopfer in Brasilien steigt weiter rasant an. Binnen 24 Stunden seien 751 Menschen nach einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus gestorben, teilte das Gesundheitsministerium mit. Es war die bislang höchste Zunahme der Sterbefälle innerhalb eines Tages. 

Insgesamt gibt es nach Angaben des Ministeriums inzwischen 9897 Corona-Todesfälle in Brasilien. Die Zahl der bestätigten Infektionen habe sich innerhalb eines Tages um mehr als 10.000 auf gut 145.000 erhöht. Experten ziehen die offizielle Statistik wegen der geringen Testdichte jedoch in Zweifel, sie gehen davon aus, dass die Zahl der Infizierten in Brasilien bis zu 20 Mal höher liegen könnte. 

Epizentrum der Corona-Krise in Brasilien ist der Bundesstaat São Paulo mit seinen knapp 46 Millionen Einwohnern. Dort wurden bereits mehr als 41.000 Corona-Fälle und 3400 Tote verzeichnet. Die Schulen und die meisten Geschäfte in dem Bundesstaat sind seit Ende März geschlossen. 

Die Ausgangsbeschränkungen wurden am Freitag trotz der Warnungen von Präsident Jair Bolsonaro bis Ende Mai verlängert. Brasiliens rechtsradikaler Staatschef hat wiederholt von einer weltweiten „Hysterie“ im Zusammenhang mit Covid-19 gesprochen. Die von den Bundesstaaten verhängten Ausgangsbeschränkungen schaden seiner Ansicht nach unnötig der Wirtschaft. 

Corona in Brasilien: Dramatische Entwicklung bei den Todesfällen

+++ 11.00 Uhr: Die Anzahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus steigt in Brasilien immer schneller. Den Daten des Gesundheitsministeriums vom Mittwoch zufolge wurden erstmals mehr als 600 Corona-Tote innerhalb von 24 Stunden registriert. Demnach lag die Zahl der Gestorbenen „am schlimmsten Tag“, wie das Portal „G1“ schrieb, zwischen Dienstag und Mittwoch bei 615. Das ist die höchste Zahl für diesen Zeitraum seit Beginn der Covid-19-Pandemie. Insgesamt sind in Brasilien nach offiziellen Angaben bislang 8536 Menschen im Zusammenhang mit dem Virus gestorben. 125 218 Infizierte wurden inzwischen registriert.

Bolsonaro-Vertrauter mit Coronavirus infiziert

Update vom 07. Mai 2020, 5.15 Uhr: Der Sprecher des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Dies gab das Büro von General Otávio Rêgo Barros am Mittwoch bekannt. Demnach sei der 59-Jährige zu Hause in Quarantäne. Der Sprecher ist ein weiterer Corona-Fall aus dem Umfeld des rechtspopulistischen Präsidenten, der das Virus verharmloste, nichts von Einschränkungen hält und Massenansammlungen auslöst. Rêgo Barros gehörte allerdings nicht der brasilianischen Delegation an, die im März mit Bolsonaro zu einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump in dessen Resort in Mar-a-Lago in Florida war.

Mindestens 23 Mitglieder wurden danach positiv getestet, unter ihnen Kommunikationssekretär Fábio Wajngarten und General Augusto Heleno, Chef des Kabinetts für institutionelle Sicherheit. Bolsonaro selbst unterzog sich zwei Tests und gab in beiden Fällen bekannt, dass sie negativ ausgefallen seien. Allerdings zeigte er etwa im Gegensatz zu Heleno nicht die Ergebnisse. Nach einem juristischen Hin und Her bestimmte ein Gericht am Mittwoch, dass Bolsonaro die Ergebnisse zeigen müsse - und nicht nur ärztliche Berichte, wie er es getan hatte. Zuletzt hatte der Präsident in einem Interview wie im März erneut gesagt, dass er das Virus vielleicht schon gehabt und es nicht gemerkt haben könnte.

Mehr als 100.000 Corona-Fälle in Brasilien

Update vom 04. Mai 2020: In Brasilien haben sich nach offiziellen Angaben nun mehr als 100 000 Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Wie das Gesundheitsministerium in Brasília am Sonntag (Ortszeit) bekanntgab, lag die Zahl der Corona-Infizierten bei 101 147. Mindestens 7025 Menschen sind im Zusammenhang mit dem Virus bislang gestorben. 

Die Dunkelziffer der Infizierten dürfte unter anderem aufgrund fehlender Tests und noch nicht ausgewerteter Laborergebnisse noch weit höher liegen. Allerdings ist Brasilien mit mehr als 200 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land in Lateinamerika.Update vom 02. Mai 2020: Der international bekannte Fotograf Sebastião Salgado ruft zur Rettung der Indigenen Brasiliens* auf. Ihnen drohe Völkermord – durch Corona und wirtschaftliche Ausbeutung. Zahlreiche Zeitungen weltweit drucken den Aufruf des Fotografen.

Salgado wendet sich in seinem Schreiben direkt an „Seine Exzellenz Jair Bolsonar“. Brasiliens Präsident solle unverzüglich Maßnahmen zum Schutz der Indigenen einleiten.

Bolsonaro attackiert WHO: Organisation ermutige Kinder zur Homosexualität

Update vom 01. Mai 2020: Jair Bolsonaro folgt in der Corona-Krise der Strategie seines Vorbilds Donald Trump, und setzt noch einen oben drauf: In einem Facebook-Post warf Bolsonaro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor, sie ermutige kleine Kinder zur Masturbation und zur Homosexualität. „Das ist die Weltgesundheitsorganisation, deren Empfehlungen zum Coronavirus ich aus Sicht einiger Leute folgen soll“, schrieb Bolsonaro laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).

Belege für seine kruden Behauptungen brachte Bolsonaro nicht. Der entsprechende Facebook wurde kurz darauf wieder gelöscht. Immer noch online ist dafür die rhetorische Frage von Bolsonaros Berater Arthur Weintraub, in einem Tweet behauptet hatte, die WHO würde Kinder im Alter von 0 bis 4 Jahren zur Masturbation ermutigen.

Oms com diretrizes recomendando que crianças de 0 a 4 anos sejam ensinadas sobre "masturbação", "prazer e diversão", "tocar o corpo" e "ideologia de gênero". Isso é correto???

Corona-Krise in Brasilien: Jair Bolsonaro rudert zurück

Update vom 29.04.2020, 23.08 Uhr: Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro hat die Ernennung eines engen Vertrauten zum Chef der Bundespolizei zurückgezogen. Bolsonaro gab seine Entscheidung bekannt, nachdem ein Richter am obersten Gerichtshof die Nominierung von Geheimdienstchef Alexandre Ramagem bereits vorläufig ausgesetzt hatte. In der Kontroverse um die Neubesetzung der Spitze der Bundespolizei ist Bolsonaro massiv unter juristischem Druck geraten.

Der oberste Richter Alexandre de Moraes hatte am Mittwoch die Ernennung Ramagems in einer einstweiligen Verfügung vorläufig ausgesetzt. Diese sei nicht vereinbar mit „den verfassungsrechtlichen Prinzipien der Unparteilichkeit, der Moral und dem öffentlichen Interesse“, hieß es in dem Urteil, welches die Nachrichtenagentur AFP einsehen konnte.

Ramagem ist ein enger Vertrauter Bolsonaros und leitete im Wahlkampf dessen Sicherheitsteam. Er ist derzeit Leiter des brasilianischen Geheimdienstes Abin. Der Geheimdienstchef ist auch eng mit Bolsonaros Sohn Carlos befreundet, gegen den wegen einer Falschinformationskampagne zur Corona-Pandemie ermittelt wird. 

Bolsonaro: „Ich vollbringe keine Wunder“

Update vom 29.04.2020, 07.20 Uhr: Brasiliens rechtspopulistischer Präsident Jair Bolsonaro hat erneut mit seinen Aussagen zur Corona-Krise Aufsehen und Kritik erregt. Auf Anfrage eines Journalisten bezüglich der drastisch gestiegenen Corona-Fallzahlen in Brasilien antwortete der Präsident: „Und? Es tut mir leid. Was soll ich tun? Ich bin Messias, aber ich vollbringe keine Wunder“. Damit spielte er auf seinen zweiten Vornamen an. der lautet nämlich Messias.

In Brasilien ist die Zahl der Todesopfer durch das Coronavirus innerhalb von 24 Stunden um den Rekordwert von 474 Todesfälle auf mehr als 5000 gestiegen, wie das Gesundheitsministerium in Brasília mitteilte. Womöglich sei die Opferzahl noch höher, da die Ursachen von 1156 Todesfällen noch untersucht würden.

Mit einer Gesamtzahl von 5017 Todesopfern hat Brasilien damit China offiziell übertroffen. Die Dunkelziffer der Toten und Infizierten dürfte aber aufgrund fehlender Tests noch höher liegen. Die Zahl der Infizierten in dem 210-Millionen-Einwohner-Land könnte daher zwölf- bis 15-mal höher sein als offiziell angegeben.

Während Krankenhäuser und Friedhöfe des Landes bereits an ihre Grenzen gerieten, hatte Bolsonaro das Coronavirus stets verharmlost und die Auflösung von Einschränkungen gefordert. 

Brasiliens Präsident Bolsonaro will Fußball zurück 

Update vom 28.04.2020, 10.39 Uhr: Brasiliens umstrittener Staatspräsident Jair Bolsonaro, in der Corona-Pandemie erklärter Kritiker einer strikten Isolation, hat sich für die baldige Wiederaufnahme des Fußballs in seinem Land ausgesprochen. „Wenn es von meiner Stimme abhängt, genehmige ich es“, sagte der 65 Jahre alte Rechtspopulist vor seinem offiziellen Wohnsitz in der Hauptstadt Brasilia.

Voraussetzung für Lockerungen sei für ihn ein technisches Gutachten des Gesundheitsministeriums, das laut Bolsonaro der Initiative jedoch positiv gegenüberstehe. An seiner Seite bestätigte Gesundheitsminister Nelson Teich Überlegungen in diese Richtung, weil der rollende Ball „den Leuten eine leicht bessere Routine zurückbringe, da Klausur und Beschränkungen negative Wirkungen auf das Wohl der Menschen hätten“.

Derweil hat das Oberste Gericht in Brasilien die Eröffnung eines Verfahrens gegen Präsident Jair Bolsonaro genehmigt. Damit gab das Gericht am Montagabend einem Antrag der Generalstaatsanwaltschaft statt, wie die Tageszeitung „Folha de São Paulo“ berichtete. Bei dem Verfahren geht es um den Verdacht der politischen Einflussnahme auf polizeiliche Ermittlungen. Der zurückgetretene Justizminister Sérgio Moro hatte Bolsonaro beschuldigt, solche Ermittlungen gegen seine Söhne unterbinden zu wollen.

Corona in Brasilien: Bolsonaro verliert Justizminister Moro

Update vom 25.04.2020, 08.39 Uhr: Nachdem Brasiliens Gesundheitsminister seinen Hut nehmen musste, geht nun auch Justizminister Sergio Moro - allerdings freiwillig. Grund für den Bruch mit der Regierung Bolsonaro ist offenbar ein Streit um die Bundespolizei. Die hatte vermehrt um Umfeld des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro ermittelt. Darauf hin wollte dieser, dass Moro den Chef der Bundespolizei feuert. Moro wollte das nicht hinnehmen und sah darin eine politische Einmischung. 

Der ehemalige Richter Sergio Moro hatte 22 Jahre als Richter gegen Korruption und Vetternwirtschaft in Brasilien gekämpft. Vor 15 Monaten er seine Karriere aufgegeben, um Justizminister zu werden. Neben Wirtschaftsminister Paulo Guedes wurde Moro immer wieder als "Superminister" bezeichnet.

Update, 24.04.2020, 5:45 Uhr: In Brasilien ist die Zahl der täglichen Todesfälle durch das Coronavirus auf über 400 gestiegen. Laut Angaben des Gesundheitsministeriums sind zwischen Mittwoch und Donnerstag 407 Menschen an Covid-19 gestorben. Das ist die höchste Zahl seit Beginn der Corona-Pandemie in dem größten Land Südamerikas.

Der Hotspot der Corona-Krise in Brasilien ist Manaus. Die Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas verzeichnete in den vergangenen Tagen einen rapiden Anstieg der Todesfälle von 20 bis 30 pro Tag auf fast 100. „Es sind Szenen wie aus einem Horrorfilm“, sagte der Bürgermeister Manaus‘, Virgilio Neto, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Längst ist Brasilien das Land mit den meisten Corona-Infizierten in ganz Südamerika. Präsident Jair Bolsonaro hatte den Virus zu Beginn verharmlost. Erst vor kurzem kritisierte der Rechtspopulist zudem die Ausgangssperren, die Gouverneure der brasilianischen Bundesstaaten verhängt hatten.

Corona in Brasilien: Bolsonaro nimmt an Protest gegen Corona-Maßnahmen teil

Update, 20.04.2020, 06.25 Uhr: Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat an einer Demonstration gegen die in der Corona-Krise verhängten Ausgangsbeschränkungen teilgenommen. „Ihr müsst für Eurer Land kämpfen“, rief Bolsonaro am Sonntag den rund 600 Demonstranten zu, die sich vor dem Hauptquartier der Armee in der Hauptstadt Brasília versammelt hatten. 

Er kündigte an, dass er sich für die „Demokratie“ und „Freiheit“ in Brasilien einsetzen werde. Die Demonstranten forderten auf Plakaten die Schließung des brasilianischen Parlaments sowie die Intervention der Armee an der Seite Bolsonaros in der Corona-Krise. 

Der Staatschef ging in seiner Rede, die er von der Ladefläche eines Kleinlasters aus hielt und die er wiederholt wegen Hustenanfällen unterbrechen musste, auf diese Forderungen nicht ein. 

Bolsonaro hat die von Gouverneuren der brasilianischen Bundesstaaten verhängten und parlamentarischen Anführern unterstützten Ausgangsbeschränkungen wegen ihrer wirtschaftlichen Folgen wiederholt scharf kritisiert.

Kritik gegen Bolsonaro wird heftiger 

Update, 17.04.2020, 13.15 Uhr: Jair Bolsonaro gibt in der Corona-Krise eine eher fragwürdige Figur ab. Lange galt der brasilianische Präsident als letzter Corona-Leugner, die Gefahr der Pandemie spiele er stets gerne herunter. Doch angesichts steigender Infektionszahlen und maroder Gesundheitssysteme geht in Brasilien inzwischen die Angst um. Und die Kritik an Bolsonaro wird immer heftiger. 

Jetzt hat auch der frühere Präsident des Landes verbal gegen ihn geschossen. Mit seinem kriminell verantwortungslosen Umgang mit Coronaviren führe Bolsonaro die Brasilianer „zum Schlachthaus“, sagte Luiz Inácio Lula da Silva in einem Interview mit dem Guardian, das geführt wurde, als die Zahl der Covid-19-Todesopfer in Brasilien bei 1.924 lag. Inzwischen hat sich die Zahl laut Johns Hopkins University auf 1952 erhöht (Stand 17.04.). 

„Leider befürchte ich, dass Brasilien aufgrund der Rücksichtslosigkeit von Bolsonaro sehr leiden wird“, sagte der 74-Jährige, der Bolsonaro in dem Interview als Höhlenbewohner („troglodyte“) bezeichnete. Er fürchte, es könne in Brasilien zu ähnlich schrecklichen, monströsen Bilder kommen wie in Guayaquil.

„Wir können nicht nur einen Präsidenten stürzen wollen, weil wir ihn nicht mögen“, gab Lula zu. Wenn Bolsonaro aber so weitermache, müsse ein Weg gefunden werden, ihn eines Amtes zu entheben.

Corona-Krise in Brasilien: Jair Bolsonaro feuert beliebten Gesundheitsminister 

Update, 16.04.2020, 21.57 Uhr: Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat den im Land beliebten Gesundheitsminister Luiz Mandetta entlassen. „Ich habe eine Nachricht über meine Entlassung von Präsident Jair Bolsonaro erhalten. Ich wollte mich für die Gelegenheit bedanken, unser Gesundheitssystem zu leiten und unseren Kampf gegen die Corona-Pandemie zu planen, diese große Herausforderung, die unserem Gesundheitssystem bevorsteht“, twitterte Mandetta. 

Mandetta sprach sich für soziale Isolation aus, während Präsident Bolsonaro darauf besteht, dass der Schlag gegen die brasilianische Wirtschaft, verursacht durch die Pandemie, wichtiger sei als der Verlust von Menschenleben. Der Präsident verharmloste die Gefahr, sprach gar von einem „Grippchen“. Das Herunterspielen der Gefahr durch das neuartige Coronavirus brachte Bolsonaro viel Kritik ein – auch in Form von Protesten gegen den Präsidenten. Die nun beschlossene Entlassung des Gesundheitsministers könnte die bereits angespannte Stimmung in Brasilien weiter kippen. 

Update, 08.04.2020, 17:00 Uhr: Von einem kurz bevorstehenden Militärputsch gegen Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro kann wohl noch keine Rede sein. Doch der „Tropen-Trump“, wie Bolsonaro gleichermaßen von Anhängern und Kritikern genannt wird, hat in der Corona-Krise nach Meinung eines Großteils der brasilianischen Bevölkerung bislang versagt. Er musste in den vergangenen Tagen einen empfindlichen Machtverlust erdulden.

Coronavirus: Jair Bolsonaro verharmlost Pandemie

Ausgangspunkt war ein Konflikt mit Gesundheitsminister Luiz Mandetta. Mandetta sprach sich im Kampf gegen das Sars-CoV-2 Virus für Isolationsmaßnahmen aus, Bolsonaro war strikt dagegen. Der Rechtspopulist verharmloste die Gefahr, sprach gar von einem „Grippchen“. Mandetta widersprach seinem Chef. Der wollte ihn - laut Informationen mehrerer Medien - daraufhin feuern. Doch weil sich weitere Kabinettsmitglieder auf die Seite Mandettas schlugen, blieb der Gesundheitsminister im Amt. 

Und zu allem Überfluss meutern dann auch noch die Regierungen der einzelnen Bundesstaaten gegen die Zentrale in Brasilia. Ehemalige Unterstützer gingen auf Distanz, andere ignorieren die Anordnungen der Bundesregierung. 

Gleich mehrere Niederlagen für Bolsonaro, dessen Zustimmungswerte in der Corona-Krise ohnehin schon im Keller sind. Wie die Tageszeitung „taz“ berichtet, halten gerade einmal 33 Prozent der Brasilianerinnen und Brasilianer die Arbeit von Bolsonaro für gut. Bei Mandetta sind es 76 Prozent.

Erstmeldung

Ist Brasiliens Präsident Jair Messias Bolsonaro rund 15 Monate nach Amtsantritt bereits am Ende? Der argentinische Investigativ-Journalist Horacio Verbitsky will erfahren haben, dass das Militär Bolsonaro entmachtet und den General Walter Souza Braga Netto als „operationalen Präsidenten“ eingesetzt hat, der nun alle wichtigen Entscheidungen „an Bolsonaro vorbei“ trifft. Anlass soll die wirre Amtsführung in der Corona-Krise sein.

Verbitsky beruft sich auf ein Telefonat zwischen einem argentinischen und einem brasilianischen Militär. Das Erstaunlichste ist, dass Bolsonaro dem „institutionellen Putsch“ zugestimmt haben soll, um den „demokratischen Anschein“ zu wahren. Gleichzeitig habe Bolsonaro nun freie Hand, die Maßnahmen der eigenen Regierung in der Corona-Krise zu kritisieren, um seine Wählerbasis bei Laune zu halten. Also „Narrenfreiheit“ statt Regierungsverantwortung.

Brasilianische Medien ignorieren Verbitskys Theorie bislang. Doch Beobachter sind sich einig, dass Bolsonaros Macht schwindet und der Einfluss des Militärs stärker wird. Nicht mal während der Diktatur (1964-1985) gab es derart viele Militärs an den Schaltstellen der Exekutive. Bolsonaro, der es bis zum Hauptmann brachte, hat mehrere Generäle in die Regierung geholt, darunter ist auch sein Vize, Hamilton Mourao.

General Braga Netto gilt als Pragmatiker. 2018 hatte er inmitten einer Sicherheitskrise die Regierungsmacht in Rio übertragen bekommen. Während der neun Monate dauernden Intervention sank die Mordrate der Metropole, während die Gewalt durch den Sicherheitsapparat zunahm. Bolsonaro hat Braga Netto just im Februar zum „Chefe da Casa Civil“ ernannt. Die Position ähnelt der des Kanzleramtschefs in Deutschland oder des Stabschefs im Weißen Haus.

Um den Anschein zu vermeiden, dass das brasilianische Militär nun auch diesen wichtigen Posten besetzt, hatte Braga Netto seine Pensionierung um fünf Monate vorgezogen. Er hat auch seine Uniform gegen einen Anzug eingetauscht, aber seine Kommissbräuche sind geblieben: Während einer Pressekonferenzen zur Corona-Krise würgte er Fragen ab, die ihm missfielen, und schließlich warf er alle Journalisten raus.

Braga Netto soll aber auch hinter Bolsonaros erstaunlich versöhnlicher TV-Ansprache vorige Woche stecken. Zuvor war der Präsident eher durch seine verbalen Ausfälle gegen Bürgermeister und Gouverneure aufgefallen, die Ausnahmebeschränkungen verhängten.

Wutausbruch gegen „Stars“

Doch längst wütet Bolsonaro wieder gegen seine Gegner – und sogar die eigenen Minister. Das bekam auch der Chef des Gesundheitsressorts zu spüren. Luiz Henrique Mandetta folgt nicht Bolsonaros Wünschen, sondern den Vorgaben der WHO. Der Präsident ließ bereits mehrfach anklingen, den unbotmäßigen Mandetta entlassen zu wollen, weil der die Corona-Krise nur nutze, um sich „aufzuspielen“. Umfragen haben ergeben, dass Mandetta mehr als doppelt so beliebt ist wie Bolsonaro. Der Präsident drohte am Wochenende, alle Minister vor die Tür zu setzen, die sich zu „Stars“ aufschwingen wollten.

Psychologen diskutieren offen über Bolsonaros psychischen Zustand. Medienberichten zufolge bricht er vor seinen Mitarbeitern in Tränen aus und lässt im Präsidentengarten evangelikale Gruppen gegen das Coronavirus beten. Politische Beobachter sehen in Bolsonaro zunehmend eine Marionette. Ex-General Braga Netto soll sich offen für Gesundheitsminister Mandetta ausgesprochen haben, um dessen Entlassung zu verhindern.

Die Isolierung Bolsonaros geht soweit, dass auch der Kongress ihn umgeht und lieber direkt Minister konsultiert. Die meisten Brasilianer glauben inzwischen, der Präsident störe bei der Bekämpfung des Virus eher, als dass er hilft. Vergangene Woche meinte Bolsonaro gar, Journalisten klarmachen zu müssen, dass er der Präsident sei. Es klang wenig überzeugend. (FR/kna)

Brasilien ist weltweit nach den USA das am schlimmsten von der Corona-Krise getroffene Land. Doch Jair Bolsonaro verharmlost die Lage immer noch.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Martin Mejia/AP/dpa

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